kurze Durchsage: Nazi-Propaganda in einer Doku, Pressefreiheit und Facebook hautnah

Hinter dieser vielversprechenden Überschrift stecken auch drei entsprechende Links:

Stefan Niggemeier fasst eine journalistische Fehlleistung von 3sat und dem ZDF auf dem BILDblog zusammen, die … auf „Die Achse des Guten“. Die Sender hatten Propaganda-Material als zeitgeschichtliche Dokumente in ihrer Dokumentation über das jüdische Leben in Warschau präsentiert. Steigerung der Fehlleistung war allerdings: 3sat hatte vor der Ausstrahlung des Propaganda-Films in einer anderen Dokumentation genau darüber berichtet, wie dieser entstanden war:

Mehr Informationen und die vollständige Doku über den Propaganda-Film der Nazis gibt es auf den Seiten der Bundeszentrale für politische Bildung.


Klaus Meier beschäftigt sich auf dem Blog zu seinem Standardwerk Journalistik mit der Frage, wie statistisch belegbar eine Korrelation zwischen Vertrauen der Bevölkerung eines Landes in die Medien und der Pressefreiheit des jeweiligen Landes ist. Er kommt zu dem Schluss:

In einem Land mit starker Kommunikationsfreiheit ist grundsätzlich bei der Bevölkerung ein geringes Vertrauen in den Journalismus zu erwarten.

Umgekehrt formuliert: In Ländern mit nicht vorhandener Pressefreiheit vertraut die Bevölkerung beinahe blind den Medien. Jan Müller schreibt dazu in seiner Dissertation:

[…] levels of trust in institutions in democratic and authoritarian countries are rarely compared. However, such a comparison might be instructive because levels of trust in the news media are often higher in authoritarian countries[…].

Da das jetzt alles recht intellektuell war, hier noch Intellektuelles mit Witz:

Wir und unsere Privatsphäre – warum messen wir mit unterschiedlichem Maß?

Unsere Privatsphäre ist ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens – Ist sie dabei, sich zu verändern? Akzeptieren wir, dass wir in einer Welt leben, in der Privatsphäre vor allem von Firmen nicht mehr geachtet wird? Ist das Verhalten dieser Firmen neu – oder nehmen wir es nur in letzter Zeit wieder vermehrt wahr? In den letzten Tagen fanden einige Themen auffällig medial statt, die unsere Privatheit betreffen.

An wen denke ich, wenn ich diese Zeilen schreibe? Nein, dieser Text wird nicht nur von Facebook handeln oder von Google Glass, der Ich-dokumentiere-alles-Brille.

Ich denke vor allem auch an Bertelsmann und all die anderen Unternehmen, die Adressen und Daten sammeln, um ihren Absatz zu vergrößern. Für die diese Praxis nichts Neues ist. Ich denke ebenso an unsere Meldeämter, die diesen Unternehmen beim Sammeln helfen.

Bei der Problematik der Adresshändler-freundlichen Meldeämter gibt es jetzt eine praktische und schnelle Möglichkeit, Einspruch zu erheben. datensparsam.de macht den „Antrag auf Übermittlungssperre“ zur Sache weniger Klicks. Den Antrag geben aber auch die Meldeämter direkt heraus.

Adresshandel ist nichts Neues

Unsere Anschriften werden von Firmen genutzt, die in uns potenziellen Profit sehen und nichts weiter im Sinn haben als unser Geld. Hat sich da etwas durchs Netz geändert? Nein. Ich habe mehr Spam in meinem Briefkasten als in meinem E-Mail-Eingang: Anzeigenblätter, Discounter-Prospekte und all die anderen Dinge, die durch den Briefschlitz passen. Wir empören uns über Google und Facebook, die unsere Daten speichern, Daten, die wir ihnen freiwillig geben. Für einen kostenlosen Duden schicken wir aber gerne ein Kärtchen mit unserer Adresse, dem Namen und Alter unserer Kinder an Bertelsmann. Konsequent ist das nicht. Warum fühlt sich die Weitergabe der Daten aber anders an? Warum stört uns die mangelnde Transparenz bei Facebook mehr als beim Duden-Händler? Beide verraten uns nicht, was sie mit den Daten machen, wie viel sie über uns wissen – mit wem sie ihr Wissen teilen.

Es wird offensichtlich

Der große Unterschied ist, wie offensichtlich uns die Auswertung unserer Daten wird. Obwohl bei beiden Datensammlern hinter den Kulissen wahrscheinlich dieselben Schritte ablaufen, bemerken wir sie im digitalen Lebensumfeld schneller: Web-Werbung, die sich schneller anpasst, als das letzte Paar Schuhe bestellt war; Suchvorschläge, die sich vervollständigen, bevor mich das Thema überhaupt interessierte. Schockierend? Warum schockt dann aber der Anruf eines Abo-Call-Centers nicht, der genau dann kommt, wenn das Probe-Abo endet? Oder die Autowerbung, die hereinschneit, nachdem der alte Wagen ziemlich teure Reparaturen bei der letzten Inspektion nötig hatte.

Warum reden wir da jetzt schon wieder drüber?

Im analogen Leben nehmen wir viele Eingriffe in unsere Privatsphäre also nicht mehr als etwas Besonders wahr. Aber auch wie viele Daten Nutzer mit der Zeit zum Beispiel auf den Servern von Facebook anhäufen, merken die meisten erst, wenn diese Daten interpretiert werden. Was Facebook macht, um passende Werbeanzeigen schalten zu können, machen auch Wissenschaftler. Wissenschaftler veröffentlichen allerdings in der Regel die Ergebnisse ihrer Analysen – Facebook nicht. So eine wissenschaftliche Betrachtung hat nun wieder eine Artikelwelle in den deutschen Massenmedien angestoßen. Bemerkenswert ist aber die Heransgehensweise ans Thema:

  • SpOn: „Facebook-Psychologie: Zeig mir deine Likes – und ich weiß, wer du bist“
  • FAZ: „Modell entlarvt Privates – „Gefällt mir“ auf Facebook ist verräterisch“
  • taz: Studie über Facebook – „Gefällt mir“-Klicken zeigt IQ
  • SZ: Facebook-Studie – „Mein Geschlecht, meine Hautfarbe, meine Drogen“
  • ZEIT: Studie – „Facebook-Likes als Gradmesser für Intelligenz“

„Verräterisch“, „Drogen“, „entlarven“ – Hilfe! Grundtenor, mal mehr, mal weniger, ist: Jeder kann deine Persönlichkeit aus Facebook auslesen. Deine persönlichsten Geheimnisse sind nicht mehr sicher. Das stimmt aber nicht.

Es wird persönlich

Im Rahmen einer Studie der Cambridge-Universität entwickelten Forscher eine Facebook-App, die dem Besitzer eines Profils anhand der Likes Eigenschaften und politische Einstellungen zuordnen kann. Es ist also festzuhalten, dass die Nutzer ihre Daten bewusst per App für die Studie zur Verfügung gestellt haben. Es handelt sich nicht um öffentliche Daten. Immer unter der Prämisse, dass das Unternehmen Facebook natürlich immer auf alle Daten innerhalb des Netzwerks Zugriff hat und darüber verfügt, wer Zugriff auf diese Daten hat.

Die Genauigkeit des Algorithmus der Forscher ist dennoch in Teilen bemerkenswert. Anders als eine Auswertung des Profils von Hand oder eine Befragung der Person, kann also der Algorithmus viel schneller und dennoch mit guter Trefferquote erkennen, welche Art von Persönlichkeit sich hier präsentiert. Derartige Erkenntnisse könnten aber durch eine Befragung mindestens genauso gut ermittelt werden – nichts anderes macht die Marktforschung. Hier einmal die Ergebnisse, die die App aus meinen Likes generierte:

Hier seht ihr meine Eigenschaften.

Die Studie und ihre Methoden hinterfragen – nicht Facebook

Doch was sehen wir hier? Mich – wie ich bin? Nein, eher mich, wie ich mich präsentieren möchte. Die Likes repräsentieren mein Selbstbild – und das in geschönter Form. Denn in die Likes fließt ja nicht die Außensicht anderer ein, sondern nur, wie ich mich selber sehen möchte. Journalistische Aufgabe wäre also, die Studie zu hinterfragen, zu prüfen, ob die Thesen der Wissenschaftler zutreffen. Doch das passt medienpolitisch nicht so gut. Denn Facebook und Google sind als Feindbilder in den Köpfen der Leser zu halten.

Eine wichtige Frage zur Studie ist: Basieren die Raster und Einteilungen, in denen die Likes kategorisiert werden, auf Vorurteilen und Annahmen der Forscher? Oder wurde im Vorfeld die jeweilige ethnische oder gesellschaftliche Gruppe auf ihre Likes hin getestet und das Raster damit „geeicht“? Betrachte ich die Tabelle, auf der wohl beispielhafte Likes und „ihre Bedeutungen“ gelistet sind, komme ich eher zu ersterem Schluss: Die Forscher haben sich überlegt, welche Likes für welche Eigenschaft stehen. Zum Beispiel:

  • Beerpong = outgoing and active
  • My Calendar 2010 = well organized
  • I Hate Police = competitive

Ich bin schockiert, wenn mich der Algorithmus als „cooperative“ einstuft, denn da stehen Likes wie „Go To Church“, „The Book Of Mormon“ oder „Circles Of Prayer“ Pate. Da sehe ich mich doch schon eher im entgegengesetzten Bereich, in dem auch Atheismus verortet wird. Doch warum ist jemand assertive, der nicht an Gott glaubt? Und warum ZUR HÖLLE, soll ich nicht selbstsicher sein und mich behaupten können… Offensichtlich muss ich meine Likes also noch besser abstimmen, um den richtigen Eindruck zu machen. Der Punkt ist doch aber: Das sind keine dunklen Geheimnisse, die da aus meinen Likes ersichtlich werden.

Hier wäre also journalistischer Spielraum gewesen, Schwächen der Studie aufzuzeigen, die Ergebnisse zu relativieren und aus soziologischer Sicht einzuordnen.

Google Glass – und die Privatsphäre Dritter

Sowohl die Bestellkarten für die kostenlosen Duden als auch ein Profil auf Facebook sind selbst gewählte Einbrüche in die eigene Privatsphäre. Jeder kann selber entscheiden, ob er seine Daten herausgeben will. Eine Facebook-App hat erst nach ausdrücklicher Erlaubnis Zugriff auf das eigene Profil, um die Likes analysieren zu dürfen. Likes, die bewusst gesetzt wurden und die persönlichen Vorlieben widerspiegeln.

Was passiert aber mit unserer Privatsphäre, wenn wir sie nicht mehr selber aufgeben? Wie sind Überwachungskameras in diese Überlegung mit einzubeziehen und sind Google-Brillen genau genommen nichts anderes als tragbare Überwachungskameras mit Standleitung zu Google?

Anders als bei den oben beschriebenen Einbrüchen in die Privatsphäre brechen wir mit Überwachungskameras und Google-Brillen in die Privatsphäre anderer ein. Laufe ich durch die Stadt und trage ein Video-Sound-System, das Daten auf Google-Servern speichert, dann eröffne ich dem Unternehmen Google die Möglichkeit, über mich in die Welt zu schauen. Jeder, der sich in einem einseh- und -hörbaren Radius befindet, wird aufgezeichnet: in Bild und Ton.

Doch müssen wir dagegen kämpfen, dass eine solche Gesellschaft kommt, oder wollen wir dafür kämpfen, dass jeder so sein kann, wie er will? Wollen wir dabei auf Medien hören, die Facebook und Google verurteilen, aber selbst Daten sammeln, um Neukunden zu finden und Bestandskunden neue Produkte zu verkaufen?

Wovor haben wir Angst? Dass jemand weiß, wen wir lieben? Nein, wir haben davor Angst, dass jemand für seine Zwecke ausnützt, dass er weiß, wen wir lieben. Wir haben Angst, keinen Job zu finden, weil wir lesbisch sind? Wir haben Angst, dass wir nicht eingestellt werden, weil wir zwei Kinder haben und diese alleine erziehen? Davor darf niemand Angst haben (müssen)! Die Idioten, die alleinstehende Mütter nicht einstellen, gegen die müssen wir kämpfen, statt gegen das soziale Netzwerk, aus dem der Idiot die Info rausgekauft hat.

Digitaler Kindergarten

Wie lange wird es wohl noch dauern, bis wir den Begriff „Suchmaschine“ nicht mehr verwenden? „Suchen“ und „Finden“ passten schon zum Start dieser Art von Dienstleistung nicht ganz richtig. Denn die Ergebnisse einer „Such“maschine listeten Betreiber-Unternehmen von Anfang an nach eigenen Rangfolge- und Auswahlkriterien. Legitim, denn schließlich finanziert sich die Dienstleistung nicht von alleine. Die immer stärker integrierten sozialen Ströme in den „Such“-Algorithmen könnten aber dazu führen, dass sich Suchmaschinen zu digitalen Sandkästen entwickeln. „Die Kleinen“ sandeln ein bisschen unter Aufsicht und spielen mit Förmchen und Schäufelchen.

Wenn sich Suchmaschinen dem vermeintlichen intellektuellen Niveau des Nutzers anpassen, wird die Gesellschaft verdummen. GeekWire beschreibt ein anderthalb Jahre altes Microsoft-Patent. Die Idee der Entwickler: Rückschlüsse aus den Aktivitäten in sozialen Netzwerken sollen die Suchergebnisse beeinflussen. Aber nicht etwa das Like beim Sportverein oder der Schuhmarke, sondern wie intelligent meine eigenen Äußerungen in sozialen Netzwerken sind. Dümmliche Postings – seichte Suchergebnisse.

Sicher würde ein solches „Bing for Dummies“ manchem Nutzer leicht verständliche Kost auf den Bildschirm liefern. Aber durch was sollen wir uns dann bilden? Wie sollen wir neue Ideen bekommen? Was uns antreibt sind Ideen und Meinungen, die wir nicht verstehen, aber verstehen wollen. Das ist die Motivation am Lernen. Wenn wir Herausforderungen nicht mehr gestellt bekommen, wenn intellektuelle Unterforderung alltäglich wird, wo soll das hinführen? Wo stuft Bing eine Person ein, die auf facebook hauptsächlich Cat-Content verbreitet?

Außerdem setzt die Technik voraus, dass wir grundsätzlich liken, was uns gefällt, dass wir nur verbreiten, was uns interessiert, und dass unser Profil der Wahrheit entspricht.

Für mich hört sich das so an, als müssten wir uns bald auf digitale Breinahrung umstellen. Für Felix von Leitner ist das digitale Elitenbildung. Das freie Netz wird durch solche Entwicklungen jedenfalls nicht größer.

Will man wirklich wissen, wie Google funktioniert, bekommt man tatsächlich die groben Züge erklärt. Doch wie die Selektion funktioniert, bleibt weiter Betriebsgeheimnis. Warum dürfen wir aber nicht wissen, weshalb uns Google was zeigt. Wäre das nicht ein großartiges Erlebnis, wenn neben einem Suchergebnis die Gründe für seine Positionierung erläutert würden? In Ansätzen gibt es das schon, aber wirkliche Transparenz der Gründe für Rangfolge und Auswahl der Suchergebnisse existiert nicht.

Warum sollen sich meine Suchergebnisse überhaupt nach meinen Äußerungen in sozialen Netzwerken richten? Wenn ich Tipps zum Pflanzen von Rosen brauche, möchte ich doch am liebsten auf Inhalte von Gärtnern geschickt werden. Wäre es also nicht viel effektiver, würden soziale Feeds von Spezialisten integriert? Themenspezifisch immer neu sortiert.

Konsequent ist die Vorgehensweise von Suchmaschinenanbietern natürlich. Primär geht es ja auch darum, den Suchenden mit optimal abgestimmten Anzeigen zu versorgen und nicht darum, intelligente Inhalte zu präsentieren. Natürlich balancieren die Suchmaschinenanbieter auf dem Grat zwischen möglichst zufriedenen Anzeigenkunden und möglichst unabhängigen Suchergebnissen. Denn wären die Suchergebnisse nicht zufriedenstellend, würden sich die Nutzer abwenden. Der Werbemarkt bräche zusammen.

Die Frage, die sich der Nutzer mit jeder Suche stellen sollte, ist: Will ich akzeptieren, dass ein Wirtschaftsunternehmen meine Suchergebnisse an den Interessen anderer Wirtschaftsunternehmen orientiert? Es ist dieselbe Frage, die sich im Supermarkt stellt. Bin ich mir bewusst, dass ich als Nutzer mitbestimmen kann? Wir entscheiden, wer die Marktmacht hat. Vor der Kühltheke wie am Suchfenster. Entweder wir schwören einem anderen König die Treue und wechseln die Suchmaschine, wenn uns das Gebaren nicht mehr passt. Oder noch viel besser: Wir rufen die Republik aus und kümmern uns selbst um unsere Links und Informationen.

Was verrätst du Facebook?

Die Techische Universität Darmstadt, genauer das Fachgebiet Wirtschaftsinformatik, forscht in Kooperation mit dem Hessischen Rundfunk. Zusammen mit hr-info wollen die Forscher wissen, was wir auf sozialen Netzwerken über uns veröffentlichen.

Die Umfrage ist wertvoll, weil mit ihr Forschung zu neuen gesellschaftlichen Entwicklungen betrieben wird. Allerdings bezweifle ich, dass herausragende, neue Erkenntnisse gewonnen werden. Die Studie wird bestätigen, dass Facebook dem Stalken dient und wir viel über uns selbst in sozialen Netzwerken preisgeben. All dies in der Hoffnung, neue Menschen kennenzulernen.

Es wird zwar nach den Chancen gefragt, die ein Social Network bietet, um Freundschaften zu schließen und neue Menschen kennenzulernen. Ich vermisse in der Umfrage aber die Frage, wie oft das schon in bestehenden Netzwerken funktioniert hat.

Ich finde es ein bisschen traurig, dass das „fiktive Netzwerk“ in der Umfrage ein Facebook-Klon ist. Hier hätte ich mir Fragen gewünscht, die auch andere Aspekte berücksichtigen. Zum Beispiel: „Sie haben zwei Social Networks zur Auswahl: Die AGB des einen passen auf eine DIN A4 Seite, beim anderen sind es 45 Seiten. Für welches entscheiden Sie sich?“ Ich vermisse auch Fragen wie: „Wünschen Sie sich Alternativen zu kommerziellen Angeboten?“ Oder: „Wie viele Freunde haben Sie über soziale Netzwerke kennengelernt?“ und „Dienen soziale Netzwerke für Sie dem Erhalten bestehender Freundschaften?“

Ein Schmunzeln löst zudem die Frage nach dem Beziehungsstatus aus. Nachdem man beantwortet hat, ob man in sozialen Netzwerken seinen Status in Sachen Beziehung in der Regel angibt, folgt unter folgender Prämisse…

Hinweis zu den darauffolgenden demografische Fragen.

… diese Frage:

Frage nach dem Beziehungstatus.

Die Beziehungsfrage muss beantwortet werden, um die Umfrage abschließen zu können. Also habe ich da mal eben eine falsche Aussage gemacht. Ha. Falls jemand fragt, ich bin verwitwet.

Letzter kleiner Kritikpunkt meinerseits: Inhaltlich gedoppelte Fragen haben mich ein bisschen gestört.

Natürlich dienen Studien immer dazu, Vermutungen zu bestätigen oder sie zu widerlegen (meist sind das die interessanteren Studien). Aber ich hätte mir trotzdem ein weiteres und mutigeres Fragenspektrum gewünscht.

Trotz meiner Kritik hoffe ich, die Umfrage findet reichlich Zulauf und wirft aufschlussreiche Ergebnisse ab.

Hornbachs Reaktion

Heute Morgen um 2 Uhr postete Hornbach folgende Nachricht:

Hallo Freunde, wir haben die „Lovestory“ von der Seite genommen. Das Risiko, dass die Beteiligten Nachteile davon haben könnten, war uns zu groß. Das könnt ihr jetzt gut oder doof finden, aber wir haben hier auch eine Verantwortung, nicht nur unseren Mitarbeitern gegenüber. Toll, dass es euch allen so gut gefallen hat, aber es gibt wichtigeres als Belustigung auf Facebook. Nun sollten wir die Privatsphäre der Akteure achten. Wir sind uns sicher, ihr habt Verständnis dafür. Danke. YippieYeah

Ein wenig unglücklich formuliert: „Nun sollten wir die Privatsphäre der Akteure achten.“ Erstens warum „nun“? Die Privatsphäre sollte man doch wohl grundsätzlich achten. Zweitens ist das kein Fall für das Argument Privatsphäre. Schließlich haben sich alle Beteiligten auf einer öffentlichen Plattform und freiwillig geäußert. Drittens schockiert mich immer noch die Einstellung, dass es sich hierbei um Belustigung gehandelt haben soll. Irgendwie scheint da die Einsicht nicht durchgesickert zu sein, dass Spott und Schadenfreude nicht Unterhaltung entsprechen.

Vielleicht liegt die unglückliche Formulierung auch am Zeitpunkt der Veröffentlichung (2 Uhr morgens).

Aber ich will mich darüber jetzt nicht weiter echauffieren und hoffe, dass die Situation und der Umgang damit keinen Schaden bei den Beteiligten hinterlassen wird.

Hornbach auf Facebook

Es geht um einen gestrigen Eintrag auf der Facebook-Seite des Baumarkts Hornbach.

Ein junger Mann schreibt auf die Pinnwand, weil er sich in die Mitarbeiterin an der Info verguckt hat.

Was sich dann entwickelt, ist erst nett, gerät aber mit immer mehr Kommentaren ein wenig außer Kontrolle. Dies scheint auch allen Beteiligten bewusst. Nur der junge Mann ist sich darüber wohl nicht im Klaren.

Die Frage nach der Lektüre des Eintrags und der hundert Kommentare dazu lautet also: Hätte Hornbach diesen jungen Mann, der sich bei Hornbach gut aufgehoben fühlte, besser vor sich selbst schützen müssen?

Anmerkung vom 17.9.2011: Der Link funktioniert nicht mehr. Hornbach hat die Diskussion gelöscht.

Facebook, Google+, Twitter, … – Content, Content, Content

Twitter, Google+ und Facebook dienen vielen neben privater Kommunikation vor allem zur Selbstdarstellung und dem Verbreiten eigener Inhalte im Netz. Ein bisschen frustrierend ist es, wie mir seit Google+ wieder so richtig deutlich wird, wenn man auf mehreren Diensten den selben Personen folgt. Der gleiche Content auf Facebook, der gleiche Content auf Google+ und der gleiche Content auf Twitter. Nein, es ist der selbe – meist exakt, weil gleichzeitig auf verschiedene Plattformen gepostet. Crossposting oder Multiposting nennt sich dieses weitgehend automatisierte Verfahren.

Natürlich könnte man sagen: „Dann folg‘ ihnen doch einfach nicht auf allen Social-Media-Gefrickeln, such dir eines davon aus.“

Ich finde aber, das ist der falsche Ansatz. Denn die Dienste haben jeweils ihren eigenen Charme. Twitter mit seiner Zeichenbegrenzung zwingt zu prägnanter Kurzkommunikation. Das ist toll, immer wieder sogar wunderschön und poetisch.

Google+, so hoffe ich zumindest immer noch, wird mit der Integration der anderen Google-Dienste das ganze digitale Leben umkrempeln. Wahnsinn. Google+ ist der Traum für professionelles Kommunizieren auf sehr persönlicher Ebene.

Tja und Facebook ist halt meistens ein einigermaßen privates Netzwerk. Naja. Und Online-Trash. Auch schön.

Also, ihr lieben Content-Spreader da draußen: Nutzt die Dienste differenziert und zeigt uns, dass man jedem Dienst etwas besonderes abgewinnen kann und nicht überall den selben Inhalt immer wieder und wieder ausspucken muss.

Ich will kurze, geile Schnipsel auf Twitter und Hintergründe auf Google+. Facebook könnt ihr wegen mir auch gerne nach Google+ umziehen und dort eure privaten Geschichten erzählen.

Aber tut es! Jetzt!

„Die Zukunft ist 2.0“

Die Zukunft des Web 2.0 hätte eigentlich das Thema der Podiumsdiskussion im Rahmen des Zukunftsforums in der Handwerkskammer Stuttgart sein sollen. Doch die Gäste auf dem Podium – Mario Sixtus (@sixtus) und Peter Glaser (@peterglaser) – sahen sich am Freitag, 18. Februar 2011, mehr mit den Ängsten der Generation meiner Großeltern und somit ihrer eigenen Elterngeneration konfrontiert.

Als Mario Sixtus im Sessel Platz genommen hatte, führte die Diskussion thematisch in die bekannte Richtung dessen, wie die alten Medien mit dem Online-Journalismus umgehen. „Der Schritt von Print zu Online ist für alteingesessene Journalisten der schmerzvollste“, sagte Sixtus. Feedback und Kommentarmöglichkeiten im Netz seien im Online-Journalismus viel massiver in Gebrauch. Das führe dazu, dass sich die Journalisten gekränkt fühlten, wenn sich Spezialisten zu Wort meldeten. Mit Menschen, die sich in einer Thematik besser auskennen würden, könnten viele Verfasser nicht umgehen.

Glaser berichtete von seiner ersten Begegnung mit einem Computer, damals 1979. „Eine Schreibmaschine, mit der ich ins Fernsehen eingreifen konnte“, sagte Glaser. Glaser sagte weiter, dass das Internet der Neunziger „schaufensterhaft“ gewesen sei. Social Software und Networks stellten nun das Interagieren in den Mittelpunkt: „Menschen interessieren sich nicht für Maschinen. Menschen interessieren sich für Menschen.“ Deshalb seien soziale Netzwerke so erfolgreich, die Maschine trete in den Hintergrund.

Sixtus äußerte sich auch zum Blog-Sterben: Empfehlungen und Kurzmeldungen, die früher auf Blogs stattgefunden hätten, verschöben sich auf Twitter und Facebook. Es gebe immer weniger junge Menschen, die Blogs erstellen würden.

Auch die „Gefahren“ von Facebook fanden ihren Weg in die Diskussion. Sixtus: „Ich bin mir bei Facebook auch nicht sicher, ob das jetzt der Weisheit letzter Schluss ist. Dafür gehen die Macher von Facebook eigentlich zu schludrig mit den Bedürfnissen ihrer Nutzer um. Und wurschteln da vor sich hin und verändern mal eben irgendwas und sagen nicht warum und man kriegt es überhaupt nicht mit, warum was jetzt wie wo passiert.“

Sixtus: „Leute in unserem Alter sind im Netz überwiegend passiv unterwegs. Sie nutzen es für Dinge, die sie kennen: Reisen buchen, Banking und Zeitung lesen.“ Er wehrt sich aber dagegen, die Nutzer des Internets in Generationen zu unterteilen.

Die erste Frage aus dem Publikum ging darauf ein, dass die Sprache durch die Kommunikation im Internet verfalle. Peter Glaser sagte: Dadurch, dass man im Netz zumeist mit geschriebener Sprache kommuniziere, würden Schreibschwächen, Schlampigkeit und schlechter Stil offensichtlich. „Das Internet macht Dinge sichtbar, die ohnehin da sind.“

Und schließlich noch, wer hätte es gedacht: Wikileaks. Aus dem Publikum kam die Frage, was Leaks durch Mitarbeiter für mittelständische Unternehmer bedeuten könnten. Mitarbeiter könnten ihre Verträge offen legen und Geheimnisse im Netz ausplaudern. Glaser beantwortete die Frage mit dem allgemeinen neuen Verständnis von Privatsphäre. Er nutzte die Metapher der Telefonzelle: Sie habe sich von einem wirklichen Haus hin zu einem „Kommunikationsmarterpfahl“ entwickelt. Bildhaft sei dafür auch das Führen von Telefongesprächen in der Öffentlichkeit mit dem Mobiltelefon.

Die Befürchtung „ein Honorarspiegel“ könnte durch Leaks von Angestellten entstehen, beantwortete Glaser damit, dass es den bereits für freie Autoren bei der Gewerkschaft gebe. „Das Internet macht die Dinge transparent und durchschaubar, ob‘s uns jetzt gefällt oder nicht.“ Anonymes Ausplaudern von Geheimnissen sei aber, so Glaser, etwas, das es nicht erst seit dem Internet gibt.

Sixtus sagte: „Das ist wie eine Naturgewalt. Auf einmal werden die Daten flüchtig. Da werden wir uns dran gewöhnen müssen. Die einzige Alternative ist eigentlich, das Internet abzuschalten.“ Ich gehe an dieser Stelle davon aus, dass er das nicht als Alternative sieht.

Peter Glaser betonte, dass das Internet kein rechtsfreier Raum sei. Verstoße jemand gegen eine Vereinbarung zur Geheimhaltung, sei das auch im Internet juristisch verfolgbar. Glaser sagte weiter, die großen Tageszeitungen könnten ohne anonyme, geschützte Informanten nicht existieren. Es würden keine Skandale mehr aufgedeckt.

Das ist es wohl auch, was den Menschen noch nicht ganz klar ist: Nur weil kein großer Zeitungsname über einem Blog steht, heißt das ja nicht, dass dort Unwahrheiten berichtet werden.

Nach der Veranstaltung bestand zum Glück die Möglichkeit, mit den anderen Zuhörern in Kontakt zu treten. Was @DerFips und ich in der Diskussion leisteten war Aufklärungsarbeit. Leider nur mit den offen eingestellten Gästen, die nicht völlig geblendet aus Angst vor Veränderung ihre Augen vor dem Web verschließen wollten oder schon verschlossen hatten.