„Krieg in Frankfurt…

und keiner geht hin.“

Gestern haben wir an der Uni simulierten Online-Journalismus betrieben und Berichte auf Basis von Agentur-Meldungen gebaut.

Thema war unter anderem auch Blockupy und ich kam nicht umhin, obige Aussage zu tätigen.

Vera Bunse hat auf CARTA die gleiche Meinung etwas ausführlicher geäußert. Es ist ernüchternd, wenn Gerichte politische Entscheidungen bestätigen, die die Meinungsfreiheit beschneiden. Präventiv friedliche Protestcamps zu räumen und gegen Demonstranten gepanzerte Fahrzeuge und Wasserwerfer aufzufahren, führt nicht zu einer Entspannung. Wer fühlte sich nicht von einer derartigen Gewaltdemonstration seitens des Staates bedroht?

Natürlich gibt es Menschen unter den Demonstranten deren Ziele Randale und Zerstörung sind, sie sind aber nicht die, die hinter den kapitalismuskritischen Aktionen stehen. Diesen aggressiven Menschen ist egal, bei welchen Demos sie ihre Zerstörungswut entladen.

Vielleicht kommt ein Denkprozess in der Bevölkerung in Gang, wenn in den Medienberichten immer mehr menschenleere Straßen, bewacht von berittenen Polizisten zu sehen sind. Geräumte Plätze, umstellt von Hundertschaften, werden hoffentlich Irritation beim Bürger auslösen. Denn er bezahlt schließlich die Polizisten.

Dass aus ganz Europa Demonstranten anreisen, daran wird sich deutsche Politik wohl gewöhnen müssen. Das war und ist in Sachen Atompolitik der Fall und trifft auch auf Finanzmarkt-Kritik und ACTA-Demos zu. Europäische Themen werden in europäischen Städten von europäischen Bürgern angegangen werden.

Menschenkette im Aufbau An der Autobahn 81 Bietigheim/Ludwigsburg schließen die Teilnehmer die letzten Lücken.

Tschernobyl, Fukushima, … Neckarwestheim

Zugegeben die Überschrift ist übertrieben und zum Glück bebt es in Süddeutschland seltener und weniger heftig als in Japan. Dennoch haben wohl auch die aktuellen Meldungen aus Japan dazu geführt, dass sich nach ersten Angaben 60 000 Menschen zwischen Stuttgart und dem AKW Neckarwestheim an den Händen nahmen.

Im Bietigheimer Streckenabschnitt haben die Anwesenden wohl keine Lücke in der Kette zugelassen. Die ganze Aktion kann als Erfolg verbucht werden.

Neben tierischen Teilnehmern (viele hatten ihre Hunde mitgebracht) waren unter den Demonstranten alle Altersklassen vertreten. Auch aus verschiedenen Regionen Deutschlands waren die Protestierenden angereist. Bayrische Atomkraft-Gegner waren an ihrer Beflaggung leicht zu erkennen. Und auch der Parkplatz war gut gefüllt. Reisebusse hatten viele der Demo-Teilnehmer nach Bietigheim transportiert.

Auch wenn man sich nicht zur Grünen-Fraktion zählt, so sollte ein Blick nach Japan doch ein mulmiges Gefühl in der Magengegend auslösen. Die Teilnehmer gedachten der Opfer in Japan mit einer Schweigeminute.

Ein Land, das technisch sicherlich noch höhere Sicherheitsstandards für seine Atomkraftwerke festgesetzt hat als Deutschland, versetzt sich selbst mit dieser unkontrollierbaren Technik in den Ausnahmezustand. Sichere Reaktoren scheint es auch dort nicht zu geben. Viele Tausende sind nun in Gefahr, von den globalen Folgen einmal abgesehen. Denn „Sicher ist nur das Risiko“.

Für Deutschland ist der Atomausstieg keine allzu große Sache, anders als in Japan besteht der Energiemix nur zu einem kleinen Bruchteil aus Kernenergie. Wie viel sich mit einem möglichen Regierungswechsel in Baden-Württemberg bewegen lässt, wird sich zeigen. In jedem Fall wird die Politik im Land auch Auswirkungen auf die bundesweite Atompolitik haben.