Was verrätst du Facebook?

Die Techische Universität Darmstadt, genauer das Fachgebiet Wirtschaftsinformatik, forscht in Kooperation mit dem Hessischen Rundfunk. Zusammen mit hr-info wollen die Forscher wissen, was wir auf sozialen Netzwerken über uns veröffentlichen.

Die Umfrage ist wertvoll, weil mit ihr Forschung zu neuen gesellschaftlichen Entwicklungen betrieben wird. Allerdings bezweifle ich, dass herausragende, neue Erkenntnisse gewonnen werden. Die Studie wird bestätigen, dass Facebook dem Stalken dient und wir viel über uns selbst in sozialen Netzwerken preisgeben. All dies in der Hoffnung, neue Menschen kennenzulernen.

Es wird zwar nach den Chancen gefragt, die ein Social Network bietet, um Freundschaften zu schließen und neue Menschen kennenzulernen. Ich vermisse in der Umfrage aber die Frage, wie oft das schon in bestehenden Netzwerken funktioniert hat.

Ich finde es ein bisschen traurig, dass das „fiktive Netzwerk“ in der Umfrage ein Facebook-Klon ist. Hier hätte ich mir Fragen gewünscht, die auch andere Aspekte berücksichtigen. Zum Beispiel: „Sie haben zwei Social Networks zur Auswahl: Die AGB des einen passen auf eine DIN A4 Seite, beim anderen sind es 45 Seiten. Für welches entscheiden Sie sich?“ Ich vermisse auch Fragen wie: „Wünschen Sie sich Alternativen zu kommerziellen Angeboten?“ Oder: „Wie viele Freunde haben Sie über soziale Netzwerke kennengelernt?“ und „Dienen soziale Netzwerke für Sie dem Erhalten bestehender Freundschaften?“

Ein Schmunzeln löst zudem die Frage nach dem Beziehungsstatus aus. Nachdem man beantwortet hat, ob man in sozialen Netzwerken seinen Status in Sachen Beziehung in der Regel angibt, folgt unter folgender Prämisse…

Hinweis zu den darauffolgenden demografische Fragen.

… diese Frage:

Frage nach dem Beziehungstatus.

Die Beziehungsfrage muss beantwortet werden, um die Umfrage abschließen zu können. Also habe ich da mal eben eine falsche Aussage gemacht. Ha. Falls jemand fragt, ich bin verwitwet.

Letzter kleiner Kritikpunkt meinerseits: Inhaltlich gedoppelte Fragen haben mich ein bisschen gestört.

Natürlich dienen Studien immer dazu, Vermutungen zu bestätigen oder sie zu widerlegen (meist sind das die interessanteren Studien). Aber ich hätte mir trotzdem ein weiteres und mutigeres Fragenspektrum gewünscht.

Trotz meiner Kritik hoffe ich, die Umfrage findet reichlich Zulauf und wirft aufschlussreiche Ergebnisse ab.

Veränderte Protestkultur

Die Protestkultur hat sich in den letzten 30 Jahren verändert. Offener Protest auf der Straße scheint heute für Bürger ganz verschiedener Milieus eine Option zu sein. Die Barriere sei viel niedriger geworden, so Michael Thomas Greven, Professor für Politikwissenschaften an der Universität Hamburg. Früher habe man in bestimmten Kreisen gesagt: „Sowas tut man nicht“.

Ein Hinweis auf den Wandel der politischen Kultur in Deutschland sei, dass sich Bürger teilweise zum ersten Mal in ihrem Leben öffentlich engagierten, meint Greven. Die Menschen haben weniger Hemmungen, ihre Meinung öffentlich kundzutun. Mehr als ein Viertel der Teilnehmer einer Befragung unter „Stuttgart 21“-Gegnern hatte noch nie oder schon sehr lange nicht mehr demonstriert. Das ist eine der Erkenntnisse, die die Forschungsgruppe „Zivilgesellschaft, Citizenship und politische Mobilisierung in Europa“ am 18. Oktober 2010 gewinnen konnte. Das Bedürfnis, sich öffentlich zu artikulieren, scheint also in den letzten Jahren gestiegen zu sein. Selbst wer früher nicht auf der Straße war, will heute gehört werden.

Es wird schwieriger, die Teilnehmer in Schubladen zu stecken und ihnen gesellschaftliche Positionen zuzuordnen. An den großen, friedlichen Demonstrationen nimmt ein vermeintlicher Querschnitt der Gesamtbevölkerung teil. Doch Greven betont: „Der Parkschützer und die Dame mit der Handtasche, die ein Schild gegen Stuttgart 21 hochhält, sind heute so schichtenverschieden, wie sie es vor 30 Jahren gewesen wären. Aber die Schwelle, dass die Dame auf der Straße steht, ist niedriger geworden.“

Woran soll man also den Wandel in der Protestkultur festmachen? Konservativer scheint der Protest nicht geworden zu sein. Lediglich sechs Prozent der Befragten gaben an, bei der letzten Wahl die CDU gewählt zu haben. Und wie soll „konservativ“ überhaupt definiert werden? Die Studie nennt das Viertel frisch motivierter Teilnehmer „Protestneulinge“. Es handelt sich um Menschen, die vorher politisch nicht aktiv waren, sich auch nicht an politischen Initiativen beteiligten oder gar Mitglied in einer politischen Organisation waren. Zum ersten Mal sind sie motiviert genug, ihre Stimme zu erheben.

Nur ein Drittel dieser „Protestneulinge“ ordnet sich laut der Befragung dem linken politischen Spektrum zu. Ein Fünftel der „Protestneulinge“ wählte bei der letzten Bundestagswahl CDU. Die „Protestneulinge“ setzen sich also hauptsächlich aus Bevölkerungsschichten zusammen, die sich der politischen Mitte zuordnen, aber nicht CDU wählen.

Schon allein optisch ergeben so zusammengesetzte Demonstrationen aber ein neues Bild. Man erkennt den typischen Öko – aber eben auch das ältere Ehepaar mit Krawatte und Handtasche.

Welche Folgen hat es, wenn nicht mehr nur politische Randgruppen auf den Straßen für ihre Ziele kämpfen, sondern Bürger aller Schichten das Demonstrieren als politische Ausdrucksform annehmen?

Schnell ist man da der Meinung, es protestiere die gesamte Bevölkerung, weil ja irgendwie aus allen Teilen der Bevölkerung jemand teilzunehmen scheint. Wer davon ausgeht, dass alle Schichten für oder gegen dieselbe Sache kämpfen, könnte zum Schluss gelangen, die Bevölkerung habe in Gänze dieselbe Meinung. Demonstrationen bestehen aber nicht aus gewählten Volksvertretern, sondern aus einzelnen Bürgern mit Einzelinteressen.

Hier liegt für Greven auch ein häufiger Denkfehler: „Das Demonstrationsrecht ist kein Entscheidungsrecht. Wenn man diesen Wandel verallgemeinert, dann kommt keine Demokratie dabei heraus. Dann kommt eine Protestkultur dabei heraus. Nur – mit Protest kann man ein Land nicht regieren.“ Demonstrierende Minderheiten dürften keine direkten Regierungsentscheidungen bewirken, so Greven, sonst „hätten wir nämlich Minderheitenentscheidungen“.

Was wird es bewirken, wenn immer mehr Menschen protestieren gehen? Werden politische Beteiligungsformen angepasst werden, wenn Bürger aus allen gesellschaftlichen Milieus ihrem Unmut häufiger öffentlich Luft machen? Der Wandel ist jedenfalls noch nicht abgeschlossen, Greven sagt: „Der Frust ist gewachsen. Die Daten sind ganz eindeutig. Die Unzufriedenheit mit dem alltäglichen Funktionieren der Demokratie ist doch ziemlich groß und weit verbreitet.“

Anmerkung:
Dieser Artikel hätte eigentlich schon vor einiger Zeit auf der Seite des Semesterprojektes „Demokratie 21+“ erscheinen sollen. Leider ist die Seite schon länger nicht mehr zu erreichen. Daher veröffentliche ich diesen Text nun neben meinem filmischen Projektbeitrag hier zuerst. Der Artikel wie auch der Film entstanden während meines zweiten Semesters im Fach Online-Journalismus an der Hochschule Darmstadt.

Medienlogik und Medienrealität

Letzten Donnerstag und Freitag (10. und 11. Februar) habe ich in der Uni in Tübingen verbracht und dort den diversen Vorträgen zahlreicher Professoren, Doktoren und Master-Absolventen gelauscht. Denn dort fand die Tagung der Fachgruppen „Journalistik/Journalismusforschung“ und „Mediensprache/Mediendiskurse“ der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft e.V. unter dem Titel „Medienlogik und Medienrealität“ statt.

Ich werde das, was ich dort erfahren habe, nach meinen Prioritäten geordnet, hier niederschreiben. Es sind nicht alle Vorträge dabei, eher das, was junge Online-Journalisten meiner Meinung nach anwenden können.

Besonders interessant fand ich Julius Reimers Vortrag. Eigentlich war er als gemeinsamer Vortrag mit Klaus Meier geplant, doch Meier musste „repräsentativen Verpflichtungen“ nachkommen.

In Reimers Vortrag ging es um Transparenz in den Medien. Er stellte seine und Meiers Untersuchung vor, die zeigte, dass sich das Vertrauen der Leserinnen und Leser in Journalismus durch Transparenz steigern lässt. Sie hatten ihren Untersuchungsteilnehmern einen Artikel vorgelegt, dem sie wahlweise keine Transparenz erzeugenden Elemente, prozess- oder produkttransparente Elemente oder alle Transparenzelemente anfügten. Mit jedem Transparenzelement steigerte sich das Vertrauen weiter, allerdings nicht linear.

Die verschiedenen Transparenzdimensionen kurz erklärt (Update 3. März 2011):
Produkttransparenz: Wie ist das journalistische Produkt entstanden und aAuf welchen Quellen beruht es das journalistische Produkt? -> Bild und Vita des Autoren, Verlinkung zu/Verweis auf Quellen
Prozesstransparenz: Warum wird über welche Themen geschrieben und in welcher Art und Weise berichtet? -> Videoclips von Redaktionssitzungen, Themenpläne, Autor und dessen Vita (Update Ende)

Monologische Transparenz, die vom Publizierenden ausgeht, kann on- und offline hergestellt werden: Autor, Quellen und Hintergrundinformationen neben dem Artikel schaffen beispielsweise Produkttransparenz. Weiter wurde deutlich: Neben dieser monologischen Transparenz bietet vor allem der Online-Journalismus zwei weitere Möglichkeiten, Transparenz zu erreichen: Dialogische und partizipative Transparenz sind im Online-Journalismus einfacher und somit häufiger anwendbar.

Mit Kommentaren und Foren bieten die meisten Produzenten von Online-Journalismus zwar schon heute Möglichkeiten zu diskutieren, aber ich denke für den Transparenzeffekt müssten sich die Autoren noch mehr in die Diskussion einbringen. Die Möglichkeiten bei der Entstehung eines journalistischen Produkts mitzuarbeiten, sind, glaube ich, zum momentanen Zeitpunkt im Online-Mainstream aber wohl noch sehr stark ausbaubar. Von Nutzern generierter Inhalt, der redaktionell ausgebaut, nachrecherchiert und bearbeitet wird, findet sich, so zumindest mein momentaner Eindruck, wenn, dann vor allem auf Tech-Sites.

Reimer machte deutlich, dass die Objektivität, die bisher im Journalismus suggeriert wird, mit dieser Theorie der Transparenz im Widerspruch steht. Allwissend zu erscheinen, ist nicht damit vereinbar, dem Konsumenten die eigene Meinung und persönliche Wissenslücken offenzulegen.

Reimers Vorredner Vinzenz Wyss sprach im Bezug auf die Logik des Journalismus von einem transdisziplinären Zugang. Journalismus synchronisiere die Gesellschaft und die verschiedenen Systeme in ihr. Verschiedene Systeme stünden im Konflikt und der Journalismus werde dann aktiv, wenn sich Interessen gegenüber stünden. Dabei setzt sich das Publikum des Journalismus aus den verschiedenen gesellschaftlichen Systemen zusammen: Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, … . Die verschiedenen Diskurse innerhalb dieser gesellschaftlichen Gruppen miteinander zu kombinieren und alle in ihrer Lebenswelt abzuholen, das gelänge mit Narration. Ein erzählender Journalismus also könne die verschiedenen gesellschaftlichen Systeme zusammenführen.

Durch eine konstruierte Reihenfolge, bestimmte Rollenträger (im Sinne eines Helden, Gewinners, Verlierers, …) könnten Texte leichter verstanden werden. Journalismus mit Hinweisen und Schlüsseln zur Interpretation, einer Lösung, einem Konsens zum Schluss erleichterten das Konsumieren. Aber Narration ist immer subjektiv, weil sie bewertet und selektiert, damit eine stimmige Geschichte entstehen kann.

Auch Friederike Herrmanns Vortrag am Freitag hatte etwas mit Narration zu tun. Im Mittelpunkt stand die persönliche Erzählstimme in einem Text. Mit ihr wird eine Beziehung zum Leser hergestellt. Sie macht die Bedingungen aus, unter denen ein Text gelesen wird. Im Texteinstieg wird „ein Vertrag mit dem Leser“ geschlossen, womit er im Folgenden zu rechnen hat.

Herrmann sagte, dass eine individuellere Sprache möglicherweise ehrlicher sein könnte, als vom Leser distanzierte Formulierungen. Ich finde, das stimmt, denn eine vorgegaukelte Objektivität durch distanzierte Formulierungen macht es dem Leser nur schwerer, die Meinung des Autoren und der Redaktion zu erkennen. Jedem von uns ist aber bewusst, dass es Blattlinien gibt und kein Mensch vollkommen objektiv berichten kann. Eine ehrlichere Sprache würde in meinen Augen auch Transparenz schaffen. Und damit schließt sich der Kreis zu Reimers Vortrag. Denn was brächte es, den Autor eines Textes zu kennen, sein Foto und seine Lebensgeschichte vor Augen zu haben, wenn sein Text distanziert formuliert ist. Was bringt uns ein persönlicher Kontakt zu ihm, wenn jeder x-beliebige den Text hätte schreiben können.

Das war der kleine Einblick in drei von fünfzehn Vorträgen an diesen anderthalb Tagen. Ich danke allen Dozenten für die aufschlussreiche Veranstaltung und das geballte wissenschaftliche Wissen, das sie in dieser kurzen Zeit mit den Zuhörern geteilt haben.

Von Geburt an diskriminiert

Offensichtlich hat es die Evolution so vorgesehen, dass Männer – natürlich männliche Babys – eine besser zusammengesetzte Muttermilch erhalten als ihre weiblichen Konkurrentinnen an der Zitze.

Gestern sah ich einen auf den ersten Blick ansprechenden Artikel in der Süddeutschen Zeitung. Verfasst hat ihn Nike Heinen, Wissenschaftsjournalistin (Biochemikerin).

Folgender Satz ließ mich doch etwas schmunzeln:

„Er [Carlito Lebrilla] fand heraus, dass Mütter ihrer Milch ein komplexes Sortiment aus etwa 200 verschiedenen Zuckerketten beimischen.“

Wie habe ich mir das vorzustellen. Die Mutter steht morgens im Bad – schüttelt sich und rüttelt sich – und fertig … ta daa …  Shake à la protéine.

Naja, mir soll’s Recht sein. Ich durfte ja schließlich von den ausgewählten Nährstoffen einer meist gut gefüllten Bar profitieren. Vielen Dank noch einmal auf diesem Weg.

Ich danke meiner Mutter auch dafür, dass sie mit ihrer Milch ermöglichte, dass ich vor Durchfallkrankheiten verschont blieb – zumindest habe ich keine bleibenden Erinnerungen – und mein Immunsystem auch sonst ein sehr stabiles ist.

Meine Mutter sorgte dafür, dass Bifidobacterium long um infanti Nahrung erhielt (es ist ein echter Muttermilchfan und fraß den bösen Durchfallbakterien den Milchzucker weg und sorgte so für meine gesunde Verdauung).

Übrigens: Makaken stressen ihre Kinder per Muttermilch. Was soll das denn heißen? Ganz einfach: Mittels Cortisol (Stresshormon) machen Makakenmamis ihre Jungs aggressiv, damit sie sich später durchsetzen und viele Nachkommen zeugen können.

Ich schließe mich Heinen an: Auch wenn dieser Zusammenhang beim Menschen noch nicht erwiesen ist. Warum sollte es bei uns anders sein?

Ich jedenfalls kenne einige Exemplare, die zu viel Cortisol abgekriegt haben.