Doch alles nur Wahlkampf…

Jetzt ist es also raus. Brüderle gab am 14. März auf der Vorstandssitzung des Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) preis, dass das AKW-Moratorium nur Wahlkampftaktik ist.

„Was es denn mit den Meldungen von dem Moratorium auf sich habe, will BDI-Präsident Hans-Peter Keitel wissen. Ausweislich des Protokolls der Sitzung gibt Brüderle darauf eine folgenschwere Antwort: ‚Der Minister bestätigte dies‘, steht darin, ‚und wies erläuternd darauf hin, dass angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen Druck auf der Politik laste und die Entscheidungen daher nicht immer rational seien.‘“ (Süddeutsche Zeitung)

Doch seine Aussage scheint nicht korrekt wiedergegeben worden zu sein, beteuert man beim BDI, bei dessen Veranstaltung der Bundeswirtschaftsminister diese nun folgenschwere Aussage tätigte.

„Inzwischen meldete sich auch der BDI zu Wort – mit einer eigenen Erklärung: ‚Es liegt ein Protokollfehler vor‘, versichert BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf.“ (Süddeutsche Zeitung)

Der Regierungssprecher versucht die Situation via Twitter zu retten, aber das ist jetzt schon zu spät.

Steffen Seibert versucht die Medienberichte über Brüderles Äußerungen zu korrigieren.

Der Bevölkerung war so oder so schon klar, dass das Verhalten der Regierungskoalition Taktik und nicht ehrliche Einsicht war: Das wird hier in einer Umfrage im Auftrag der ZEIT deutlich.

Doch was auch bei der Süddeutschen deutlich wird, ist, dass die Wahltaktik nicht mit den AKW-Betreibern abgesprochen war, sondern diese überraschte:

„RWE-Chef Jürgen Großmann rennt zum Telefonieren raus, Eon-Chef Johannes Teyssen blickt finster. ‚Die wirkten wirklich überrascht‘, sagt ein Teilnehmer.“ (Süddeutsche Zeitung)

Das ist doch einfach ärgerlich für die Politik, dass Journalisten zu den unpassendsten Momenten Protokolle längst vergangener Treffen ausgraben und damit den Wähler manipulieren. Einfach frech.

Paul Trummer im Gespräch

Nachdem wir für den Lektürekurs das „Sachbuch“ „Pizza Globale“ von Paul Trummer gelesen hatten, wartete ein besonderes Highlight auf uns – das Skype-Telefonat mit dem Autor, das unsere Professorin tags zuvor spontan mit ihm verabredet hatte.

Ein offenes Gespräch mit einem jungen, sehr sympathischen Journalisten gab uns die Möglichkeit, Fragen zu seiner Arbeit wie auch zum Inhalt des Buches zu stellen.

Das Telefonat zeigte: Es ist immer lohnend, „sich mit Essen auseinander zu setzen“. Zum Thema passend war der erst frisch in die Medien geratene Dioxin-Skandal – mit giftigen Rückständen im Futter unserer Hühner, Schweine, … .

Es wurde klar, dass eine industrialisierte Nahrungsherstellung beziehungsweise Landwirtschaft zu solchen Skandalen führte, die sich dann auch international auswirkten, wie zum Beispiel im Fall Südkoreas, das den Import von deutschem Fleisch momentan nicht erlaubt, um sich vor dem Gift zu schützen.

Paul Trummer sagte uns, dass es ihm wichtig gewesen sei, beide Seiten in seinem Buch zu Worte kommen zu lassen, sich also nicht nur mit dem Biobauern, sondern auch mit dem Tiefkühlpizza-Hersteller zu unterhalten. Er wollte zeigen, wie ökonomische Interessen die Lebensmittelindustrie beeinflussen. Es geht, wie in jeder anderen Industrie, darum, die Effizienz zu steigern und höhere Gewinne zu erzielen. Es sei ihm aber „zu plump“ gewesen, sich nur mit den Gegnern einer globalisierten Lebensmittelproduktion zu identifizieren und von deren Warte aus zu argumentieren.

Er wiederholte, was er auch in seinem Buch geschrieben hat: „Wir verdrängen sehr gerne, weil wir auf unsere eigene Geldbörse achten.“

Trummer äußerte sich auch zu aktuellen Konflikten: China, als neue Imperialmacht in Afrika, werde es für die Bevölkerung des Kontinents nicht leichter machen.

Paul Trummer berichtete uns, wie die Recherche – sie dauerte im Übrigen eineinhalb Jahre, während der er aber weiterhin seinem Beruf als Redakteur beim Wiener Kurier nachging – sein Ess- und Kaufverhalten nachhaltig verändert hat:

Trummer geht nicht mehr zu Mc Donald’s, kauft viele Bio-Produkte und legt Wert auf saisonale Nahrungsmittel. Außerdem hat Trummer für sich zwei „fleischfreie Tage“ in der Woche eingeführt. Er meint, „wir sollten es uns nicht zu einfach machen“.

Da nur zwei aus unserem Kurs mit ihm direkt sprechen konnten, hatte der Rest des Kurses Fragen vorbereitet. Auf meine Frage, ob Österreicher Bio-Lebensmitteln einen höheren Stellenwert zuschreiben würden, antwortete er erst mit folgender Aussage: „Naja, ihr habt ALDI erfunden …“, bestätigte dann aber, dass durch die kleineren Strukturen, die die österreichische Geographie vorgebe, Landwirtschaft in Österreich tatsächlich anders wahrgenommen werde.

Die Europäische Union plane, so Trummer, kleinere Bauernhöfe zu fördern und den Trend in Richtung kleinerer Produktionseinheiten steuern zu wollen. Das könnte zu lokalerem Produktionsverhalten führen.

Von Geburt an diskriminiert

Offensichtlich hat es die Evolution so vorgesehen, dass Männer – natürlich männliche Babys – eine besser zusammengesetzte Muttermilch erhalten als ihre weiblichen Konkurrentinnen an der Zitze.

Gestern sah ich einen auf den ersten Blick ansprechenden Artikel in der Süddeutschen Zeitung. Verfasst hat ihn Nike Heinen, Wissenschaftsjournalistin (Biochemikerin).

Folgender Satz ließ mich doch etwas schmunzeln:

„Er [Carlito Lebrilla] fand heraus, dass Mütter ihrer Milch ein komplexes Sortiment aus etwa 200 verschiedenen Zuckerketten beimischen.“

Wie habe ich mir das vorzustellen. Die Mutter steht morgens im Bad – schüttelt sich und rüttelt sich – und fertig … ta daa …  Shake à la protéine.

Naja, mir soll’s Recht sein. Ich durfte ja schließlich von den ausgewählten Nährstoffen einer meist gut gefüllten Bar profitieren. Vielen Dank noch einmal auf diesem Weg.

Ich danke meiner Mutter auch dafür, dass sie mit ihrer Milch ermöglichte, dass ich vor Durchfallkrankheiten verschont blieb – zumindest habe ich keine bleibenden Erinnerungen – und mein Immunsystem auch sonst ein sehr stabiles ist.

Meine Mutter sorgte dafür, dass Bifidobacterium long um infanti Nahrung erhielt (es ist ein echter Muttermilchfan und fraß den bösen Durchfallbakterien den Milchzucker weg und sorgte so für meine gesunde Verdauung).

Übrigens: Makaken stressen ihre Kinder per Muttermilch. Was soll das denn heißen? Ganz einfach: Mittels Cortisol (Stresshormon) machen Makakenmamis ihre Jungs aggressiv, damit sie sich später durchsetzen und viele Nachkommen zeugen können.

Ich schließe mich Heinen an: Auch wenn dieser Zusammenhang beim Menschen noch nicht erwiesen ist. Warum sollte es bei uns anders sein?

Ich jedenfalls kenne einige Exemplare, die zu viel Cortisol abgekriegt haben.