Sexismus heute: von der Leyen – die „Mutti der Kompanie“

Aus aktuellem Anlass möchte ich heute die lange angedachte Kategorie Sexismus heute (Arbeitstitel) ins Leben rufen:

Wieso höre ich eigentlich in den vergangenen Tagen nur Zweifel an von der Leyen und der Bewältigung ihrer neuen Aufgaben? Wieso höre ich Radiomoderatorinnen immer und immer wieder, wie sie das elende „Mutti“-Gewäsch von sich geben? Frauen, die eine erfahrene Ministerin in eine absolut dämliche Schublade stecken, die selbst durch die Sexismus-Brille nun wahrlich nicht mehr zum neuen Ministerium passt. Irgendwie bekomme ich immer häufiger das Gefühl, wir brauchen einen Begriff für Sexismus gegen das eigene Geschlecht: Segoismus vielleicht.

Ich kann mich nicht erinnern, dass an Ramsauer und Friedrich bei der letzten Regierungsbildung medial derart rumgenölt worden wäre – und die waren absehbar unfähig, wofür es nach der jetzt endlich fertigen Regierung Belege gibt und worunter wir alle leiden. Gröhe im Gesundheitsministerium, darüber sollten wir mal sprechen. Stattdessen haben wir ja jetzt ne Soldaten-Mutti und ne Mutti der Nation… ja, ist das toll… Himmel, Arsch und Zwirn… Ich frage mich, warum Pofalla gehen lassen – wenn dann Dobrindt als Verkehrsminister kommt? Ein Verkehrsminister, der auch fürs Internet zuständig sein wird… Rationiert er dann auch bald Verhütungsmittel? Hat ja alles irgendwie mit Verkehr zu tun. Ich verliere mich…

Wenn ich mir das ZDF-Interview mit von der Leyen anschaue, stelle ich fest: Sie scheint mit Abstand die beste Besetzung des Kabinetts zu sein. Sie blickt von ihrer Warte aus realistisch auf ihre Aufgaben und Möglichkeiten. Ich würde mir mehr Selbstzweifel und weniger dickes Ego auch von Friedrich, Seehofer, Gabriel und Co wünschen. Die Herren spielen definitiv nicht in ihrer Coolness-Liga. Ich denke nicht, dass Friedrich sich jemals wirklich eingearbeitet hat in Sachen NSA, BND und Ähnliches. Warum hängen sich die Medien – in diesem Fall Kleber im Namen des ZDF – so an von der Leyen auf? Kein Minister hat (auch nur die geringste) Ahnung von Tuten und Blasen im jeweiligen Haus. Greifen wir zufällig ein Los heraus: Ramsauer ist gelernter Müller – hat dann noch ein bisschen Wirtschaft an der LMU draufgelegt… Ganz klar, perfekte fachliche Voraussetzungen für seine wahrgenommenen Posten. Friedrich ist Jurist, hat auch ein bisschen Wirtschaft draufgesattelt – aber hey, er hat gedient – WOW, ab ins Innenministerium. Und bei de Maizière weiß ich nicht, ob ich seine persönliche und Familiengeschichte mit und in der Bundeswehr als Qualifikation für seine Ämter auf die plus- oder auf die minus-Seite stellen soll. Wird man durch Zugehörigkeit und einen Vater, der Generalinspekteur der Bundeswehr war, wirklich zu einem besseren Verteidigungsminister oder trüben derartige Verquickungen nicht eher den objektiven Blick? Eine rational denkende Frau mit analytischen Fähigkeiten wird der Bundeswehr sicher nicht schaden.

Nun noch ein paar weihnachtliche Gender-Verbrechen und bis zum nächsten Mal bei Sexismus heute.

Update 18.12.2013 – 13.24 Uhr:

Leseempfehlung:

Wer die Personalie von der Leyen auf die Geschlechterfrage reduziert, begeht jedoch einen entscheidenden Fehler, der vom Grundsätzlichen ablenkt. Die Personalie von der Leyen ist keine „Geschlechterfrage“, sondern vielmehr eine „Klassenfrage“. Ohne ihre Herkunft aus der Oberschicht wäre Frau von der Leyen heute mit Sicherheit keine Ministerin. Und ob ein Mann oder eine Frau als Vertreter der Oberschicht Männer und Frauen der unteren Schichten für die Interessen der Oberschicht in den Tod schickt, sollte eigentlich Grundlage einer weiterführenden Diskussion sein. – Jens Berger, „Der Kuss der Patin – Irrungen und Wirrungen um Ursula von der Leyen“ auf nachdenkseiten.de

Ich möchte nochmal betonen, dass ich mich gerade genau daran störe, die Diskussion auf ihr Geschlecht zu reduzieren. Ganz generell sollte diskutiert werden, wer mit welchen Kompetenzen, was in unserem Land steuert. Egal, ob Frau oder Mann.

Gabriel, Slomka und die wichtigen Fragen

Wenn Medien diskutieren… Sigmar Gabriel im Interview mit Marietta Slomka. [Der Clip hier auch auf YouTube]

Seit der Ausstrahlung des oben verlinkten Interviews spricht ein Großteil deutscher Medien und Journalisten mal wieder über sich statt über Themen.

Vor welcher Problematik steht die deutsche Bevölkerung? Davor, bald eine marginalisierte Opposition im Parlament vorzufinden, die viele parlamentarische Kontrollwerkzeuge aufgrund der Mehrheitsverhältnisse nicht mehr wird nutzen können.

Welche Fragen stellen sich? Ist dabei die bedeutendste, ob die SPD-Basis einer solchen Regierung zustimmt oder, ob das die SPD-Oberen unter sich ausmachen?

Interessant wäre doch gewesen, was der Sozial-Demokrat Gabriel dazu sagt, dass die parlamentarische Opposition zum Zugucken verdammt sein wird.

Dass zusätzlich auch noch technische Probleme (Latenz) dazu führen, dass sich die beiden ins Wort fallen müssen, hilft der Situation nicht gerade.

Wir brauchen mehr scharfe Interviews und hartnäckiges Nachfragen: aber bitte auch mit den richtigen und wichtigen Fragen. Da stellen sich schließlich einige, wenn SPD und CDU zusammenfinden: Vorratsdatenspeicherung und andere Überwachung aller Bürger, Sozial-, Energie- und Umweltpolitik, …

Gute Arbeit darf gelobt werden – sie muss aber (besonders im Journalismus auf diesem Niveau) gleichzeitig selbstverständlich sein.

Andere Meinungen:
taz – Uli Hannemann – „Paranoid, enttäuscht, hilflos“

Diskussion auf Facebook bei Sandra Müller

Update 2.12.2013, 10:35:

Sandra Müller hat mir daraufhin auf Facebook geantwortet:

Da ist was dran. Aber es verkennt natürlich den Anlass konkret DIESES Interviews.

Es wurde nicht geführt nach der Unterzeichnung des Vertrags und als Interview, das die Inhalte dieses Vertrags erläutert.

Es wurde am Abend des ersten SPD-Termins bei der Partei-Basis vor Ort geführt, um das bundesdeutsche Novum „ein Koalitionspartner lässt seine Parteimitglieder über die Annahme des Vertrags abstimmen“ zu beleuchten.

Man kann das trotzdem für falsch halten. Aber tagesaktueller Journalismus ist natürlich nie/selten allgemeingültig, umfassend, erschöpfend. Und Slomkas Zuspitzung war in jedem Fall gängige journalistische (und weitgehend akzeptierte) Praxis. – Sandra Müller auf Facebook

Meine Replik (Nimmt auch Bezug auf das von Sandra Müller verlinkte Statement Friedrich Küppersbuschs auf radioeins und ist mit beeinflusst durch die Diskussion heute Morgen in der Kommunikations-Wissenschafts-Vorlesung bei Klaus-Dieter Altmeppen.):

Aber worüber diskutieren wir dann? Über eine Journalistin, die ihren Beruf ausübt? Es ist doch genau, wie Küppersbusch sagt: a) Grund-Regeln für Interviews, daher b) erstaunlich ist das Interview nicht, sondern c) journalistisches Handwerk. Welches aber wohl dennoch so selten vorkommt, dass es auffällt.

Sicher, der Aufhänger war dir SPD-Basis-Veranstaltung, aber was bleibt dann inhaltlich? Gabriel sieht keine verfassungsrechtlichen Probleme. Und da habe ich ja schon kommentiert, hätte es andere Themen und Anknüpfungspunkte: „Vom Florett zum Degen“ ist ja genau das: 7 Minuten trägt die Verfassungsproblematik nicht.

Es bleiben dann nur noch die medienpolitischen Fragen, um die es ja eigentlich ursprünglich auch nicht ging. Nämlich: Warum kann ein Politiker keine kritischen Fragen ertragen und reagiert unprofessionell? Aber dann müssten wir hier wohl mindestens so viel über Seehofer wie Gabriel diskutieren. Denn der überschreitet ja ganz eindeutig seine Kompetenzen in diesem Fall. – ich auf Facebook

kurze Durchsage: God Bless America (and Canada)

Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und eine kleine Auswahl der Menschen, die dort leben, schaffen es immer wieder, mich zu schockieren – häufig ist daran aber nichts Lustiges zu finden. Doch steigen wir in der heutigen Auflistung einiger Fälle mit einem harmloseren Beispiel ein:

Polizisten erhalten bei Dunkin‘ Donuts einen Rabatt – eine wirkliche nette Idee, wenn auch Klischee-behaftet. Dieser 145 Kilo schwere Bürger Floridas nahm diese Regelung nun zum Anlass, selbige Ermäßigung für sich und seine Familie mit einer falschen Polizeimarke und einer Schusswaffe einzufordern.

The land of the free and the home of the brave – mutig müssen die Menschen tatsächlich sein, in deren Leben auf die im Folgenden beschriebene Art und Weise eingegriffen wird:

Schüler der South Cumberland Elementary dürfen seit dem Inkrafttreten einer neuen Abhol-Ordnung nur noch mit dem Auto von der Schule abgeholt werden. Anscheinend in einem System ähnlich dem Drive-In eines Fast-Food-Restaurants. Auf der Straße – einem Highway – vor der Schule stauen sich zu Stoßzeiten die Eltern in ihren Autos. Schlimm genug, dass offensichtlich eine andere Fortbewegungsart neben Autofahren für niemanden infrage zu kommen scheint, dürfen Eltern ihre Kinder noch nicht einmal zu Fuß von der Schule abholen, um nicht im Stau stehen zu müssen. Nein: Ein derartiges Verhalten führt dazu, dass der Schul-Cop sie mit Handschellen abführt.

Cumberland County, Tennessee school safety officer illegally arresting a parent who disagreed with the school’s policy on picking up kids. The policy had recently changed, creating a long traffic jam, so the soon-to-be-arrested man walked to the school to get his kids. – Cory Doctorow, boinboing

Ein weiterer Fall verantwortungslosen Eltern-Verhaltens aus dem Dezember 2012 findet sich hier und zeigt: Die kanadischen Nachbarn führen in ihren Schulen ein beinahe ebenso strenges Regiment. Eine Mutter handelte – man möchte sagen – grob fahrlässig, ja schon mutwillig gefährlich, als sie ihr Kind ohne die 1934 auf den Markt gebrachten Ritz Crackers zur Schule schickte. Dafür gibt’s dann ein 10-Dollar-Knöllchen. Schließlich sollen sich die Kinder ausgewogen ernähren. Da taugt das Roast Beef vom Vortag samt Beilagen natürlich nicht. Vegetarier existieren im Weltbild derer, die den Canadian Food Guide aufgestellt haben, wohl ebenso wenig. So werden fleischlose Lunch Boxes vermutlich regelmäßig bestraft, denn eine vollständige Mahlzeit muss aus folgenden Bestandteilen bestehen: „1 milk, 1 meat, 1 grain and 2 fruits/vegetables“

Auch die beiden vorangegangenen Fälle waren nicht auffallend schockierend? Dann zum nun Folgenden: Eine Kundin von kleargear erhielt trotz Zahlung nie ihre Bestellung, was sie verständlicherweise dazu brachte, ihrem Ärger in diesem Fall auf ripoffreport.com Luft zu machen. Geschickterweise hat kleargear für solche Fälle vorgesorgt und eine sogenannte Non-Disparagement Clause in den AGB stehen. Diese macht jeglichen öffentlichen Kommentar, der für sie negative Folgen haben könnte, zu einer Vertragsverletzung. Angemessenerweise ist diese mit einer Strafgebühr von 3 500 Dollar belegt. Nachdem sich besagte Kundin nun weigert, diese Zahlung zu leisten, sorgt kleargear dafür, dass die amerikanische Schufa der Kundin die Kreditwürdigkeit aberkennt. Ein wirklich faires System, so eine Marktwirtschaft. [Anmerkung: Der Folgeartikel auf boingboing, in dem beschrieben wird, wie sich der Fall fortentwickelte, war bisher hier zu finden, ist nun aber nicht mehr erreich- und auffindbar. Das hier ist die Quelle, auf die sich boingboing-Autor Mark Frauenfelder beruft.]

Abgesehen davon, dass das offensichtlich sittenwidrige Vertragswerk von kleargear die Betroffenen nun in eine finanzielle Zwangslage bringt, können sie sich noch nicht einmal damit helfen, den Kommentar auf der Bewertungsplattform zu löschen.

In a statement posted to Ripoff Report’s Facebook page, founder Ed Magedson writes, „Ripoff Report does does not take down reports, for any amount of money. Never has and never will.“ Magedson continues, „$2000 is the cost of Ripoff Report’s VIP arbitration program, a program that removes only challenged statements of facts in a report that are found to be false.“ Ripoff Report says it does not allow consumers to ever remove reviews.

Allem Anschein nach hat Ripoff Report diese Regelung nicht umsonst, wenn Firmen Kommentatoren einfach das Löschen mit den oben beschriebenen Druckmitteln nahelegen.

In Anbetracht solcher Zustände frage ich mich immer, ob Derartiges auch in Deutschland möglich ist – und vermute ernüchtert: Ja.

kurze Durchsage: Gottesteilchen

Nachdem gestern der Nobelpreis für Physik verliehen wurde, schwirrt das Gottesteilchen wieder durch alle Redaktionen. Wie gewohnt wird der tatsächliche Ursprung dieses unpassenden Namens nicht erklärt und das Higgs-Boson den Zuschauern als Beweis Gottes präsentiert:

Eine wichtige Rolle spielen die Higgs-Bosonen, die wegen ihrer universellen Bedeutung auch „Gottesteilchen“ genannt wurden. – Tagesspiegel

Da ich im Auto Radio höre, hätte ich gestern beinahe ins Lenkrad gebissen als dort vom Gottesteilchen die Rede war, das Ursache aller Masse sei.

Tatsächlich verwenden Leon Lederman und Dick Terensi den Begriff „God Particle“ in ihrem Buch The God Particle: If the Universe Is the Answer, What Is the Question? nur deshalb, weil ihnen ihre Verleger untersagt hatten, das Higgs-Boson „The Goddamn Particle“ zu taufen:

In der Wikipedia dazu:

This boson is so central to the state of physics today, so crucial to our final understanding of the structure of matter, yet so elusive, that I have given it a nickname: the God Particle. Why God Particle? Two reasons. One, the publisher wouldn’t let us call it the Goddamn Particle, though that might be a more appropriate title, given its villainous nature and the expense it is causing. And two, there is a connection, of sorts, to another book, a much older one…–p. 22[5]

Say God Particle One More TimeFassen wir kurz zusammen: Weder hat das Gottesteilchen irgendetwas mit der Existenz Gottes zu tun, noch sorgt es für Masse. Wofür es in jedem Fall sorgt, ist Verwirrung und Ärger: Nicht ohne Grund ärgern sich nämlich auch Experimental-Physiker darüber, dass die Typen mit der Theorie den Nobelpreis kriegen anstatt derer, die ihr Leben dem Beweis der Theorie widmen.

Dass sich experimentelle und theoretische Physik nicht immer besonders gut ausstehen können, ist uns ja aber bereits aus dem Unterhaltungsfernsehen bekannt.

CDU regiert alleine – so oder so

Dass es für eine absolute Mehrheit der CDU im Bundestag nicht gereicht hat, ist inzwischen klar. Doch was nun?

Für Angela Merkel ist die aktuelle Lage der CDU ein Traum – trotz verpasster absoluter Mehrheit. Sie ist nun nicht mehr an die krisengeplagte FDP gebunden. Sie ist aber eben auch nicht gezwungen, nun das Land alleine zu regieren, also erstmals die volle Verantwortung für ihre Taten oder eben ihre Nicht-Taten zu übernehmen. Stillstand, Erosion der Bürgerrechte und Lobby-Politik wären in einer Alleinregierung nicht mehr auf einen Koalitionspartner abwälzbar.

Rot-Rot-Grün

Die einzige Koalition, die die CDU vom Regieren abhalten könnte, ist von Rot und Grün bereits im Vorfeld vehement ausgeschlossen worden. Einzig der ganz rote Gregor Gysi versucht, wo immer er kann, für diese Variante zu werben. Doch was wollen die Wähler? Haben sie wirklich so viel Angst vor den Linken? Und was ist politisch glaubwürdiger: Eine Koalition dreier Parteien aus dem linken Spektrum oder eine schwarze Macht mit bunten Sprenkeln?

Schwarz-rote große Koalition oder schwarz-grünes Greenwashing

Während sich die drei „Kleinen“ also überhaupt nicht rot-rot-grün sind, lacht sich Merkel nun in ihre Raute. Geht sie mit der SPD eine große Koalition ein, schlägt sie zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie lässt den Bundestag verstummen – vier Jahre ohne Opposition* zu regieren, das passt genau zu ihrem Stil. Außerdem bringt sie damit auch den Bundesrat unter Kontrolle: Wer sollte sie in dieser Konstellation noch stoppen können? Was eine große Koalition für die nächste Bundestagswahl bedeuten kann, haben wir ja bereits gesehen: Die CDU wird gestärkt, die SPD geschwächt daraus hervorgehen. 2017 wird es für die CDU dann in jedem Fall alleine reichen.

Bleibt die SPD stark genug, „Nein“ zu einer Koalition zu sagen, stehen die Grünen schon in den Startlöchern. Winfried Kretschmann ist nicht der einzige, der dies signalisiert. Doch wie würden sich die kommenden vier Jahre wohl mit einer schwarz-grünen Regierung abspielen? Merkel würde die Grünen mit ein bis zwei Ministerien abspeisen: mit Glück Umwelt und Bildung. Die Grünen könnten bei Weitem nicht ihre Ziele durchsetzen und Merkel hätte einen „Abwälz“-Partner, den sie nach den vier Jahren abfallen lassen wird wie eine vereiste Warze. Die Grünen würden für ihre Stammwählerschaft unwählbar und wären für Jahre aus dem politischen Weg der CDU geräumt.

Beide Koalitionen helfen der CDU also nicht nur während der bevorstehenden Legislaturperiode, sondern wirken auch noch darüber hinaus.

Doch es gibt einen Ausweg

Gesetzt den Fall, Katrin Göring-Eckardt, Jürgen Trittin, Sigmar Gabriel, Frank-Walter Steinmeier und all die anderen sind stark genug, auf die Macht zu verzichten und ihre Wähler nicht als Idioten zu verkaufen, könnten sie sich dazu durchringen, eine CDU-CSU-Minderheitsregierung zu dulden.

Damit zwängen sie die CDU erstmals dazu, alleine die volle politische Verantwortung zu übernehmen. Eine rot-rot-grüne Opposition wäre im Bundestag und Bundesrat ein sinnvolles Korrektiv und könnte dennoch Gesetze auf den Weg bringen, die die CDU dann gezwungener Maßen vorlegen müsste.


*Eine Opposition mit weniger als einem Viertel der Sitze hat weitreichende Folgen für das Parlament:

Die parlamentarische Sicht: Der Bundestag wird aus 630 Abgeordneten bestehen. Die Union wird 311 stellen, die SPD 192, DIE LINKE 64 und die Grünen 63. Union und SPD zusammen würden 503 Abgeordnete stellen, dass sind 79,84%. Grüne und LINKE stellen zusammen 127 Abgeordnete, dass sind 20,15%. Ein Blick in die Geschäftsordnung des Bundestages macht schlauer: § 56 Abs. 1 S. 2 GOBT – auf Antrag eines Viertels der Mitglieder des Bundestages kann eine Enquete eingerichtet werden. Nun gut, mag der eine/die andere denken, nicht so schlimm. Aber dann schauen wir mal in das PUAG: Erst wenn ein Viertel der Mitglieder des Bundestages einen Untersuchungsausschuss fordern besteht auch die Pflicht diesen einzusetzen (§ 1 Abs. 1). Ganz am Rande (§ 76 BVerfGG Abs. 1 und Art. 93 Abs. 1 Nr. 2 GG), aber nicht ganz unwichtig, sei noch darauf verwiesen dass der Gang zum Verfassungsgericht außerhalb einer Organklage (dies meint die Verletzung eigener Rechte der Fraktion) durch Grüne und LINKE allein nicht möglich ist. Sie stellen nicht ein Viertel des Bundestages.

– Halina Wawzyniak, Die Linke, auf ihrem Blog

kurze Durchsage: Grün gegen Maut

Wer hätte gedacht, dass einmal Grüne vor möglicher Maut warnen würden:

Vielleicht nicht das beste Argument für eine Stimme für die Grünen, oder doch?

kurze Durchsage: Deutschlands Medien-Ökonomen

Jens Berger schreibt auf den Nachdenkseiten: FAZ-Ökonomenranking – ein Armutszeugnis für die Massenmedien

Er nimmt in seinem Beitrag Bezug auf eine Auswertung von Media Tenor (Wikipedia-Eintrag unbedingt lesen). Erfasst wurde, welche Ökonomen wie oft in den sogenannten Massenmedien zitiert werden.

Jens Berger kritisiert zurecht, wie wenig dabei transparent gemacht wird, für wen die „Experten“ arbeiten – meist verdienen sie ihr Geld bei Banken oder anderen Arbeitgebern, die Medien ganz bewusst beeinflussen und für ihre Zwecke nutzen wollen. Er beanstandet außerdem, dass diese Zitatgeber fast ausschließlich neoliberale Ansichten vertreten. Die Medien kommen mit ihrer Expertenwahl nicht ihrer Verpflichtung nach, neutral und möglichst objektiv zu berichten.

Bei mir rennt Jens Berger damit offene Türen ein: Ich wäre sofort dafür, Börsennachrichten in ihrer jetzigen Form abzuschaffen. Welchen Mehrwert bieten Finanznachrichten für einen durchschnittlich bis unterdurchschnittlich verdienenden tagesschau-Zuschauer? Keinen. Schon gar nicht, da es sich bei den Nachrichten wohl kaum um relevante Neuigkeiten handelt. Denn diese wurden Tage zuvor von Insidern genutzt – ausgestrahlt werden Nachrichten von gestern.


Womöglich können die oben genannten „Experten“ aber auch gar nichts für ihre Scheuklappen, ihre Blindheit für wirtschaftspolitische Theorien abseits neoliberaler Konzepte: „Report: Gap Wider Than Ever Between Ultra-Rich And Reality“

Link-Lese: NSA

Verschlüsselung ist ein Problem für datensammelnde Geheimdienste. Aus den Berichten der vergangenen Tage lässt sich herauslesen, dass sie deshalb darauf setzen, vor der Verschlüsselung an die Daten zu kommen oder sich Hintertürchen zu sichern. Das heißt sie versuchen einerseits Abhörmöglichkeiten in Software zu implementieren, sorgen andererseits dafür, dass sich löchrige Standards verbreiten und genutzt werden. Außerdem üben sie Druck auf Unternehmen aus, die proprietäre Verschlüsselungstechnologie vertreiben.

The New York Times has published further details of last week’s leaked documents detailing the NSA’s program of sabotage to crypto products and standards. The new report confirms that the standard that the NSA sabotaged was the widely-suspected NIST Dual EC DRBG standard. The Times reports that the NSA then pushed its backdoored standard through the International Organization for Standardization and the Canadian Communications Security Establishment.

– boingboing.net

Kryptographen gehen davon aus, dass offene Systeme wie TrueCrypt weiterhin nicht entschlüsselt werden können. Das Problem ist aber: Es muss davon ausgegangen werden, dass Behörden wie die NSA bereits vor der Verschlüsselung zum Beispiel auf einem der oben genannten Wege Zugriff auf die Daten erlangen. Panik macht sich breit.

Betroffen scheinen vor allem SSL/TLS, VPN, OTR und auch LTE.

  • SSL/TLS: Das Verschlüsselungsprotokoll Transport Layer Security dürfte den meisten von Besuchen auf https-Webseiten bekannt sein. Es ermöglicht auch die Zertifizierung von Webseiten, sodass der Nutzer vor Phishingangriffen geschützt wird. Die meisten Browser nutzen dafür ein Schloss-Symbol (verschlüsselte Verbindung) und die Signalfarbe grün (zertifizierte Seite).
  • VPN: SSL-VPNs sind virtuelle private Netze, die mit dem oben genannten Protokoll verschlüsselt werden. Zum Einsatz kommen sie zum Beispiel, wenn sich Mitarbeiter über das Internet ins Firmennetzwerk einloggen, der Computer also virtuell im geschlossenen Netzwerk der Firma steht. Dafür nutzen sie in der Regel einen VPN-Client (Programm) oder Browser-Plug-In.
  • Laut netzpolitik.org auch OTR: Off-the-Record Messaging ist verschlüsseltes Chatten mittels Pretty Good Privacy (PGP). Heise.de nimmt darauf allerdings keinen Bezug und, da es sich um PGP Verschlüsselung handelt, kann auch hier eigentlich nur über andere Wege außerhalb der eigentlichen Verschlüsselung auf die Nachrichteninhalte zugegriffen werden.
  • Wie der Zugriff auf die LTE-Technologie funktioniert, wird in den Artikeln ebenfalls nicht beschrieben.

Die Veröffentlichungen zeigen folglich, dass gerade die weit verbreiteten und von vielen Menschen genutzten Standard-Technologien Ziel der Geheimdienste sind.

Links:
netzpolitik.org
boingboing.net
heise.de

Ein besonders interessantes Beispiel, warum die NSA gar nicht erst verschlüsselte Verbindungen und Datenpakete knacken muss, findet sich übrigens im Finanz- und Bankensektor: SWIFT. | Link: heise.de

Die NSA leitet außerdem Rohdaten, die sie selbst anscheinend noch gar nicht weiter geprüft haben, direkt an einen der israelischen Geheimdienste weiter: „NSA: Nun auch geheimdienstliches Abkommen mit Israel zum Datentausch“ – netzpolitik.org

Mark Zuckerberg meldete sich im Zusammenhang mit staatlichen Datensilos ebenfalls zu Wort. Statt aber zu sagen, dass er die Daten, die er mittels Facebook sammelt, gar nicht erst an Behörden weitergeben will oder, dass sich Facebook für bessere Gesetze zum Datenschutz einsetzen möchte, meint er: Die NSA hat’s verbockt. Weiter: Facebook wäre ja gern transparenter, darf aber nicht. Die gesamte Problematik scheint mehr als schlecht kommuniziert betrachtet zu werden, denn als wirklicher Datensammel-Skandal.

Es bleibt also dabei: Dass die NSA und ähnliche Organisationen Zugriff auf nahezu jeden Aspekt privaten Lebens haben, ist nicht verwunderlich. Eine Organisation, die Daten und Geheimnisse von Menschen sammelt, kann sich alleine dadurch weitere Zugänge zu noch mehr Informationen erschließen: Firmen und Politiker sind angreif- und erpressbar.

kurze Durchsage: Fußball-Europameisterschaft der Frauen

Berichterstattung zu vielen Themen scheint sich zu drehen, sobald wichtige Akteure und Figuren Frauen sind. Woran liegt es, dass Medienschaffende gedanklich in die 50er rutschen – egal, ob Politik, Kultur oder eben Sport Thema sind?

Warum werden solche Werbespots gedreht? Sagen die Mitarbeiterinnen dazu nichts? Werden sie so unterdrückt, dass ihre Stimmen verhallen?

Seit fast dreißig Jahren findet die Frauenfußball-EM statt, da hätten auch die verkrustetsten Machos sich mal dran gewöhnen können.

Getoppt wird das allerdings von dieser Bildergalerie bei SWR3 (Der Beitrag wurde unter dem Namen einer Redakteurin veröffentlicht, was allerdings nicht heißen muss, dass die Bildunterschriften von ihr sind). Ich frage mich, warum kaum Kritik entsteht? Vor allem bei Sprüchen wie

Simone ist ne heiße Braut. Nicht nur weil sie gerne Motorrad fährt… Sie sieht einfach klasse aus…

…und erst dieser Körper… haaarrrrrrr…. ABER!…

…ein ungünstiger Schnappschuss kann aus der schönen Simone auch mal sowas hier machen!

Da passt das hier sehr gut. Denn mir kommen beim Obenstehenden auch die Tränen:

Foto: Tannich Foto: Tannich

Vatikan empört über NSA: „Es gibt nur einen Allwissenden.“

+++ Vatikansprecher zu Spionage-Aktivitäten der NSA +++

Nachdem immer mehr Details umfangreicher Spionage- und Abhörpraktiken der amerikanischen National Security Agency an die Öffentlichkeit geraten, äußerte sich nun erstmals auch Vatikan-Sprecher, Federico Lombardi. Er bekräftigte, eine solche Überwachungsmaschinerie sei nicht hinzunehmen: „Es gibt nur einen Allwissenden.“

NSA-Direktor Keith Alexander sieht sich nun also Blasphemie-Vorwürfen aus dem Herzen des Vatikan ausgesetzt. Erst kürzlich musste er eingestehen, dass sich seine Behörde auch in Gebete katholischer Mitbürger eingehackt hatte – ursprünglich war man davon ausgegangen, dass nur R-Gespräche mit Allah betroffen gewesen waren.

+++ NSA-Chef droht Verhandlung vor Jüngstem Gericht +++

Alexander, der immer wieder betont hatte, „das Richtige“ zu tun und sich an Recht und Gesetz gehalten zu haben, muss nun damit rechnen vor das Jüngste Gericht gestellt zu werden. Dennoch wies er seine Mitarbeiter an, weiterhin alles für eine sicherere und friedlichere Welt zu tun – gegen jedweden Widerstand.

Derweil muss davon ausgegangen werden, dass sogenannte Crypto-Sekten weiter an Bedeutung gewinnen werden. Die Zahl ihrer Anhänger wird inzwischen auf einige Hunderttausende geschätzt. Dabei gilt es allerdings eine bedeutende Dunkelziffer zu bedenken, da die Gebetsräume dieser Gläubigen meist nur sehr schwach illuminiert, Zählungen daher nur schwer möglich, sind.