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Double Irish With a Dutch Sandwich – Snack zum 1. Mai

Steuertricks und Steuerflucht sind alltäglich und kommen fast so unverfänglich daher wie das Bestellen eines Double Chocolate Cheesecake Muffins. Doch während Starbucks mit dem Muffin nur dem Zuckerhungrigen das Geld aus der Tasche zieht, sorgt dieselbe Firma mit dem Double Irish With A Dutch Sandwich für leere Staatskassen. Es handelt sich um einen der beliebtesten Steuertricks internationaler Firmen wie Apple, Google, Amazon, IKEA und eben Starbucks. Doch wenn die oberen Zehntausend dem Fiskus ein Schnippchen schlagen, passiert das auf Kosten der restlichen Bevölkerung. Sie füllen ihre Konten mit Geld, das die Gemeinschaft braucht, das der Gesellschaft fehlt.

Die Firmen buchen intern ihre Gelder um, gründen in den passenden europäischen Ländern Niederlassungen, die nur den Zweck der Steuervermeidung erfüllen. Große internationale Firmen sparen sich auf diese Weise jeweils Steuerzahlungen in Höhe mehrerer Milliarden US-Dollar.

“Multinational companies routed €10.2 trillion ($13.586 trillion) in 2010 through 14,300 Dutch ‘special financial units,’ according to the Dutch Central Bank,” the news agency wrote. “Such units often only exist on paper, as is allowed by law.”

Doch egal, ob legal oder illegal: Auch rechtlich einwandfreie Steuertricks sind weit davon entfernt, gerecht zu sein. Denn die Folgen von Steuerhinterziehung und Steuertricks sind leere Staatskassen. Was hier stattfindet, ist asoziale Umverteilung von Vermögen. Reiche Bevölkerungsteile enthalten ihren Mitbürgern Solidarabgaben vor – obwohl diese Abgaben für sie ein Klacks wären. Gelder, die die Staaten für die Ausbildung ihrer Jugendlichen brauchen, Gelder, mit denen in Deutschland Krippenplätze finanziert oder Stromleitungen verlegt werden könnten, werden auf anonyme ausländische Konten umgebucht.

Was bleibt dem Staat dann anderes übrig, als für den Schuldenabbau die Sozialleistungen zu kürzen und die Steuern zu erhöhen? Aber natürlich nicht die Steuern, die die Wohlhabenden beträfen. Nein: Statt den Spitzensteuersatz anzuheben und eine Vermögenssteuer einzuführen, werden Steuern erhöht, die auf dem Papier alle gleichmäßig belasten. Es soll ja schließlich fair zugehen in unserem Land. Eine erhöhte Mehrwertsteuer macht den Ärmeren aber viel mehr zu schaffen als denen mit gefüllter Portokasse.

Langsam sickert aber auch bei den Politikern die Einsicht durch, dass das Sanieren der Staatskassen auf Kosten der Armen keine Zukunft hat. Medienwirksam Steuerflüchtlinge zu Fall zu bringen, kommt da schon viel besser an. Bleibt zu hoffen, dass sich Recht und Gerechtigkeit ein wenig annähern. Denn der Sozialstaat steht vor dem Versagen, während sich ein kleiner Teil der Bevölkerung nicht um seine Rente sorgen muss – sondern von seinen Zinsen mehr als gut lebt. Ein Modell, das keine Zukunft haben darf.

Wir und unsere Privatsphäre – warum messen wir mit unterschiedlichem Maß?

Unsere Privatsphäre ist ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens – Ist sie dabei, sich zu verändern? Akzeptieren wir, dass wir in einer Welt leben, in der Privatsphäre vor allem von Firmen nicht mehr geachtet wird? Ist das Verhalten dieser Firmen neu – oder nehmen wir es nur in letzter Zeit wieder vermehrt wahr? In den letzten Tagen fanden einige Themen auffällig medial statt, die unsere Privatheit betreffen.

An wen denke ich, wenn ich diese Zeilen schreibe? Nein, dieser Text wird nicht nur von Facebook handeln oder von Google Glass, der Ich-dokumentiere-alles-Brille.

Ich denke vor allem auch an Bertelsmann und all die anderen Unternehmen, die Adressen und Daten sammeln, um ihren Absatz zu vergrößern. Für die diese Praxis nichts Neues ist. Ich denke ebenso an unsere Meldeämter, die diesen Unternehmen beim Sammeln helfen.

Bei der Problematik der Adresshändler-freundlichen Meldeämter gibt es jetzt eine praktische und schnelle Möglichkeit, Einspruch zu erheben. datensparsam.de macht den „Antrag auf Übermittlungssperre“ zur Sache weniger Klicks. Den Antrag geben aber auch die Meldeämter direkt heraus.

Adresshandel ist nichts Neues

Unsere Anschriften werden von Firmen genutzt, die in uns potenziellen Profit sehen und nichts weiter im Sinn haben als unser Geld. Hat sich da etwas durchs Netz geändert? Nein. Ich habe mehr Spam in meinem Briefkasten als in meinem E-Mail-Eingang: Anzeigenblätter, Discounter-Prospekte und all die anderen Dinge, die durch den Briefschlitz passen. Wir empören uns über Google und Facebook, die unsere Daten speichern, Daten, die wir ihnen freiwillig geben. Für einen kostenlosen Duden schicken wir aber gerne ein Kärtchen mit unserer Adresse, dem Namen und Alter unserer Kinder an Bertelsmann. Konsequent ist das nicht. Warum fühlt sich die Weitergabe der Daten aber anders an? Warum stört uns die mangelnde Transparenz bei Facebook mehr als beim Duden-Händler? Beide verraten uns nicht, was sie mit den Daten machen, wie viel sie über uns wissen – mit wem sie ihr Wissen teilen.

Es wird offensichtlich

Der große Unterschied ist, wie offensichtlich uns die Auswertung unserer Daten wird. Obwohl bei beiden Datensammlern hinter den Kulissen wahrscheinlich dieselben Schritte ablaufen, bemerken wir sie im digitalen Lebensumfeld schneller: Web-Werbung, die sich schneller anpasst, als das letzte Paar Schuhe bestellt war; Suchvorschläge, die sich vervollständigen, bevor mich das Thema überhaupt interessierte. Schockierend? Warum schockt dann aber der Anruf eines Abo-Call-Centers nicht, der genau dann kommt, wenn das Probe-Abo endet? Oder die Autowerbung, die hereinschneit, nachdem der alte Wagen ziemlich teure Reparaturen bei der letzten Inspektion nötig hatte.

Warum reden wir da jetzt schon wieder drüber?

Im analogen Leben nehmen wir viele Eingriffe in unsere Privatsphäre also nicht mehr als etwas Besonders wahr. Aber auch wie viele Daten Nutzer mit der Zeit zum Beispiel auf den Servern von Facebook anhäufen, merken die meisten erst, wenn diese Daten interpretiert werden. Was Facebook macht, um passende Werbeanzeigen schalten zu können, machen auch Wissenschaftler. Wissenschaftler veröffentlichen allerdings in der Regel die Ergebnisse ihrer Analysen – Facebook nicht. So eine wissenschaftliche Betrachtung hat nun wieder eine Artikelwelle in den deutschen Massenmedien angestoßen. Bemerkenswert ist aber die Heransgehensweise ans Thema:

  • SpOn: „Facebook-Psychologie: Zeig mir deine Likes – und ich weiß, wer du bist“
  • FAZ: „Modell entlarvt Privates – „Gefällt mir“ auf Facebook ist verräterisch“
  • taz: Studie über Facebook – „Gefällt mir“-Klicken zeigt IQ
  • SZ: Facebook-Studie – „Mein Geschlecht, meine Hautfarbe, meine Drogen“
  • ZEIT: Studie – „Facebook-Likes als Gradmesser für Intelligenz“

„Verräterisch“, „Drogen“, „entlarven“ – Hilfe! Grundtenor, mal mehr, mal weniger, ist: Jeder kann deine Persönlichkeit aus Facebook auslesen. Deine persönlichsten Geheimnisse sind nicht mehr sicher. Das stimmt aber nicht.

Es wird persönlich

Im Rahmen einer Studie der Cambridge-Universität entwickelten Forscher eine Facebook-App, die dem Besitzer eines Profils anhand der Likes Eigenschaften und politische Einstellungen zuordnen kann. Es ist also festzuhalten, dass die Nutzer ihre Daten bewusst per App für die Studie zur Verfügung gestellt haben. Es handelt sich nicht um öffentliche Daten. Immer unter der Prämisse, dass das Unternehmen Facebook natürlich immer auf alle Daten innerhalb des Netzwerks Zugriff hat und darüber verfügt, wer Zugriff auf diese Daten hat.

Die Genauigkeit des Algorithmus der Forscher ist dennoch in Teilen bemerkenswert. Anders als eine Auswertung des Profils von Hand oder eine Befragung der Person, kann also der Algorithmus viel schneller und dennoch mit guter Trefferquote erkennen, welche Art von Persönlichkeit sich hier präsentiert. Derartige Erkenntnisse könnten aber durch eine Befragung mindestens genauso gut ermittelt werden – nichts anderes macht die Marktforschung. Hier einmal die Ergebnisse, die die App aus meinen Likes generierte:

Hier seht ihr meine Eigenschaften.

Die Studie und ihre Methoden hinterfragen – nicht Facebook

Doch was sehen wir hier? Mich – wie ich bin? Nein, eher mich, wie ich mich präsentieren möchte. Die Likes repräsentieren mein Selbstbild – und das in geschönter Form. Denn in die Likes fließt ja nicht die Außensicht anderer ein, sondern nur, wie ich mich selber sehen möchte. Journalistische Aufgabe wäre also, die Studie zu hinterfragen, zu prüfen, ob die Thesen der Wissenschaftler zutreffen. Doch das passt medienpolitisch nicht so gut. Denn Facebook und Google sind als Feindbilder in den Köpfen der Leser zu halten.

Eine wichtige Frage zur Studie ist: Basieren die Raster und Einteilungen, in denen die Likes kategorisiert werden, auf Vorurteilen und Annahmen der Forscher? Oder wurde im Vorfeld die jeweilige ethnische oder gesellschaftliche Gruppe auf ihre Likes hin getestet und das Raster damit „geeicht“? Betrachte ich die Tabelle, auf der wohl beispielhafte Likes und „ihre Bedeutungen“ gelistet sind, komme ich eher zu ersterem Schluss: Die Forscher haben sich überlegt, welche Likes für welche Eigenschaft stehen. Zum Beispiel:

  • Beerpong = outgoing and active
  • My Calendar 2010 = well organized
  • I Hate Police = competitive

Ich bin schockiert, wenn mich der Algorithmus als „cooperative“ einstuft, denn da stehen Likes wie „Go To Church“, „The Book Of Mormon“ oder „Circles Of Prayer“ Pate. Da sehe ich mich doch schon eher im entgegengesetzten Bereich, in dem auch Atheismus verortet wird. Doch warum ist jemand assertive, der nicht an Gott glaubt? Und warum ZUR HÖLLE, soll ich nicht selbstsicher sein und mich behaupten können… Offensichtlich muss ich meine Likes also noch besser abstimmen, um den richtigen Eindruck zu machen. Der Punkt ist doch aber: Das sind keine dunklen Geheimnisse, die da aus meinen Likes ersichtlich werden.

Hier wäre also journalistischer Spielraum gewesen, Schwächen der Studie aufzuzeigen, die Ergebnisse zu relativieren und aus soziologischer Sicht einzuordnen.

Google Glass – und die Privatsphäre Dritter

Sowohl die Bestellkarten für die kostenlosen Duden als auch ein Profil auf Facebook sind selbst gewählte Einbrüche in die eigene Privatsphäre. Jeder kann selber entscheiden, ob er seine Daten herausgeben will. Eine Facebook-App hat erst nach ausdrücklicher Erlaubnis Zugriff auf das eigene Profil, um die Likes analysieren zu dürfen. Likes, die bewusst gesetzt wurden und die persönlichen Vorlieben widerspiegeln.

Was passiert aber mit unserer Privatsphäre, wenn wir sie nicht mehr selber aufgeben? Wie sind Überwachungskameras in diese Überlegung mit einzubeziehen und sind Google-Brillen genau genommen nichts anderes als tragbare Überwachungskameras mit Standleitung zu Google?

Anders als bei den oben beschriebenen Einbrüchen in die Privatsphäre brechen wir mit Überwachungskameras und Google-Brillen in die Privatsphäre anderer ein. Laufe ich durch die Stadt und trage ein Video-Sound-System, das Daten auf Google-Servern speichert, dann eröffne ich dem Unternehmen Google die Möglichkeit, über mich in die Welt zu schauen. Jeder, der sich in einem einseh- und -hörbaren Radius befindet, wird aufgezeichnet: in Bild und Ton.

Doch müssen wir dagegen kämpfen, dass eine solche Gesellschaft kommt, oder wollen wir dafür kämpfen, dass jeder so sein kann, wie er will? Wollen wir dabei auf Medien hören, die Facebook und Google verurteilen, aber selbst Daten sammeln, um Neukunden zu finden und Bestandskunden neue Produkte zu verkaufen?

Wovor haben wir Angst? Dass jemand weiß, wen wir lieben? Nein, wir haben davor Angst, dass jemand für seine Zwecke ausnützt, dass er weiß, wen wir lieben. Wir haben Angst, keinen Job zu finden, weil wir lesbisch sind? Wir haben Angst, dass wir nicht eingestellt werden, weil wir zwei Kinder haben und diese alleine erziehen? Davor darf niemand Angst haben (müssen)! Die Idioten, die alleinstehende Mütter nicht einstellen, gegen die müssen wir kämpfen, statt gegen das soziale Netzwerk, aus dem der Idiot die Info rausgekauft hat.

Digitaler Kindergarten

Wie lange wird es wohl noch dauern, bis wir den Begriff „Suchmaschine“ nicht mehr verwenden? „Suchen“ und „Finden“ passten schon zum Start dieser Art von Dienstleistung nicht ganz richtig. Denn die Ergebnisse einer „Such“maschine listeten Betreiber-Unternehmen von Anfang an nach eigenen Rangfolge- und Auswahlkriterien. Legitim, denn schließlich finanziert sich die Dienstleistung nicht von alleine. Die immer stärker integrierten sozialen Ströme in den „Such“-Algorithmen könnten aber dazu führen, dass sich Suchmaschinen zu digitalen Sandkästen entwickeln. „Die Kleinen“ sandeln ein bisschen unter Aufsicht und spielen mit Förmchen und Schäufelchen.

Wenn sich Suchmaschinen dem vermeintlichen intellektuellen Niveau des Nutzers anpassen, wird die Gesellschaft verdummen. GeekWire beschreibt ein anderthalb Jahre altes Microsoft-Patent. Die Idee der Entwickler: Rückschlüsse aus den Aktivitäten in sozialen Netzwerken sollen die Suchergebnisse beeinflussen. Aber nicht etwa das Like beim Sportverein oder der Schuhmarke, sondern wie intelligent meine eigenen Äußerungen in sozialen Netzwerken sind. Dümmliche Postings – seichte Suchergebnisse.

Sicher würde ein solches „Bing for Dummies“ manchem Nutzer leicht verständliche Kost auf den Bildschirm liefern. Aber durch was sollen wir uns dann bilden? Wie sollen wir neue Ideen bekommen? Was uns antreibt sind Ideen und Meinungen, die wir nicht verstehen, aber verstehen wollen. Das ist die Motivation am Lernen. Wenn wir Herausforderungen nicht mehr gestellt bekommen, wenn intellektuelle Unterforderung alltäglich wird, wo soll das hinführen? Wo stuft Bing eine Person ein, die auf facebook hauptsächlich Cat-Content verbreitet?

Außerdem setzt die Technik voraus, dass wir grundsätzlich liken, was uns gefällt, dass wir nur verbreiten, was uns interessiert, und dass unser Profil der Wahrheit entspricht.

Für mich hört sich das so an, als müssten wir uns bald auf digitale Breinahrung umstellen. Für Felix von Leitner ist das digitale Elitenbildung. Das freie Netz wird durch solche Entwicklungen jedenfalls nicht größer.

Will man wirklich wissen, wie Google funktioniert, bekommt man tatsächlich die groben Züge erklärt. Doch wie die Selektion funktioniert, bleibt weiter Betriebsgeheimnis. Warum dürfen wir aber nicht wissen, weshalb uns Google was zeigt. Wäre das nicht ein großartiges Erlebnis, wenn neben einem Suchergebnis die Gründe für seine Positionierung erläutert würden? In Ansätzen gibt es das schon, aber wirkliche Transparenz der Gründe für Rangfolge und Auswahl der Suchergebnisse existiert nicht.

Warum sollen sich meine Suchergebnisse überhaupt nach meinen Äußerungen in sozialen Netzwerken richten? Wenn ich Tipps zum Pflanzen von Rosen brauche, möchte ich doch am liebsten auf Inhalte von Gärtnern geschickt werden. Wäre es also nicht viel effektiver, würden soziale Feeds von Spezialisten integriert? Themenspezifisch immer neu sortiert.

Konsequent ist die Vorgehensweise von Suchmaschinenanbietern natürlich. Primär geht es ja auch darum, den Suchenden mit optimal abgestimmten Anzeigen zu versorgen und nicht darum, intelligente Inhalte zu präsentieren. Natürlich balancieren die Suchmaschinenanbieter auf dem Grat zwischen möglichst zufriedenen Anzeigenkunden und möglichst unabhängigen Suchergebnissen. Denn wären die Suchergebnisse nicht zufriedenstellend, würden sich die Nutzer abwenden. Der Werbemarkt bräche zusammen.

Die Frage, die sich der Nutzer mit jeder Suche stellen sollte, ist: Will ich akzeptieren, dass ein Wirtschaftsunternehmen meine Suchergebnisse an den Interessen anderer Wirtschaftsunternehmen orientiert? Es ist dieselbe Frage, die sich im Supermarkt stellt. Bin ich mir bewusst, dass ich als Nutzer mitbestimmen kann? Wir entscheiden, wer die Marktmacht hat. Vor der Kühltheke wie am Suchfenster. Entweder wir schwören einem anderen König die Treue und wechseln die Suchmaschine, wenn uns das Gebaren nicht mehr passt. Oder noch viel besser: Wir rufen die Republik aus und kümmern uns selbst um unsere Links und Informationen.

Facebook, Google+, Twitter, … – Content, Content, Content

Twitter, Google+ und Facebook dienen vielen neben privater Kommunikation vor allem zur Selbstdarstellung und dem Verbreiten eigener Inhalte im Netz. Ein bisschen frustrierend ist es, wie mir seit Google+ wieder so richtig deutlich wird, wenn man auf mehreren Diensten den selben Personen folgt. Der gleiche Content auf Facebook, der gleiche Content auf Google+ und der gleiche Content auf Twitter. Nein, es ist der selbe – meist exakt, weil gleichzeitig auf verschiedene Plattformen gepostet. Crossposting oder Multiposting nennt sich dieses weitgehend automatisierte Verfahren.

Natürlich könnte man sagen: „Dann folg‘ ihnen doch einfach nicht auf allen Social-Media-Gefrickeln, such dir eines davon aus.“

Ich finde aber, das ist der falsche Ansatz. Denn die Dienste haben jeweils ihren eigenen Charme. Twitter mit seiner Zeichenbegrenzung zwingt zu prägnanter Kurzkommunikation. Das ist toll, immer wieder sogar wunderschön und poetisch.

Google+, so hoffe ich zumindest immer noch, wird mit der Integration der anderen Google-Dienste das ganze digitale Leben umkrempeln. Wahnsinn. Google+ ist der Traum für professionelles Kommunizieren auf sehr persönlicher Ebene.

Tja und Facebook ist halt meistens ein einigermaßen privates Netzwerk. Naja. Und Online-Trash. Auch schön.

Also, ihr lieben Content-Spreader da draußen: Nutzt die Dienste differenziert und zeigt uns, dass man jedem Dienst etwas besonderes abgewinnen kann und nicht überall den selben Inhalt immer wieder und wieder ausspucken muss.

Ich will kurze, geile Schnipsel auf Twitter und Hintergründe auf Google+. Facebook könnt ihr wegen mir auch gerne nach Google+ umziehen und dort eure privaten Geschichten erzählen.

Aber tut es! Jetzt!

Traurig, traurig. GooglePlus-Pages werden kommen.

Im vorletzten Beitrag schrieb ich, dass das Kontaktmanagement von Google+ Schwierigkeiten für Menschen mit vielen Followern haben wird. Ich schrieb auch, dass es ein öffentliches zur Schau stellen aller Kontakte gibt. Die Einführung von GooglePlus-Pages „löst“ das erste genannte Problem für Menschen mit einem gewissen Bekanntheitsgrad.

GooglePlus-Pages für Unternehmen und Selbstständige einzuführen, zeigt vor allem eines: Google scheint sich nicht von Facebook differenzieren zu wollen. Unterschiede zwischen den beiden zu finden, wird immer schwieriger. Schade. GooglePlus hatte doch wohl den Anspruch, besser zu sein.

Google sollte Facebook nicht nachahmen im Akquirieren von Investoren und großen Unternehmen. Google hätte die Chance nutzen können, wenigstens zu Anfang einen Dienst zur Verfügung zu stellen, der dem Nutzer dient. Nun werden wir auch zur Ware von Google. Wo bleibt denn der Mehrwert für den Nutzer, wenn die beiden Dienste sich nicht unterscheiden. Statt als erstes die anderen Dienste von Google noch besser zu integrieren, kümmert man sich darum, Unternehmen und somit Geld mit ins Boot zu holen.

Ein Social Network sollte wenigstens im Ursprung social sein, bevor es commercial wird.

Nach einer halben Stunde mit Google+ …

… muss ich sagen, das Gute von Facebook wurde übernommen. Und auch Schönes von Twitter fand seinen Weg hinein in GooglePlus. Alles geht einfach und schnell.

Das Teilen von Inhalt mit verschiedenen Gruppen ist so einfach wie mit Freundes-Listen auf Facebook. Nur, dass die Kreise schöner und intuitiver sind.

Das Folgen ist wie bei Twitter. Und mehr gibt’s dazu auch nicht zu sagen.

Ich sehe ein kleines Problem beim öffentlichen Präsentieren der eigenen Kontakte. Hier kann ich zwischen der Öffentlichkeit und meinen Kontakten entscheiden. Die Wahl heißt also „Die Welt sieht meine Kontakte“ oder „Meine Kontakte sehen die anderen Kontakte“.

Des Weiteren kann ich bestimmen, welche Kreise ich zeigen möchte. Theoretisch könnte ich also sagen: Alle meine Kontakte dürfen den Kreis „Kollegen“ sehen. „Die Welt“ sieht also keinen meiner Kontakte. Alle meine Kontakte sehen, wer meine „Kollegen“ sind.

Damit sind die Optionen aber schon erschöpft. Nicht mehr möglich sind Optionen wie: Meine „besten Freunde“ dürfen „alle Freunde“ sehen – oder „Kollegen“ dürfen „Kollegen“ sehen, aber nicht meine „Familie“. Und schon gar nicht kann man diese Optionen verknüpfen.

Es fehlt einfach die Unterscheidung, sagen zu können, diesen Leuten zeige ich jene Gruppe und jene Gruppe darf sehen, dass ich mit folgenden Personen in Kontakt stehe. Diese Möglichkeit, zu differenzieren, gibt es im Moment nicht. Aber GooglePlus braucht beides. Öffentliche Kontakte à la Twitter und private „Facebook“-Kontakte.

Für mich ist das jetzt im Moment noch kein Problem, wenn der Dienst aber wächst und die ersten Nutzer vier- oder fünfstellige Kontaktzahlen verbuchen können, werden sich diese Nutzer ein solches Feature wünschen. Sonst bliebe nur noch die Entscheidung zwischen der öffentlichen oder der privaten Nutzung von GooglePlus. GooglePlus kann und MUSS aber beides. Nur dann generiert GooglePlus Mehrwert gegenüber Facebook und Twitter.

Nur mit dieser Trennung kann GooglePlus Facebook in Sachen öffentliche Pages und private Accounts ausstechen.  Es wäre eine zentrale Anlaufstelle für alle.

Schlussendlich könnte man auch noch die Kontakte verstecken, aber das passt doch nicht zu einem sozialen Netzwerk.