kurze Durchsage: God Bless America (and Canada)

kurze Durchsage: God Bless America (and Canada)

Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und eine kleine Auswahl der Menschen, die dort leben, schaffen es immer wieder, mich zu schockieren – häufig ist daran aber nichts Lustiges zu finden. Doch steigen wir in der heutigen Auflistung einiger Fälle mit einem harmloseren Beispiel ein:

Polizisten erhalten bei Dunkin‘ Donuts einen Rabatt – eine wirkliche nette Idee, wenn auch Klischee-behaftet. Dieser 145 Kilo schwere Bürger Floridas nahm diese Regelung nun zum Anlass, selbige Ermäßigung für sich und seine Familie mit einer falschen Polizeimarke und einer Schusswaffe einzufordern.

The land of the free and the home of the brave – mutig müssen die Menschen tatsächlich sein, in deren Leben auf die im Folgenden beschriebene Art und Weise eingegriffen wird:

Schüler der South Cumberland Elementary dürfen seit dem Inkrafttreten einer neuen Abhol-Ordnung nur noch mit dem Auto von der Schule abgeholt werden. Anscheinend in einem System ähnlich dem Drive-In eines Fast-Food-Restaurants. Auf der Straße – einem Highway – vor der Schule stauen sich zu Stoßzeiten die Eltern in ihren Autos. Schlimm genug, dass offensichtlich eine andere Fortbewegungsart neben Autofahren für niemanden infrage zu kommen scheint, dürfen Eltern ihre Kinder noch nicht einmal zu Fuß von der Schule abholen, um nicht im Stau stehen zu müssen. Nein: Ein derartiges Verhalten führt dazu, dass der Schul-Cop sie mit Handschellen abführt.

Cumberland County, Tennessee school safety officer illegally arresting a parent who disagreed with the school’s policy on picking up kids. The policy had recently changed, creating a long traffic jam, so the soon-to-be-arrested man walked to the school to get his kids. – Cory Doctorow, boinboing

Ein weiterer Fall verantwortungslosen Eltern-Verhaltens aus dem Dezember 2012 findet sich hier und zeigt: Die kanadischen Nachbarn führen in ihren Schulen ein beinahe ebenso strenges Regiment. Eine Mutter handelte – man möchte sagen – grob fahrlässig, ja schon mutwillig gefährlich, als sie ihr Kind ohne die 1934 auf den Markt gebrachten Ritz Crackers zur Schule schickte. Dafür gibt’s dann ein 10-Dollar-Knöllchen. Schließlich sollen sich die Kinder ausgewogen ernähren. Da taugt das Roast Beef vom Vortag samt Beilagen natürlich nicht. Vegetarier existieren im Weltbild derer, die den Canadian Food Guide aufgestellt haben, wohl ebenso wenig. So werden fleischlose Lunch Boxes vermutlich regelmäßig bestraft, denn eine vollständige Mahlzeit muss aus folgenden Bestandteilen bestehen: „1 milk, 1 meat, 1 grain and 2 fruits/vegetables“

Auch die beiden vorangegangenen Fälle waren nicht auffallend schockierend? Dann zum nun Folgenden: Eine Kundin von kleargear erhielt trotz Zahlung nie ihre Bestellung, was sie verständlicherweise dazu brachte, ihrem Ärger in diesem Fall auf ripoffreport.com Luft zu machen. Geschickterweise hat kleargear für solche Fälle vorgesorgt und eine sogenannte Non-Disparagement Clause in den AGB stehen. Diese macht jeglichen öffentlichen Kommentar, der für sie negative Folgen haben könnte, zu einer Vertragsverletzung. Angemessenerweise ist diese mit einer Strafgebühr von 3 500 Dollar belegt. Nachdem sich besagte Kundin nun weigert, diese Zahlung zu leisten, sorgt kleargear dafür, dass die amerikanische Schufa der Kundin die Kreditwürdigkeit aberkennt. Ein wirklich faires System, so eine Marktwirtschaft. [Anmerkung: Der Folgeartikel auf boingboing, in dem beschrieben wird, wie sich der Fall fortentwickelte, war bisher hier zu finden, ist nun aber nicht mehr erreich- und auffindbar. Das hier ist die Quelle, auf die sich boingboing-Autor Mark Frauenfelder beruft.]

Abgesehen davon, dass das offensichtlich sittenwidrige Vertragswerk von kleargear die Betroffenen nun in eine finanzielle Zwangslage bringt, können sie sich noch nicht einmal damit helfen, den Kommentar auf der Bewertungsplattform zu löschen.

In a statement posted to Ripoff Report’s Facebook page, founder Ed Magedson writes, „Ripoff Report does does not take down reports, for any amount of money. Never has and never will.“ Magedson continues, „$2000 is the cost of Ripoff Report’s VIP arbitration program, a program that removes only challenged statements of facts in a report that are found to be false.“ Ripoff Report says it does not allow consumers to ever remove reviews.

Allem Anschein nach hat Ripoff Report diese Regelung nicht umsonst, wenn Firmen Kommentatoren einfach das Löschen mit den oben beschriebenen Druckmitteln nahelegen.

In Anbetracht solcher Zustände frage ich mich immer, ob Derartiges auch in Deutschland möglich ist – und vermute ernüchtert: Ja.

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