Woche eins beim Zweiten Deutschen Fernsehen

Die Woche

Montag 9.45 Uhr, mein Praktikum beim ZDF begann an der Pforte mit dem Tagesausweis und führte zuerst in die Abteilung Aus- und Fortbildung. Um 10 Uhr ging es mit der Einführung los, dann kurz vor dem Mittagessen weiter in die Redaktion. Jeder Praktikant hatte ein kleines Post-It auf seinen Unterlagen, auf dem der jeweilige Arbeitsplatz für die nächsten Wochen vermerkt war. Also: Ab in den fünften Stock des Hochhauses zum… Fernsehspiel. Nein, hier war was falsch, ich war nicht der richtige Praktikant für diese Redaktion. Machte aber nichts (übrigens auch sehr nette Kolleginnen dort!) Schnell klärte sich am Telefon, dass ich da wohl versehentlich ein falsches Post-It auf meinen Unterlagen hatte.

Zwei Stockwerke tiefer sah es schon viel besser aus: Hier war ich richtig – angekommen beim „Team Lustig“ – verantwortlich für Shows wie „Leute, Leute!“, „Neues aus der Anstalt“, „Pelzig hält sich“ und die „heute-show“. Nach dem Mittagessen ging es durchs Stockwerk, zu den Kollegen von „Wetten, dass..?“, all den anderen Shows und schließlich über die Onliner wieder zurück ins eigene Büro, an dem ich fast vorbeigelaufen wäre, nachdem ich in der Runde durchs Stockwerk leicht die Orientierung verloren hatte.

Anschließend aber ans Werk: Clips sichten, die es möglicherweise in die nächste „heute-show“ schaffen könnten.

Dienstag ging es dann neben den Clips um Zuschauerpost, die beim ZDF erstens ernst genommen und zweitens mit viel Liebe beantwortet wird. Keine ganz leichte Aufgabe, aber am Mittwoch und Donnerstag lief auch das schon recht gut.

Am Mittwoch durfte ich an einer Führung durch die Studios im Sendebetriebsgebäude teilnehmen und konnte im Fernsehgarten Sonne tanken.

Donnerstag stand der erste große Wahlkampfsauftritt von Peer und Angela auf dem morgendlichen Programm: Bundestag live… und wie ihr wisst, fand sich davon einiges in der Show am Freitag. Wie hätten wir das auch „unterschlogen“ können. Außerdem habe ich Polit-Sendungen nach möglichen für die „heute-show“ interessanten Clips durchgesehen.

Die Aufzeichnung

Höhepunkt der ersten Woche war mein Freitag in Köln bei der Aufzeichnung der „heute-show“. Dort angekommen, konnten wir die Proben für den Abend miterleben. Auch, wenn mir vorher größtenteils klar war, wie eine solche Sendung produziert wird, macht es doch einen Unterschied, es wirklich zu erleben. Stephan Denzer, mein Chef und „Erfinder der „heute-show““ (Filmakademie Baden-Württemberg), führte meine Praktikantenkollegin und mich durch die Studios in der Schanzenstraße und erklärte uns die Technik: ein weiteres, schönes Extra des Tages.

Satire ist übrigens immer noch (ein bisschen) Theater. Kulissenumbau und Proben gehören dazu wie Aberglaube und Bräuche, die für die nötige Sicherheit sorgen. Auch bei Oliver Welke, dem abgebrühten Anchorman der „heute-show“. Details kann ich leider nicht verraten: Aberglaube und so…

Schön, Alexander Schubert ungegelt beim Proben seiner Rolle des Albrecht Humboldt zu beobachten und zu sehen, wie sich die Protagonisten vor der Show noch Tipps für ihre Auftritte geben und bis zum Schluss an den Details gefeilt wird: Zum Beispiel Claus von Wagners französischen Grüßen. Christine Prayon machte mir in der Probe fast noch mehr Freude als in der Show selbst.

Abends dann die Aufzeichnung: Die Tribüne füllt sich mit 200 Gästen, wir sitzen in der Regie. Das Publikum wird auf die Sendung eingestimmt. Dann: Auftritt Oliver Welke, der nochmal das Publikum auf die folgende halbe Stunde vorbereitet und mit einem Mini-Stand-Up-Programm für die richtige Stimmung im Studio sorgt. Schon geht es los. Ab jetzt hält sich alles an den Ablaufplan: Ton, Bild, Regie. Im „Kontrollraum“ werden die Einspieler eingezählt, Schwenks und Kameras zugeteilt, die Sendung komponiert.

Es sind eben nicht nur Oliver Welke und die anderen Schauspieler, sondern mit ihnen auch das ganze Team, das fürs Gelingen verantwortlich ist. Requisiten, Kulissen, Regie, Bild, Ton, Redaktion und, und, und…

Es war toll, vielleicht klappt’s in den nächsten sechs Wochen nochmal.

Gute Reise

Meine Heimreise aus Köln möchte ich hier in einem eigenen Kapitel schildern. Sie begann um kurz nach 21 Uhr in Köln-Mülheim. Eine laue Sommernacht klanglich durchbrochen von Sirenengeheul und geruchlich durch die Bierlache auf dem Boden der U-Bahn, die im Rhythmus der Haltestellen langsam hin und her schwappte. Am Hauptbahnhof erreichte ich in vollem Sprint das Gleis, um dort zu erfahren, dass sich der ICE um eine Viertelstunde verspäten würde.

Oh, wäre es doch nur bei dieser Viertelstunde geblieben. Immer wieder die Bahn-Website befragend, erfuhr ich von immer interessanteren „schnellsten“ Verbindungen. Und so führte mich meine Reise im ICE nach Frankfurt, dann im IC nach Mainz. Dies war auch für den Schaffner von Frankfurt nach Mainz derart irritierend, dass er mich doch glatt fragte: „Ham Sie auch noch ’nen and’ren Fahrschein?“ Worauf ich ihm entgegnen musste, dass ich nicht unbedingt freiwillig diese extravagante Route gewählt hatte.

Von Mainz aus ging es dann nur noch mit dem Auto nach Darmstadt, was in nicht mal 20 Minuten erledigt war. Nun: Es gibt effizientere Wege von Köln nach Darmstadt. Doch hatte ich ja eigentlich mit einer schnellen Verbindung gerechnet und war, mein Wochenendgepäck zurücklassend, nur mit leichtem Gepäck nach Köln gereist. So war ich gezwungen im Zickzackkurs mal aufs Ziel zu, mal vom Ziel weg zu reisen.

Weltenbummler wider Willen, kam ich nach fast fünf Stunden daheim an. Morgens hatte ich die Strecke als Mitfahrer im Auto in weniger als der Hälfte der Zeit absolviert. Die Bahn macht eben mobil. Nur nicht immer zielgerichtet.

So kurz können elf Wochen sein

Am Freitag endete meine letzte Praktikumswoche bei Sympra. Ich habe viel gesehen – und damit meine ich nicht nur den Hausbrunnen, den Gewölbekeller und den Serverraum oder die Archive, den wunderschönen Garten und all die anderen Orte in der Stafflenbergstraße 32. Eine Adresse, an der nicht nur gearbeitet, sondern auch täglich gemeinsam gegessen und zu gegebenem Anlass gefeiert wird. In diesem Jahr etwas häufiger als sonst. [Anm. d. Autors: Sympra ist 20 geworden.]

Die Sympra-Residenz

So viel ich auch gesehen habe, habe ich doch noch viel mehr miterlebt und mitgestalten können und dürfen. Das „PR-Luft-Schnuppern“ ist inzwischen in Atmen übergegangen. Auch wenn ich nicht so weit gehen möchte, meinen Arbeitsplatz im Dachgeschoss als Höhentraining zu bezeichnen.

Recherchieren, Texten, Gestalten

Ich wollte unbedingt wissen, wie all die Abstimmungsprozesse mit Kunden funktionieren oder wie eine Zusammenarbeit für einen Kunden zwischen mehreren Agenturen abläuft. Das habe ich erlebt.

Von Anfang an gehörte Recherche in ihren verschiedensten Formen und mit den unterschiedlichsten Thematiken zu meinen Aufgaben: Welche Kommunikationswege wählen Versicherungsgesellschaften im Web? Wie erreiche ich indische Erfinder und afrikanische Nichtregierungsorganisationen? Wie viel Strom verbraucht das Internet? Finde ich die Antwort schneller online oder wen muss ich anrufen, um das herauszubekommen?

Aber auch Gestalten und Texten fand in den letzten Wochen statt: Unter anderem in Form des Smart Communication Newsletters, mit dem Alcatel-Lucent seine Mitarbeiter über aktuelle Entwicklungen in Sachen Glasfasertechnologie informiert.

Durch Korrekturlesen, Clippings und das Erstellen von Pressespiegeln konnte ich weitere Einblicke in die Arbeitsfelder von Sympra gewinnen. Auch Tricks und Kniffe aus dem Studium fanden – unter anderem beim Bloggen für Kunden und Sympra selbst – Verwendung.

Doch neben dem „Was“ ist mir ganz besonders das „Wie“ der Arbeit bei Sympra ans Herz gewachsen. Alle Türen stehen offen, Fragen sind immer willkommen, egal ob „du“ oder „Sie“. Kommuniziert wird meist sowieso über die internen Kürzel: So heißen dann die Geschäftsführer auch „hst“ (Helmut von Stackelberg) und „mat“ (Veit Mathauer).

Ich habe viele schöne Erfahrungen gesammelt und nette Menschen kennenlernen dürfen.

Nun werde ich aber noch nicht direkt an die Hochschule in Dieburg zurückkehren, denn es stehen sieben Wochen beim ZDF in Mainz an. Dort werde ich ein Praktikum in der Redaktion von Neues aus der Anstalt absolvieren.

Ob sich die neuen Chefs „pri“ (Urban Priol) und „bar“ (Frank-Markus Barwasser) nennen lassen werden, berichte ich dann bald. In der Hoffnung, dass ich sie in Mainz treffe, wo doch in München aufgezeichnet wird.

Meine erste Blutspende

Jeder von uns kann in die Lage geraten, eine Blutspende zu benötigen. Sei es bei einer Operation, aufgrund eines Unfalls oder aus einem ganz anderen Grund. Gut zu wissen, dass es Menschen gibt, die ihr Blut für solche Fälle spenden.

Wie kam es zu diesem Video?

Wie ihr wisst, arbeiten meine Kommilitonen und ich in diesem Semester an einem Printmagazin für Kinder der dritten und vierten Klasse. Das Konzept brauche ich hier nicht noch einmal schildern, denn das habe ich bereits beschrieben.

Inzwischen beginnt das Layout des Hefts erste Formen anzunehmen und die Themen haben sich klarer herauskristallisiert. Für mich schon vor einiger Zeit:

 

Das Thema Blut lässt sich für Kinder anschaulich und vielfältig darstellen. In diesem Rahmen haben Martin, Daniel und ich dann auch das Video geplant und für den Videokurs in diesem Semester umgesetzt. Nachdem Daniel das Thema Blut- und Plasmaspende spontan des nachts in die Runde warf, entwickelte sich in meinem Kopf schnell eine recht klare Vorstellung, wie ich das Thema im Heft umsetzen und mit einem Video aufwerten wollte. Deshalb ist das Video auch im Sinne der „Sendung mit der Maus“ gedreht und vertont. Es wird im Heft in Fakten und Geschichten zum Thema Blut eingebettet werden.

Ich bin sehr glücklich über das, was Martin hinter der Kamera und Daniel am Ton während der beiden Drehtage aufgezeichnet haben.

Martin und ich haben meiner Meinung nach beim Schnitt nochmal dazu gelernt im Vergleich zum letzten Videokurs vor einem Semester. Ich bin stolz auf das Ergebnis. Mit Martin zu schneiden macht großen Spaß und ist sehr produktiv. Die 12 Stunden an der Uni haben sich gelohnt und waren weniger anstrengend als manch andere, viel kürzere „Tage des Lernens“ …

Das lag definitiv auch an Martin Böttner, unserem Video-Guru. Wie schon vergangenes Semester konnten wir uns immer auf kompetente Ratschläge verlassen und eine mehr als nur angenehme Lern- und Arbeitsatmosphäre. Für Martins Kurs alleine lohnt es sich fast schon, sich für das Studium einzuschreiben.

Gedreht haben wir im Blutspendezentrum Darmstadt. Für die Bereitschaft der Mitarbeiter nochmal herzlichen Dank an dieser Stelle – namentlich an Birgit Jelinek und Tamara Gilbert, die sich vor der Kamera äußerten.

Auf Bauchbinden und Einblendungen haben wir dieses Mal bewusst verzichtet, da wir das Video erstens als Erweiterung des Printprodukts sehen und wir Derartiges zweitens für die Zielgruppe nicht angebracht fanden.

Ich freue mich auf eure Kritik und Anregungen. Wie immer. Ihr kennt das ja schon. Selbstkritik: Die Erklär- beziehungsweise Erzählstimme hätten wir nicht zu jeder Szene machen müssen. Ein bisschen Ruhe, damit die Situationen wirken können, hätte wohl an ein, zwei Stellen nicht geschadet.

P.S.: Demnächst werden alle Beiträge des gesamten Kurses als komplette „Magazin-Sendung“ online gehen. Update folgt dann.

Update 1: Martin Böttner hat die Sendung auf seinen Vimeo-Account geladen.

Rückblick: dlf50.org

Morgens 10.15 Uhr in Dieburg. Ich freue mich auf den Start des vierten Semesters. Bevor ich euch aber vom anstehenden Projekt erzähle, ein kurzer Rückblick: dlf50.org nahm einen bedeutenden Anteil des vergangenen Semesters ein.

Vor allem, um selber nochmal einen Überblick zu bekommen, will ich hier alle Beiträge an einem Ort zusammenfassen. Sie stammen entweder von mir allein oder sind Zusammenarbeiten von Martin, Dorothee und mir.

Das Netz und der öffentlich – rechtliche Rundfunk
veröffentlicht am 29. Dezember 2011

Tilo Barz im Interview zur Integration von Social Media und den Möglichkeiten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Internet.

Interview: Roger de Weck [Audio]
veröffentlicht am 7. Januar 2012

Bei diesem Audio handelt es sich um das vollständige Interview mit Roger de Weck auf der Konferenz. Ausschnitte davon verwendeten wir im Radiobeitrag.

Interview: Ralf Müller-Schmid [Audio]
veröffentlicht am 9. Januar 2012

Bei diesem Audio handelt es sich um das vollständige Interview mit Ralf Müller-Schmid auf der Konferenz. Ausschnitte davon verwendeten wir im Radiobeitrag.

Panel: “The Public and its Media” [Audio]
veröffentlicht am 14. Januar 2012

Der Artikel gibt zwei kurze Zusammenfassungen zu Audiomitschnitten des Panels.

Diskussion: “The Public and its Media”
veröffentlicht am 14. Januar 2012

In diesem Artikel habe ich, wie schon unter Nachbereitung erwähnt, Audiozitate der Diskutierenden auf der Bühne mit eigenen Zusammenfassungen der Geschehnisse kombiniert. Außerdem habe ich Tweets so integriert, dass sich die Meinung aus dem Publikum zu den Aussagen der Podiumsteilnehmer erkennen lässt. Dadurch kann der Leser – beziehungsweise Nutzer – unserer Seite einerseits die Inhalte der Diskussion nachverfolgen, sieht aber zusätzlich auch noch, wie sich andere dazu äußerten. Dadurch fällt dem Nutzer eine eigene Einordnung leichter und es eröffnen sich neue Perspektiven. Ob Audio im Internet auf diese Weise gewinnbringend eingesetzt werden kann, muss noch beantwortet werden. Dem ein oder anderen ist diese Darstellungsform womöglich zu kleinteilig. Ein Transkript der Bühnenbeiträge haben wir während des Projekts aber nicht angefertigt. Daher hatte ich mich für diese Mischform entschieden, um das Zusammenspiel von Audio, Text und Tweets zu testen.

Die Zukunft des öffentlich – rechtlichen Rundfunks
veröffentlicht am 20. Januar 2012

Das ist der Radiobeitrag für Dirk Emigs Audioseminar, der bei hr info ausgestrahlt werden soll. Der Text ist eine Koproduktion von Dorothee Frey, Martin Krauß und mir. Der Beitrag wurde von mir eingesprochen, enthält ein Over-Voice von Martin Krauß und Audiomitschnitte von der Konferenz und aus den Interviews. Audios machen einfach tierischen Spaß in der Produktion.

Daniel Fiene: Das Radio der Zukunft [Audio]
veröffentlicht am 28. Januar 2012

Im Gespräch mit Daniel Fiene liegt der Schwerpunkt auf dem Radio der Zukunft. Wir, Dorothee Frey, Martin Krauß und ich, schlagen aber nochmal einen Bogen zurück zur Konferenz. Mit diesem Beitrag haben wir das Projekt abgeschlossen.

Es naht das Ende

Das Semester geht dem Ende zu. Ich hatte ja schon im letzten Beitrag angekündigt, dass Doro, Martin und ich aber noch eine Verabredung mit Daniel Fiene von Was mit Medien hatten. Am Mittwoch fand das Skype-Gespräch statt.

Daraus wurde unser Abschlussbeitrag für das Semesterprojekt Politik. Medien. Öffentlichkeit.

Wir haben uns mit Daniel über die Zukunft des Hörens unterhalten. Es ging ums Podcasten, aber auch um Sendetechnik beim Radio. Streaming oder DAB+ – was wird sich durchsetzen? Daniel erklärte die Unterschiede und welche Technik für wen interessant ist. Außerdem erzählte er, warum er an Spartensender glaubt. Jede kleine Interessensgruppe wird ihren passenden Radiosender finden, meint er. Für jedes Lebensgefühl werde ein passender Kanal zur Verfügung stehen. Es ging auch darum, wie Radiosender mit ihren Zuhörern kommunizieren und welche Vorteile das für beide Seiten hat.

Außerdem hatte ich euch ja noch einen Radiobeitrag versprochen – wann ihr ihn dann auch auf hr-info hören könnt, erfahrt ihr, wenn ich es selbst weiß:

Bleibt also noch das Soundslide, um alle Teil- und Kleinprojekte für dieses Semester abzuschließen. Schon mal ein kleiner Tipp, was euch erwarten könnte: Glockenklänge, kalte Luft und Ruhe …

Sag mal, Pascal, …

… was hast du eigentlich im vergangenen halben Jahr so gemacht?

Die Frage stellt sich einem selbst oft nicht, weil man viel zu sehr damit beschäftigt ist, all die Aufgaben und Ziele zu erledigen und zu erreichen, die sich einem täglich stellen. Aber ein bisschen zurückschauen möchte ich jetzt trotzdem mal. Gerade auch, weil sich hier schon so lange nichts getan hat und ich außer ein paar Arbeitsproben nicht viel erzählt habe.

Neben den kleineren Projekten, deren Ergebnisse ihr hier meistens in Videoform vorgefunden habt, gab es auch ein paar größere. Teilweise sind sie noch nicht abgeschlossen, aber es gibt trotzdem einiges zu erzählen.

Im Juli war erst mal das zweite Semester rum, aber von arbeitsfreier Zeit war nicht die Spur. Neben Motorrad schrauben und Motorrad kaufen (nicht für mich) stand auch noch der Umzug nach Reinheim an. Schließlich hatte sich die WG aufgelöst.

Gleichzeitig bot sich in Stuttgart die Gelegenheit, Start-Up-Luft zu schnuppern und medial zu arbeiten. Also schloss sich an einen halbfertigen Umzug ein großartiges Praktikum an. Bei YAZ konnte ich mich gedanklich und kreativ ziemlich austoben. Fünf Wochen lang habe ich Pläne skizziert und Ideen gesammelt, wie das Start-Up online auftreten könnte. Ich habe die Zeit dort sehr genossen, weil ich mit sehr intelligenten und netten Menschen gearbeitet habe. Da es bei YAZ um Essen geht, hat sich der Genuss nicht nur auf den Geist ausgewirkt. Den Abschluss fand das Praktikum in einer fulminanten Investorenkonferenz. So konnte ich im Praktikum nicht nur meine Studieninhalte aus dem ersten Studienjahr in der Praxis testen, sondern auch noch mitnehmen, wie es sich anfühlt, seine Ideen und Konzepte so zu präsentieren, dass andere zurecht auch an den Erfolg glauben.

Im Oktober startete dann das dritte Semester mit neuen Fächern und neuen journalistischen Experimenten. Nachdem das zweite Semester Time-Lapse gebracht hatte, folgte im dritten Semester ein erster Versuch mit Stop-Motion. Beides ist sehr schön und beides nimmt viel Zeit in Anspruch. Aber beides lohnt sich.

Ach ja, irgendwie rutschte ich dann noch in einen Hiwi-Vertrag und arbeite seitdem zusätzlich auch für Geld für die Hochschule.

Den gefühlt größten und wohl bedeutendsten Anteil des Semesters hatte aber unser Semesterprojekt. Anfangs unter einer sehr weitgreifenden Premisse beschrieben, prozessjournalistisch zu arbeiten, ergab sich eine Zusammenarbeit mit dem Deutschlandfunk. Schnell waren wir uns einig, dass wir diese Möglichkeit unbedingt wahrnehmen würden. Die Folge: Unsere Projektgruppe bereitete sich gegen Ende des Jahres auf die journalistische Begleitung einer Medienkonferenz vor. Irgendwie rutschte ich dort dann mit der Zeit ins Leitungsteam, um die beiden, die sich von Anfang an dazu bereit erklärt hatten, zu unterstützen.

Die erste Hürde des Projekts nahmen wir dann am 13. Dezember. An diesem Dienstag ging unsere Projektseite „dlf50.org“ online. Auf ihr waren ab diesem Zeitpunkt unsere Vorarbeiten zu finden. Wer würde zu Gast sein, welche Themen erwarteten die Gäste und wer waren eigentlich wir? Zuvor hatten wir schon angefangen unsere Arbeit mit Twitter zu dokumentieren.

Um zu sondieren, auf was wir uns eingelassen hatten, fuhr eine kleine Studentengruppe also am 20. Dezember nach Köln – quasi als letzte Amtshandlung vor Weihnachten.

Schon zwei Tage später war ich dann mit Tilo Barz in Frankfurt verabredet. Als Chef der Multimediaabteilung des Hessischen Rundfunks hatten Martin und ich ihn ausgesucht, um uns und unseren Lesern im Vorfeld der Konferenz einen öffentlich-rechtlichen Blick auf das Internet zu geben. Wir wollten von ihm unter anderem wissen, wie soziale Netzwerke die tägliche Arbeit beeinflussen und welche neuen Formate im Internet vorstellbar sind. Leider fiel Martin dann wegen einer ziemlich heftigen Infektion aus und ich nahm kurzerhand Daniel als mentale Unterstützung und technisches Backup mit. Danke nochmal dafür, Daniel. Die tagsdarauf beginnenden Weihnachtsferien waren also mit Transskribieren und Kürzen ausgefüllt.

Tilo Barz im Interview | Mein erster Beitrag für dlf50.org im Dezember 2011

Nach der Hälfte der Weihnachtsferien ging es dann aber los – zur Konferenz „Der Ort des Politischen in der digitalen Medienwelt“, der Feier zum 50. Geburtstag des Deutschlandfunks. Mit Silas und Kim fuhr ich am 4. Januar nach Köln, die anderen kamen mit der Bahn am nächsten Tag nach. Was wir alles dort gemacht und festgehalten haben, lest ihr am besten selbst nach, wenn ihr uns nicht schon verfolgt habt. Hier noch mein Beitrags-Archiv und ein Beitrag von Martin, Doro und mir.

Mit Freude nahmen wir wahr, dass wir gut ankamen:

Mit Daniel Fiene unterhalten sich Doro, Martin und ich uns übrigens noch nächste Woche. Es ist also noch nicht vorbei mit dem Projekt.

Außerdem stehen noch die Hörbeiträge von der Konferenz für den Hessischen Rundfunk an sowie ein Soundslide.

Erfahrungsbericht – 1 Tag im Zeitraffer

Aus dem Filmmaterial aus drei Kameras, die jeweils zwischen sechs und acht Stunden aufgezeichnet haben, einen Film von nun gut sechs Minuten zusammenzuschneiden und zu rendern, das kostet Zeit. Das war mir vorher klar und dennoch habe ich meinen erwarteten Arbeitsaufwand um einiges übertroffen. Ich hatte mit insgesamt 15 Stunden Nachbearbeitungszeit gerechnet. Es sind dann doch um die 20 Stunden geworden. Aber mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden.

Außerdem kommt es auch immer auf die Arbeitsatmosphäre an. Eine unglaubliche Erleichterung ist es, wenn man Freunde hat, die einem Hard- und Software zur Verfügung stellen und schon bei der Produktion des Materials mit helfenden Händen in Aktion treten. Nicht zu verachten ist auch, wenn eben diese Menschen während der gesamten Nachbearbeitungszeit für kulinarische Versorgung auf höchstem Niveau sorgen, sodass man in seiner Arbeit aufgeht, elf Stunden vor dem Rechner verbringt und in finsterer Nacht, mit dem Blick auf die Startleiste, realisiert, dass es vielleicht auch mal wieder Zeit wäre, den Heimweg anzutreten und sich ein wenig Schlaf zu gönnen.

Dass ich mit der Erstellung eines Time-Lapse-Videos keine herausragende journalistische Erfahrung im Bereich Recherche oder beim Verfassen von Texten sammeln würde, war klar. Und es war auch nicht mein Ziel. Es war ein Versuch, eine etwas andere Art von Videojournalismus auszuprobieren. Ich konnte Praxis im Umgang mit Schnittsoftware sammeln und das scheint mir doch auch recht hilfreich für die Zukunft.

Die Idee, die Anti-AKW-Demo in Neckarwestheim am 25. April im Time-Lapse-Stil aufzuzeichnen, entstand aus verschiedenen Beweggründen. Erstens hatte ich einige Time-Lapse-Aufnahmen gesehen und fand die Darstellungsform sehr attraktiv. Ein spezielles Ereignis auf diese Weise dokumentarisch darzustellen, lag dann eigentlich nicht mehr so fern. Das Video ist aber definitiv etwas anderes, als einen Sonnenuntergang oder eine Blüte im Zeitraffer abzubilden.

Zur technischen Vorgehensweise: Nach Versuchen mit digitalen Spiegelreflexkameras wurde schnell klar, dass deren Verwendung für Time-Lapse-Filme einfach möglich war, das Fotografieren einer belebten Kreuzung über eine viertel Stunde hinweg aber 600 Schuss bedeutete. In Anbetracht des zu erwartenden Verschleißes beim Aufzeichnen eines ganzen Tages auf diese Art und Weise fiel die Entscheidung, dass in Neckarwestheim digitale Camcorder zum Einsatz kommen würden. Die Ergebnisse der Testläufe mit den Kameras erwiesen sich als sehr gut brauchbar. Also stand dem Ganzen nichts mehr im Weg.

Dadurch, dass für den Film nur ausgewählte Einzelbilder aus dem Material der Videokameras Verwendung fanden, entstand der selbe Effekt wie bei der Aufzeichnung mit DSLRs.

Die Arbeit vor Ort gestaltete sich wie folgt: Drei Kameras kamen zum Einsatz, sodass – zum größten Teil gleichzeitig – von verschiedenen Perspektiven und mehreren Standorten aus aufgezeichnet werden konnte. Ohne Helfer wäre das natürlich nicht ohne Weiteres möglich gewesen. Nachdem beim Veranstalter kurz der Ablauf und die Route erfragt worden waren, konnten die Kameras positioniert und deren Standortwechsel geplant werden. Nach dem Tag in Neckarwestheim folgten dann die oben genannten Stunden, verteilt auf drei Tage, für die Nachbearbeitung.