Das ist Demokratie

Wer wird sich denn so empören?

[Aus aktuellem Anlass möchte ich hier eine Glosse aus der Textwerkstatt nachreichen:]

 

Die UEFA schneidet aufgezeichnete Filmschnipsel in die Live-Übertragungen des EM-Vorrunden-Spiels zwischen den Niederlanden und Deutschland. Europa ist in Aufruhr, ARD und ZDF sind empört. WDR-Chefredakteur und ARD-EM-Teamchef Jörg Schönenborn sagte: „Das deutsche Publikum erwartet, dass live drin ist, wenn live drauf steht. Live ist live und muss live bleiben.“

Alles nur Show, was wir da aus der Ukraine und Polen zu sehen bekommen? Authentische Szenen aus den Stadien: Fehlanzeige? Sollte Joachim Löw tatsächlich während des Spiels zu angespannt gewesen sein, um mit dem Balljungen zu scherzen?

Nein, natürlich nicht. Dieses eine Mal war ein unglücklicher Vorgang. Und das andere Mal auch. Die anderen Bilder aus den Stadien entsprechen selbstverständlich der Realität und spiegeln die Stimmung in den Stadien 1:1 wieder.

Sie fragen sich, warum dann bei Ihnen daheim im Stadion so selten hübsche Frauen in knapper Bekleidung neben Ihnen sitzen? Nun, in der Ukraine ist das eben so. Auf Schalke sitzt neben Ihnen kein süßes, kleines Mädchen, das sich gemeinsam mit dem jungen Vater über Tore freut und ein Miniaturfähnchen schwingt? Naja, das ist ja auch Gelsenkirchen.

Was meinen Sie? Bei Ihnen im Stadion rieche es nach einer Mischung aus Schweiß und Zigarettenrauch gepaart mit Bengalo-Dämpfen? Dann nichts wie ab in die Ukraine: Egal, wohin dort die Kamera schwenkt: Junge Frauen, süße Kinder, alle im Torjubel und Stimmungsrausch. Leere Sitze, Bengalos, Gegenstände, die auf die Spielfelder oder gar auf Spieler geworfen werden? Nein, sowas gibt es hier nicht. Ganz zu schweigen von politisch Andersdenkenden.

Ukraine: Wo der Fußball zuhause ist und die Welt noch stimmt.

 

P.S.: Ich komme hier gerade nicht ganz hinterher. Abschließende Berichte zum beinahe beendeten Semesterprojekt folgen natürlich noch und dann geht es in zwei Wochen auch schon ab in die Praxisphase. Ich freu‘ mich.

Nette Platte

Ich höre ihn immer wieder gerne und vor ein paar Tagen hat er seine aktuelle Cover-Platte auf Soundcloud hochgeladen: Mayer Hawthorne Impressions

Genießt es.

Digitaler Kindergarten

Wie lange wird es wohl noch dauern, bis wir den Begriff „Suchmaschine“ nicht mehr verwenden? „Suchen“ und „Finden“ passten schon zum Start dieser Art von Dienstleistung nicht ganz richtig. Denn die Ergebnisse einer „Such“maschine listeten Betreiber-Unternehmen von Anfang an nach eigenen Rangfolge- und Auswahlkriterien. Legitim, denn schließlich finanziert sich die Dienstleistung nicht von alleine. Die immer stärker integrierten sozialen Ströme in den „Such“-Algorithmen könnten aber dazu führen, dass sich Suchmaschinen zu digitalen Sandkästen entwickeln. „Die Kleinen“ sandeln ein bisschen unter Aufsicht und spielen mit Förmchen und Schäufelchen.

Wenn sich Suchmaschinen dem vermeintlichen intellektuellen Niveau des Nutzers anpassen, wird die Gesellschaft verdummen. GeekWire beschreibt ein anderthalb Jahre altes Microsoft-Patent. Die Idee der Entwickler: Rückschlüsse aus den Aktivitäten in sozialen Netzwerken sollen die Suchergebnisse beeinflussen. Aber nicht etwa das Like beim Sportverein oder der Schuhmarke, sondern wie intelligent meine eigenen Äußerungen in sozialen Netzwerken sind. Dümmliche Postings – seichte Suchergebnisse.

Sicher würde ein solches „Bing for Dummies“ manchem Nutzer leicht verständliche Kost auf den Bildschirm liefern. Aber durch was sollen wir uns dann bilden? Wie sollen wir neue Ideen bekommen? Was uns antreibt sind Ideen und Meinungen, die wir nicht verstehen, aber verstehen wollen. Das ist die Motivation am Lernen. Wenn wir Herausforderungen nicht mehr gestellt bekommen, wenn intellektuelle Unterforderung alltäglich wird, wo soll das hinführen? Wo stuft Bing eine Person ein, die auf facebook hauptsächlich Cat-Content verbreitet?

Außerdem setzt die Technik voraus, dass wir grundsätzlich liken, was uns gefällt, dass wir nur verbreiten, was uns interessiert, und dass unser Profil der Wahrheit entspricht.

Für mich hört sich das so an, als müssten wir uns bald auf digitale Breinahrung umstellen. Für Felix von Leitner ist das digitale Elitenbildung. Das freie Netz wird durch solche Entwicklungen jedenfalls nicht größer.

Will man wirklich wissen, wie Google funktioniert, bekommt man tatsächlich die groben Züge erklärt. Doch wie die Selektion funktioniert, bleibt weiter Betriebsgeheimnis. Warum dürfen wir aber nicht wissen, weshalb uns Google was zeigt. Wäre das nicht ein großartiges Erlebnis, wenn neben einem Suchergebnis die Gründe für seine Positionierung erläutert würden? In Ansätzen gibt es das schon, aber wirkliche Transparenz der Gründe für Rangfolge und Auswahl der Suchergebnisse existiert nicht.

Warum sollen sich meine Suchergebnisse überhaupt nach meinen Äußerungen in sozialen Netzwerken richten? Wenn ich Tipps zum Pflanzen von Rosen brauche, möchte ich doch am liebsten auf Inhalte von Gärtnern geschickt werden. Wäre es also nicht viel effektiver, würden soziale Feeds von Spezialisten integriert? Themenspezifisch immer neu sortiert.

Konsequent ist die Vorgehensweise von Suchmaschinenanbietern natürlich. Primär geht es ja auch darum, den Suchenden mit optimal abgestimmten Anzeigen zu versorgen und nicht darum, intelligente Inhalte zu präsentieren. Natürlich balancieren die Suchmaschinenanbieter auf dem Grat zwischen möglichst zufriedenen Anzeigenkunden und möglichst unabhängigen Suchergebnissen. Denn wären die Suchergebnisse nicht zufriedenstellend, würden sich die Nutzer abwenden. Der Werbemarkt bräche zusammen.

Die Frage, die sich der Nutzer mit jeder Suche stellen sollte, ist: Will ich akzeptieren, dass ein Wirtschaftsunternehmen meine Suchergebnisse an den Interessen anderer Wirtschaftsunternehmen orientiert? Es ist dieselbe Frage, die sich im Supermarkt stellt. Bin ich mir bewusst, dass ich als Nutzer mitbestimmen kann? Wir entscheiden, wer die Marktmacht hat. Vor der Kühltheke wie am Suchfenster. Entweder wir schwören einem anderen König die Treue und wechseln die Suchmaschine, wenn uns das Gebaren nicht mehr passt. Oder noch viel besser: Wir rufen die Republik aus und kümmern uns selbst um unsere Links und Informationen.

Als der Himmel im anderen Browser war

Da haben wir
in welcher Sprache war
ja aber ein Bahnhof kaufen
war eine erlesene Bücherei
der Vergangenheit einiges zu nachher
kein Netz mehr lange

Das Leistungsschutzrecht

Leistungsschutzrecht, alles nur Ablenkung YOUdaz.comDen im letzten Blogpost angekündigten Beitrag zu den aktuellen Entwicklungen im Bezug auf ein Leistungsschutzrecht findet ihr auf youdaz.com:

Leistungsschutzrecht, alles nur Ablenkung? | Der Beitrag fasst die bisherigen Standpunkte zum Thema zusammen. Kritik, Anregungen und weiterführende Informationen sind wie immer herzlich willkommen.

… doch zuerst

In den letzten Tagen und Wochen bewegt sich wieder einiges im Verhältnis zwischen den öffentlich-rechtlichen Anstalten und den privaten Verlegern. Doch nur von einigen Schritten erfährt eine breite Öffentlichkeit. Aktuellste Entwicklung ist das Leistungsschutzrecht, das die Koalition nun auch gegen innere Widerstände und wider den gesunden Menschenverstand durchdrücken will/wird. Dazu arbeite ich gerade…

…doch zuerst möchte ich euch allen großartige Musik ans Herz legen:

„After You“ brachte Meg zum Valentinstag als Single raus. Besonders großartig ist auch „Adelaide“. Wer auf poppigen Dubstep steht, sollte sich den „Monster“-Remix anhören. Im Moment hat sie nicht einmal 1500 Fans auf Facebook und auf Soundcloud ist sie noch ordentlich von 300 Followern entfernt. Das muss sich ändern, wie ich finde.

Die gesamte EP ist sehr gelungen. Sehr stimmige Mischung, die alles vereint, was mir gefällt. Eine starke Stimme, Indie Rock gepaart mit starken Pop- und Electro-Elementen und natürlich das kleine, leichte Dubstep-Schmankerl zum Schluss.

Hornbachs Reaktion

Heute Morgen um 2 Uhr postete Hornbach folgende Nachricht:

Hallo Freunde, wir haben die „Lovestory“ von der Seite genommen. Das Risiko, dass die Beteiligten Nachteile davon haben könnten, war uns zu groß. Das könnt ihr jetzt gut oder doof finden, aber wir haben hier auch eine Verantwortung, nicht nur unseren Mitarbeitern gegenüber. Toll, dass es euch allen so gut gefallen hat, aber es gibt wichtigeres als Belustigung auf Facebook. Nun sollten wir die Privatsphäre der Akteure achten. Wir sind uns sicher, ihr habt Verständnis dafür. Danke. YippieYeah

Ein wenig unglücklich formuliert: „Nun sollten wir die Privatsphäre der Akteure achten.“ Erstens warum „nun“? Die Privatsphäre sollte man doch wohl grundsätzlich achten. Zweitens ist das kein Fall für das Argument Privatsphäre. Schließlich haben sich alle Beteiligten auf einer öffentlichen Plattform und freiwillig geäußert. Drittens schockiert mich immer noch die Einstellung, dass es sich hierbei um Belustigung gehandelt haben soll. Irgendwie scheint da die Einsicht nicht durchgesickert zu sein, dass Spott und Schadenfreude nicht Unterhaltung entsprechen.

Vielleicht liegt die unglückliche Formulierung auch am Zeitpunkt der Veröffentlichung (2 Uhr morgens).

Aber ich will mich darüber jetzt nicht weiter echauffieren und hoffe, dass die Situation und der Umgang damit keinen Schaden bei den Beteiligten hinterlassen wird.