CDU regiert alleine – so oder so

Dass es für eine absolute Mehrheit der CDU im Bundestag nicht gereicht hat, ist inzwischen klar. Doch was nun?

Für Angela Merkel ist die aktuelle Lage der CDU ein Traum – trotz verpasster absoluter Mehrheit. Sie ist nun nicht mehr an die krisengeplagte FDP gebunden. Sie ist aber eben auch nicht gezwungen, nun das Land alleine zu regieren, also erstmals die volle Verantwortung für ihre Taten oder eben ihre Nicht-Taten zu übernehmen. Stillstand, Erosion der Bürgerrechte und Lobby-Politik wären in einer Alleinregierung nicht mehr auf einen Koalitionspartner abwälzbar.

Rot-Rot-Grün

Die einzige Koalition, die die CDU vom Regieren abhalten könnte, ist von Rot und Grün bereits im Vorfeld vehement ausgeschlossen worden. Einzig der ganz rote Gregor Gysi versucht, wo immer er kann, für diese Variante zu werben. Doch was wollen die Wähler? Haben sie wirklich so viel Angst vor den Linken? Und was ist politisch glaubwürdiger: Eine Koalition dreier Parteien aus dem linken Spektrum oder eine schwarze Macht mit bunten Sprenkeln?

Schwarz-rote große Koalition oder schwarz-grünes Greenwashing

Während sich die drei „Kleinen“ also überhaupt nicht rot-rot-grün sind, lacht sich Merkel nun in ihre Raute. Geht sie mit der SPD eine große Koalition ein, schlägt sie zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie lässt den Bundestag verstummen – vier Jahre ohne Opposition* zu regieren, das passt genau zu ihrem Stil. Außerdem bringt sie damit auch den Bundesrat unter Kontrolle: Wer sollte sie in dieser Konstellation noch stoppen können? Was eine große Koalition für die nächste Bundestagswahl bedeuten kann, haben wir ja bereits gesehen: Die CDU wird gestärkt, die SPD geschwächt daraus hervorgehen. 2017 wird es für die CDU dann in jedem Fall alleine reichen.

Bleibt die SPD stark genug, „Nein“ zu einer Koalition zu sagen, stehen die Grünen schon in den Startlöchern. Winfried Kretschmann ist nicht der einzige, der dies signalisiert. Doch wie würden sich die kommenden vier Jahre wohl mit einer schwarz-grünen Regierung abspielen? Merkel würde die Grünen mit ein bis zwei Ministerien abspeisen: mit Glück Umwelt und Bildung. Die Grünen könnten bei Weitem nicht ihre Ziele durchsetzen und Merkel hätte einen „Abwälz“-Partner, den sie nach den vier Jahren abfallen lassen wird wie eine vereiste Warze. Die Grünen würden für ihre Stammwählerschaft unwählbar und wären für Jahre aus dem politischen Weg der CDU geräumt.

Beide Koalitionen helfen der CDU also nicht nur während der bevorstehenden Legislaturperiode, sondern wirken auch noch darüber hinaus.

Doch es gibt einen Ausweg

Gesetzt den Fall, Katrin Göring-Eckardt, Jürgen Trittin, Sigmar Gabriel, Frank-Walter Steinmeier und all die anderen sind stark genug, auf die Macht zu verzichten und ihre Wähler nicht als Idioten zu verkaufen, könnten sie sich dazu durchringen, eine CDU-CSU-Minderheitsregierung zu dulden.

Damit zwängen sie die CDU erstmals dazu, alleine die volle politische Verantwortung zu übernehmen. Eine rot-rot-grüne Opposition wäre im Bundestag und Bundesrat ein sinnvolles Korrektiv und könnte dennoch Gesetze auf den Weg bringen, die die CDU dann gezwungener Maßen vorlegen müsste.


*Eine Opposition mit weniger als einem Viertel der Sitze hat weitreichende Folgen für das Parlament:

Die parlamentarische Sicht: Der Bundestag wird aus 630 Abgeordneten bestehen. Die Union wird 311 stellen, die SPD 192, DIE LINKE 64 und die Grünen 63. Union und SPD zusammen würden 503 Abgeordnete stellen, dass sind 79,84%. Grüne und LINKE stellen zusammen 127 Abgeordnete, dass sind 20,15%. Ein Blick in die Geschäftsordnung des Bundestages macht schlauer: § 56 Abs. 1 S. 2 GOBT – auf Antrag eines Viertels der Mitglieder des Bundestages kann eine Enquete eingerichtet werden. Nun gut, mag der eine/die andere denken, nicht so schlimm. Aber dann schauen wir mal in das PUAG: Erst wenn ein Viertel der Mitglieder des Bundestages einen Untersuchungsausschuss fordern besteht auch die Pflicht diesen einzusetzen (§ 1 Abs. 1). Ganz am Rande (§ 76 BVerfGG Abs. 1 und Art. 93 Abs. 1 Nr. 2 GG), aber nicht ganz unwichtig, sei noch darauf verwiesen dass der Gang zum Verfassungsgericht außerhalb einer Organklage (dies meint die Verletzung eigener Rechte der Fraktion) durch Grüne und LINKE allein nicht möglich ist. Sie stellen nicht ein Viertel des Bundestages.

– Halina Wawzyniak, Die Linke, auf ihrem Blog
Foto: Martin Krauß

Wer soll das bezahlen? – unabhängigen Journalismus finanzieren

Wie in der letzten kurzen Durchsage erwähnt, schreibt Bob Garfield im Guardian als Antwort auf Matthew Yglesias Artikel im Slate Magazine:

Anyone who cares deeply about quality, independent journalism should pray for paywalls and other subscription models to take hold.

Zuerst passt dies nicht als Replik auf Yglesias Artikel: Der singt zwar ein Loblied auf die Möglichkeiten des Internets für Medien und Journalismus, geht dabei aber nicht auf Finanzierungsmodelle ein. Sein Text beschäftigt sich mit Inhalt und Form von Journalismus im Netz.

Zweitens: Bevor Garfield zu diesem Schluss kommt, wirft er seinen Lesern vor, sie seien Plünderer. Menschen, die Läden leerräumen, um ihren Lebensstandard zu verbessern. Blogger, Aggregatoren und News Sites würden mit ihren gestohlenen Gütern nach Hause kommen und diese hätten auf dem Heimweg schon an Qualität verloren. Er spannt also einen sehr weiten Bogen von den Möglichkeiten des Netzs hin zu Bloggern und Aggregatoren. Diese sind aber nicht das Problem, sondern Teil der Lösung. Sie lenken einen großen Teil des Traffics auf Internetseiten von Medienunternehmen. Ganz zu schweigen davon, dass mancher Blogger Themen unabhängiger und objektiver betrachtet als ein Journalist, dessen Verleger Angst davor hat, der im Artikel erwähnte Energiekonzern, Kosmetikhersteller oder Nahrungsmittelproduzent könnte die nächste, lukrative Anzeigenkampagne zurückziehen.

Für Garfield sind Leser, die auf ein Print-Abo verzichten Übeltäter – genau wie Blogger, die auf interessante Artikel in Presseangeboten hinweisen. Er verschließt die Augen davor, dass die Zeitungen völlig freiwillig ihre Inhalte kostenlos anbieten und Blogger ihnen mit Verlinkungen kostenfrei den Traffic aufbessern. Mehr Klicks, die die Zeitungen wiederum in Anzeigenerlöse umwandeln können.

Erst nach der Kritik an den eigenen Lesern beschreibt Garfield das eigentliche Problem der Medien: Ihr Finanzierungsmodell funktioniert nicht mehr: Kleinanzeigen, Partnersuche und all die anderen lukrativen Einnahmequellen der Zeitungsverlage werden inzwischen von Internetfirmen angeboten. Offensichtlich haben es die Verleger und Unternehmenslenker größtenteils verpasst, ihre Modelle an den Ort zu verschieben, an dem sich die Menschen nun treffen, um nach gebrauchten Autos und neuen Partnern zu suchen.

Traurig ist nur, dass Garfield für derartig inhaltsleeres Wettern gegen Unschuldige gerade im Guardian Platz eingeräumt wird – einer Zeitung/Webseite, die ihre Mittel nicht etwa nur aus Werbung oder ähnlichen Einnahmequellen generiert, sondern die von einer Stiftung getragen wird. Der Guardian ist mit diesem Modell ein Beispiel, wie unabhängiger Journalismus finanziert werden kann – auch wenn dieses Modell womöglich nicht bestehen wird. Warum merkt man diese Unabhängigkeit dann nicht auch an Garfields Äußerungen? Er reiht sich ein in den Grundtenor vieler Zeitungskommentatoren: „Das Internet ruiniert den Journalismus und alle, die sich darin bewegen, wollen es so!“ Der Journalismus des Guardian muss seinem Verleger nicht gefallen und ist dennoch von Verlegerinteressen gefärbt. Warum?

Es ist noch nicht lange her, da habe ich über dieses Thema mit Jonathan diskutiert. Ich hatte damals zwischen den Medien als Unternehmen und dem Journalismus als Produkt der Medien unterschieden. Meine Argumentation war, dass Medienunternehmen nur soweit guten Journalismus finanzieren, wie dieser für Einnahmen sorgt. Unabhängige und aufwendige Recherchen werden finanziert, um den Ruf des Mediums zu erhalten und zu steigern. Aus unternehmerischer Sicht lohnt es nicht, mehr zu investieren, wenn Leser auch mit Agenturtexten und günstiger produzierten Inhalten gehalten werden können.

Die Finanzierung von Journalismus ist etwas, das bei Weitem nicht nur Journalisten interessiert. Es ist die Frage, wie etwas bezahlt werden soll, das der gesellschaftlichen Diskussion von Themen dient, die alle betreffen. Wir sprachen darüber, warum Zeitungen so dick sind und von Sport bis Börse alles enthalten. Wir diskutierten, ob auf Agenturmeldungen basierende Texte dem Leser Mehrwert bringen oder, ob diese Platz- und Zeitverschwendung wären.

Wir sprachen über die Wünsche an einen idealen Journalismus und die aktuelle Realität der Medien. Warum enthalten Zeitungen Agenturtexte zu allen Themen, statt nur auf wenige, bedeutende, eigene Geschichten zu setzen? Weil sie dem Leser lieber aus Agenturmeldungen zusammengesetzte Texte zu allen aktuellen Themen vorsetzen, als ihn an die Konkurrenz zu verlieren. Leser sind Individuen, die unterschiedliche Interessen haben. Alle zu befriedigen ist nur über ein binnenpluralistisches Produkt wie die heutigen Tageszeitung möglich oder indem jeder seine individuelle Zeitung erhält. Warum gibt es keine individuellen Zeitungen? Weil der Vertrieb zu teuer wäre – oder woran scheiterten Projekte wie Niiu? Womöglich waren es die schlechten Automatismen, die die Artikel auswählten. Eine redaktionell individualisierte Zeitung wäre sicher zufriedenstellender. Aber die selektierenden Redakteure müssten auch für ihre Arbeit bezahlt werden. Es bleibt die Frage: Wodurch verlieren die Zeitungen mehr Leser – wenn sie sie mit uninteressanten, nicht selbst recherchierten Themen vergraulen oder wenn sie auf Themen verzichten, die womöglich eine Leserschaft gefunden hätten? Diese Entwicklung und ob uns eine Themenfokussierung nach marktwirtschaftlichen Gesetzen gefallen könnte, sollten wir wohl am besten nach einem Blick auf die auflagenstärksten Special-Interest-Zeitschriften beurteilen: Titel, für die die Welt nur aus Essen, Computern und Autos besteht.

Wie soll sich der Journalismus entwickeln? Was wollen Leser, die zu Nutzern geworden sind? Nutzer, die soziale Filter nicht mehr nur aus der analogen Welt gewohnt sind. Wenn Leser Nutzer sind, die nicht nur von Freunden auf interessante Artikel in der Zeitung hingewiesen werden, sondern ihren Medienkonsum durch RSS-Feeds, Likes und Algorithmen steuern, wollen sie keinem globalen Mainstream mehr folgen. Diese Menschen machen genau das, was ich oben beschrieben habe: Sie filtern über ihr soziales Netzwerk Uninteressantes aus und verzichten auf Themen, die für sie weniger bedeutsam sind.

Wie können wir als Journalisten diesen Menschen die Informationen geben, die sie wünschen, und damit auch noch unseren Lebensunterhalt verdienen?

Für Andreas ist das die Aufgabe der einzelnen Journalisten – aber auch der Medien in ihrer Funktion als Arbeitgeber. Sie sollten ihren Redakteuren die Möglichkeit geben, eigene Ideen umzusetzen. Dazu brauchen Journalisten zeitlichen und finanziellen Freiraum außerhalb ihres Arbeitsalltags. Nur dann können Ideen und Konzepte entstehen, die den Journalismus voranbringen.

Ich sehe auch Institutionen wie den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in der Pflicht, der genau dazu geschaffen ist, den Wünschen der Bevölkerung zu folgen, Menschen mit unabhängigen Informationen zu versorgen, ohne auf wirtschaftliche Einflüsse Rücksicht nehmen zu müssen.

Die eigenen Leser und deren angebliche Kostenlos-Mentalität zu verdammen, ist aber sicherlich nicht die Antwort auf die Frage, wie guter Journalismus in Zukunft finanziert werden soll. Vielleicht sind es Genossenschaftsmodelle, vielleicht sind es öffentliche Träger. Womöglich lässt sich Journalismus auch weiterhin von privaten Unternehmen finanzieren. An nicht begründbaren Feindbildern festzuhalten und sich möglichen, nicht privatwirtschaftlichen Finanzierungsmodellen zu verschließen, wird aber nicht zu gesicherten Verhältnissen für Journalisten führen. Sondern dazu, dass sie in ihrer Verbitterung vergeblich versuchen werden, einen Status Quo zu erhalten, in dem sie sich halbwegs sicher fühlen. Stattdessen sollten Medienunternehmen ihren Mitarbeitern die Freiheit einräumen, den Journalismus weiterzuentwickeln.

„Krieg in Frankfurt…

und keiner geht hin.“

Gestern haben wir an der Uni simulierten Online-Journalismus betrieben und Berichte auf Basis von Agentur-Meldungen gebaut.

Thema war unter anderem auch Blockupy und ich kam nicht umhin, obige Aussage zu tätigen.

Vera Bunse hat auf CARTA die gleiche Meinung etwas ausführlicher geäußert. Es ist ernüchternd, wenn Gerichte politische Entscheidungen bestätigen, die die Meinungsfreiheit beschneiden. Präventiv friedliche Protestcamps zu räumen und gegen Demonstranten gepanzerte Fahrzeuge und Wasserwerfer aufzufahren, führt nicht zu einer Entspannung. Wer fühlte sich nicht von einer derartigen Gewaltdemonstration seitens des Staates bedroht?

Natürlich gibt es Menschen unter den Demonstranten deren Ziele Randale und Zerstörung sind, sie sind aber nicht die, die hinter den kapitalismuskritischen Aktionen stehen. Diesen aggressiven Menschen ist egal, bei welchen Demos sie ihre Zerstörungswut entladen.

Vielleicht kommt ein Denkprozess in der Bevölkerung in Gang, wenn in den Medienberichten immer mehr menschenleere Straßen, bewacht von berittenen Polizisten zu sehen sind. Geräumte Plätze, umstellt von Hundertschaften, werden hoffentlich Irritation beim Bürger auslösen. Denn er bezahlt schließlich die Polizisten.

Dass aus ganz Europa Demonstranten anreisen, daran wird sich deutsche Politik wohl gewöhnen müssen. Das war und ist in Sachen Atompolitik der Fall und trifft auch auf Finanzmarkt-Kritik und ACTA-Demos zu. Europäische Themen werden in europäischen Städten von europäischen Bürgern angegangen werden.

Digitaler Kindergarten

Wie lange wird es wohl noch dauern, bis wir den Begriff „Suchmaschine“ nicht mehr verwenden? „Suchen“ und „Finden“ passten schon zum Start dieser Art von Dienstleistung nicht ganz richtig. Denn die Ergebnisse einer „Such“maschine listeten Betreiber-Unternehmen von Anfang an nach eigenen Rangfolge- und Auswahlkriterien. Legitim, denn schließlich finanziert sich die Dienstleistung nicht von alleine. Die immer stärker integrierten sozialen Ströme in den „Such“-Algorithmen könnten aber dazu führen, dass sich Suchmaschinen zu digitalen Sandkästen entwickeln. „Die Kleinen“ sandeln ein bisschen unter Aufsicht und spielen mit Förmchen und Schäufelchen.

Wenn sich Suchmaschinen dem vermeintlichen intellektuellen Niveau des Nutzers anpassen, wird die Gesellschaft verdummen. GeekWire beschreibt ein anderthalb Jahre altes Microsoft-Patent. Die Idee der Entwickler: Rückschlüsse aus den Aktivitäten in sozialen Netzwerken sollen die Suchergebnisse beeinflussen. Aber nicht etwa das Like beim Sportverein oder der Schuhmarke, sondern wie intelligent meine eigenen Äußerungen in sozialen Netzwerken sind. Dümmliche Postings – seichte Suchergebnisse.

Sicher würde ein solches „Bing for Dummies“ manchem Nutzer leicht verständliche Kost auf den Bildschirm liefern. Aber durch was sollen wir uns dann bilden? Wie sollen wir neue Ideen bekommen? Was uns antreibt sind Ideen und Meinungen, die wir nicht verstehen, aber verstehen wollen. Das ist die Motivation am Lernen. Wenn wir Herausforderungen nicht mehr gestellt bekommen, wenn intellektuelle Unterforderung alltäglich wird, wo soll das hinführen? Wo stuft Bing eine Person ein, die auf facebook hauptsächlich Cat-Content verbreitet?

Außerdem setzt die Technik voraus, dass wir grundsätzlich liken, was uns gefällt, dass wir nur verbreiten, was uns interessiert, und dass unser Profil der Wahrheit entspricht.

Für mich hört sich das so an, als müssten wir uns bald auf digitale Breinahrung umstellen. Für Felix von Leitner ist das digitale Elitenbildung. Das freie Netz wird durch solche Entwicklungen jedenfalls nicht größer.

Will man wirklich wissen, wie Google funktioniert, bekommt man tatsächlich die groben Züge erklärt. Doch wie die Selektion funktioniert, bleibt weiter Betriebsgeheimnis. Warum dürfen wir aber nicht wissen, weshalb uns Google was zeigt. Wäre das nicht ein großartiges Erlebnis, wenn neben einem Suchergebnis die Gründe für seine Positionierung erläutert würden? In Ansätzen gibt es das schon, aber wirkliche Transparenz der Gründe für Rangfolge und Auswahl der Suchergebnisse existiert nicht.

Warum sollen sich meine Suchergebnisse überhaupt nach meinen Äußerungen in sozialen Netzwerken richten? Wenn ich Tipps zum Pflanzen von Rosen brauche, möchte ich doch am liebsten auf Inhalte von Gärtnern geschickt werden. Wäre es also nicht viel effektiver, würden soziale Feeds von Spezialisten integriert? Themenspezifisch immer neu sortiert.

Konsequent ist die Vorgehensweise von Suchmaschinenanbietern natürlich. Primär geht es ja auch darum, den Suchenden mit optimal abgestimmten Anzeigen zu versorgen und nicht darum, intelligente Inhalte zu präsentieren. Natürlich balancieren die Suchmaschinenanbieter auf dem Grat zwischen möglichst zufriedenen Anzeigenkunden und möglichst unabhängigen Suchergebnissen. Denn wären die Suchergebnisse nicht zufriedenstellend, würden sich die Nutzer abwenden. Der Werbemarkt bräche zusammen.

Die Frage, die sich der Nutzer mit jeder Suche stellen sollte, ist: Will ich akzeptieren, dass ein Wirtschaftsunternehmen meine Suchergebnisse an den Interessen anderer Wirtschaftsunternehmen orientiert? Es ist dieselbe Frage, die sich im Supermarkt stellt. Bin ich mir bewusst, dass ich als Nutzer mitbestimmen kann? Wir entscheiden, wer die Marktmacht hat. Vor der Kühltheke wie am Suchfenster. Entweder wir schwören einem anderen König die Treue und wechseln die Suchmaschine, wenn uns das Gebaren nicht mehr passt. Oder noch viel besser: Wir rufen die Republik aus und kümmern uns selbst um unsere Links und Informationen.

Was verrätst du Facebook?

Die Techische Universität Darmstadt, genauer das Fachgebiet Wirtschaftsinformatik, forscht in Kooperation mit dem Hessischen Rundfunk. Zusammen mit hr-info wollen die Forscher wissen, was wir auf sozialen Netzwerken über uns veröffentlichen.

Die Umfrage ist wertvoll, weil mit ihr Forschung zu neuen gesellschaftlichen Entwicklungen betrieben wird. Allerdings bezweifle ich, dass herausragende, neue Erkenntnisse gewonnen werden. Die Studie wird bestätigen, dass Facebook dem Stalken dient und wir viel über uns selbst in sozialen Netzwerken preisgeben. All dies in der Hoffnung, neue Menschen kennenzulernen.

Es wird zwar nach den Chancen gefragt, die ein Social Network bietet, um Freundschaften zu schließen und neue Menschen kennenzulernen. Ich vermisse in der Umfrage aber die Frage, wie oft das schon in bestehenden Netzwerken funktioniert hat.

Ich finde es ein bisschen traurig, dass das „fiktive Netzwerk“ in der Umfrage ein Facebook-Klon ist. Hier hätte ich mir Fragen gewünscht, die auch andere Aspekte berücksichtigen. Zum Beispiel: „Sie haben zwei Social Networks zur Auswahl: Die AGB des einen passen auf eine DIN A4 Seite, beim anderen sind es 45 Seiten. Für welches entscheiden Sie sich?“ Ich vermisse auch Fragen wie: „Wünschen Sie sich Alternativen zu kommerziellen Angeboten?“ Oder: „Wie viele Freunde haben Sie über soziale Netzwerke kennengelernt?“ und „Dienen soziale Netzwerke für Sie dem Erhalten bestehender Freundschaften?“

Ein Schmunzeln löst zudem die Frage nach dem Beziehungsstatus aus. Nachdem man beantwortet hat, ob man in sozialen Netzwerken seinen Status in Sachen Beziehung in der Regel angibt, folgt unter folgender Prämisse…

Hinweis zu den darauffolgenden demografische Fragen.

… diese Frage:

Frage nach dem Beziehungstatus.

Die Beziehungsfrage muss beantwortet werden, um die Umfrage abschließen zu können. Also habe ich da mal eben eine falsche Aussage gemacht. Ha. Falls jemand fragt, ich bin verwitwet.

Letzter kleiner Kritikpunkt meinerseits: Inhaltlich gedoppelte Fragen haben mich ein bisschen gestört.

Natürlich dienen Studien immer dazu, Vermutungen zu bestätigen oder sie zu widerlegen (meist sind das die interessanteren Studien). Aber ich hätte mir trotzdem ein weiteres und mutigeres Fragenspektrum gewünscht.

Trotz meiner Kritik hoffe ich, die Umfrage findet reichlich Zulauf und wirft aufschlussreiche Ergebnisse ab.

Nächste Runde: Semesterstart

Mit dem heutigen Tag ist das vierte Semester Online-Journalismus gestartet. Im Kick-Off-Seminar haben wir heute fast acht Stunden konzeptionell, kreativ und planerisch gearbeitet. Wir waren sehr produktiv.

Ich bin sehr glücklich über das, was mich, uns und hoffentlich euch als Interessierte erwartet:

„Journalismus für Kinder“

Es freut mich natürlich auch, dass viele meiner eigenen Ideen Anklang in der Gruppe gefunden haben:

Wir werden in den nächsten Wochen eine Kombination aus einem Printmagazin mit multimedialen Bestandteilen und einem Werkstattblog produzieren. Das heißt, zum Ende des Semesters wird ein Magazin für Kinder auf der guten, alten Zellulose erscheinen. Weil wir aber Online-Journalisten sind, geben wir uns damit nicht zufrieden. Meine Idee ist dabei, das Printmagazin mit Videos und Audios anzureichern. Das heißt, ich möchte über QR-Codes und andere Links Film und Ton in das Printmagazin integrieren. Die Kinder können dann selbst entscheiden, ob sie zum Artikel noch ein Video anschauen oder ein Audio hören möchten. Einerseits üben wir auf diese Weise, Themen multimedial darzustellen. Aber wir eröffnen damit auch sehr jungen Kindern, unsere Geschichten zu erleben. Sie müssen dafür nicht viel lesen können (oder wollen).

Soweit der aktuelle Stand. In den nächsten Tagen werden wir uns mit bereits existierenden Printprodukten für Kinder beschäftigen und wollen dann mit einigen Schülern über diese Produkte sprechen. Was bei dieser „Blattkritik“ herauskommt, wird die Gestaltung unseres Magazins natürlich massiv beeinflussen. Ich hoffe darauf, dass wir schnell mit ein paar Schulklassen in Kontakt kommen und anschließend mit dem Konzeptionieren und der Redaktionsorganisation fortfahren können. Erste inhaltliche Arbeit werden wir dann wohl im April in Angriff nehmen.

In diesem Sinne: Es geht wieder los! Bleibt dran und erzählt es weiter.

Kony2012 – veraltet, fragwürdig, … falsch?

Aus folgendem Video von Al Jazeera geht hervor, wie der PR-Film zu „Kony2012“ in Uganda von den betroffenen Menschen aufgenommen wird.

Opfer der LRA fühlen sich zu Recht nicht angemessen vertreten. Ihre Leiden werden nicht berücksichtigt. Einer der Männer bringt es auf den Punkt, wenn er davon spricht, dass im Film nur Weiße zu sehen seien – kein einziges der Opfer Joseph Konys.

Auch Rosebell Kagumire, Bloggerin in Uganda, findet das Video unpassend:

Wenn sich eine solche Kampagne auf bekanntermaßen veraltete Informationen stützt, geht sie am Ziel vorbei. Wenn sich die Person gegen die Kampagne wehren, denen sie ursprünglich helfen sollte, dann ist das doch ein eindeutiges Zeichen.

Doch die Urheber der Kampagne wehren sich gegen die Vorwürfe, statt auf die Menschen zu hören, denen sie da „helfen“ wollen.

Informationen zu den Finanziers von Invisible Children lassen weitere Zweifel aufkommen: Die Gruppe von Menschen, denen eine ehrliche Hilfe für die Betroffenen am Herzen liegt, wünschte man sich anders zusammengesetzt.

Zudem kommt nur ein Drittel der Gelder wirklich beim „Ziel“ der Initiative an. Das Foto und die Pose der beiden weißen Aktivisten sprechen auch eine interessante Bildsprache. Diese Menschen sollen verhindern, dass Kinder sich unter Drogen bekriegen? Dass War Lords in Afrika Menschen schlachten? Ich weiß es nicht.

„Visible Children“ nimmt darauf Bezug, wohin die Gelder aus der Kampagne fließen:

According to Jason Russell’s appearance on the Today show several days ago, over 500,000 action kits have been ordered at $30 a piece, meaning this campaign has brought in a minimum of $15M in revenue this week. This is great news: at least 500,000 people are “advocate[s] of awesome” according to the group’s webstore! So where’s that money going? I’ll leave it to Jedidiah Jenkins, Invisible Children’s Director of Ideology:

Thirty-seven percent of our budget goes directly to central African-related programs, about 20 percent goes to salaries and overhead, and the remaining 43 percent goes to our awareness programs. […] But aside from that, the truth about Invisible Children is that we are not an aid organization, and we don’t intend to be. I think people think we’re over there delivering shoes or food. But we are an advocacy and awareness organization.”

Dass „Kony2012“ weder den betroffenen Menschen hilft, noch zur Aufklärung über die angeprangerten Missstände beiträgt, davon muss aber ausgegangen werden.

Sag mal, Pascal, …

… was hast du eigentlich im vergangenen halben Jahr so gemacht?

Die Frage stellt sich einem selbst oft nicht, weil man viel zu sehr damit beschäftigt ist, all die Aufgaben und Ziele zu erledigen und zu erreichen, die sich einem täglich stellen. Aber ein bisschen zurückschauen möchte ich jetzt trotzdem mal. Gerade auch, weil sich hier schon so lange nichts getan hat und ich außer ein paar Arbeitsproben nicht viel erzählt habe.

Neben den kleineren Projekten, deren Ergebnisse ihr hier meistens in Videoform vorgefunden habt, gab es auch ein paar größere. Teilweise sind sie noch nicht abgeschlossen, aber es gibt trotzdem einiges zu erzählen.

Im Juli war erst mal das zweite Semester rum, aber von arbeitsfreier Zeit war nicht die Spur. Neben Motorrad schrauben und Motorrad kaufen (nicht für mich) stand auch noch der Umzug nach Reinheim an. Schließlich hatte sich die WG aufgelöst.

Gleichzeitig bot sich in Stuttgart die Gelegenheit, Start-Up-Luft zu schnuppern und medial zu arbeiten. Also schloss sich an einen halbfertigen Umzug ein großartiges Praktikum an. Bei YAZ konnte ich mich gedanklich und kreativ ziemlich austoben. Fünf Wochen lang habe ich Pläne skizziert und Ideen gesammelt, wie das Start-Up online auftreten könnte. Ich habe die Zeit dort sehr genossen, weil ich mit sehr intelligenten und netten Menschen gearbeitet habe. Da es bei YAZ um Essen geht, hat sich der Genuss nicht nur auf den Geist ausgewirkt. Den Abschluss fand das Praktikum in einer fulminanten Investorenkonferenz. So konnte ich im Praktikum nicht nur meine Studieninhalte aus dem ersten Studienjahr in der Praxis testen, sondern auch noch mitnehmen, wie es sich anfühlt, seine Ideen und Konzepte so zu präsentieren, dass andere zurecht auch an den Erfolg glauben.

Im Oktober startete dann das dritte Semester mit neuen Fächern und neuen journalistischen Experimenten. Nachdem das zweite Semester Time-Lapse gebracht hatte, folgte im dritten Semester ein erster Versuch mit Stop-Motion. Beides ist sehr schön und beides nimmt viel Zeit in Anspruch. Aber beides lohnt sich.

Ach ja, irgendwie rutschte ich dann noch in einen Hiwi-Vertrag und arbeite seitdem zusätzlich auch für Geld für die Hochschule.

Den gefühlt größten und wohl bedeutendsten Anteil des Semesters hatte aber unser Semesterprojekt. Anfangs unter einer sehr weitgreifenden Premisse beschrieben, prozessjournalistisch zu arbeiten, ergab sich eine Zusammenarbeit mit dem Deutschlandfunk. Schnell waren wir uns einig, dass wir diese Möglichkeit unbedingt wahrnehmen würden. Die Folge: Unsere Projektgruppe bereitete sich gegen Ende des Jahres auf die journalistische Begleitung einer Medienkonferenz vor. Irgendwie rutschte ich dort dann mit der Zeit ins Leitungsteam, um die beiden, die sich von Anfang an dazu bereit erklärt hatten, zu unterstützen.

Die erste Hürde des Projekts nahmen wir dann am 13. Dezember. An diesem Dienstag ging unsere Projektseite „dlf50.org“ online. Auf ihr waren ab diesem Zeitpunkt unsere Vorarbeiten zu finden. Wer würde zu Gast sein, welche Themen erwarteten die Gäste und wer waren eigentlich wir? Zuvor hatten wir schon angefangen unsere Arbeit mit Twitter zu dokumentieren.

Um zu sondieren, auf was wir uns eingelassen hatten, fuhr eine kleine Studentengruppe also am 20. Dezember nach Köln – quasi als letzte Amtshandlung vor Weihnachten.

Schon zwei Tage später war ich dann mit Tilo Barz in Frankfurt verabredet. Als Chef der Multimediaabteilung des Hessischen Rundfunks hatten Martin und ich ihn ausgesucht, um uns und unseren Lesern im Vorfeld der Konferenz einen öffentlich-rechtlichen Blick auf das Internet zu geben. Wir wollten von ihm unter anderem wissen, wie soziale Netzwerke die tägliche Arbeit beeinflussen und welche neuen Formate im Internet vorstellbar sind. Leider fiel Martin dann wegen einer ziemlich heftigen Infektion aus und ich nahm kurzerhand Daniel als mentale Unterstützung und technisches Backup mit. Danke nochmal dafür, Daniel. Die tagsdarauf beginnenden Weihnachtsferien waren also mit Transskribieren und Kürzen ausgefüllt.

Tilo Barz im Interview | Mein erster Beitrag für dlf50.org im Dezember 2011

Nach der Hälfte der Weihnachtsferien ging es dann aber los – zur Konferenz „Der Ort des Politischen in der digitalen Medienwelt“, der Feier zum 50. Geburtstag des Deutschlandfunks. Mit Silas und Kim fuhr ich am 4. Januar nach Köln, die anderen kamen mit der Bahn am nächsten Tag nach. Was wir alles dort gemacht und festgehalten haben, lest ihr am besten selbst nach, wenn ihr uns nicht schon verfolgt habt. Hier noch mein Beitrags-Archiv und ein Beitrag von Martin, Doro und mir.

Mit Freude nahmen wir wahr, dass wir gut ankamen:

Mit Daniel Fiene unterhalten sich Doro, Martin und ich uns übrigens noch nächste Woche. Es ist also noch nicht vorbei mit dem Projekt.

Außerdem stehen noch die Hörbeiträge von der Konferenz für den Hessischen Rundfunk an sowie ein Soundslide.