kurze Durchsage: S21 Akteneinsicht in Mappus‘ Briefverkehr

S21-Schlichtungsgespräch

Eines hat mir der erste Schlichtungstag in Stuttgart heute gezeigt: Heiner Geißler ist ein sehr fähiger Schlichter. Nicht nur, dass er diese beiden Streitparteien an einen Tisch holt, nein er schafft es auch, aus der Debatte eben keinen „Schlagabtausch“,

„Stuttgart-Kontrahenten liefern sich Schlagabtausch“, so Spiegel-Online.

sondern eine faire Diskussion zu machen.

Das fiel mir in der Diskussion auf:

S21 führt zu mehr Fluggästen

Die unauffällige Äußerung des Sprechers für den Stuttgarter Flughafen dürfte den meisten Livestream- und Fernsehzuschauern kaum aufgefallen sein, dennoch:

Der Flughafen Stuttgart hofft durch den Durchgangsbahnhof eine große Zahl neuer Kunden (+1,2 Millionen) zu gewinnen.

Die Zuwächse, so Volker Kefer, Technikvorstand der Bahn, kommen aus den Zuwächsen bei den Langstreckenflügen. Neuen Passagieren, die früher nicht über Stuttgart geflogen wären, stünde diese Option mit Abschluss des Projekts dann zur Verfügung.

Ein Bahnprojekt, das die Fluggastzahlen erhöht. Auch schön. Aber verdient die Bahn nicht eigentlich mehr an den Fahrten nach Frankfurt oder München. Naja, das müssen sie selber wissen.

Großprojekte in Deutschland vom Groben ins Feine geplant

Auf Nachfragen der Gegner zeigte sich: Die Befürworter können nicht klar beantworten, ob die Infrastruktur, so wie sie jetzt geplant ist, heute funktionieren würde.

Für einzelne Bauabschnitte gibt es zwar diverse Gutachten, die in der Vergangenheit auch öffentlich in den Medien diskutiert wurden. Das Gesamtprojekt und alle Abläufe im Ganzen könnten so aber nicht abgeschätzt werden, bemängelte Boris Palmer, Tübingens Oberbürgermeister.

Die Gegner des Projekts befürchten, die projektierte Infrastruktur stieße schon mit dem heutigen Verkehrsaufkommen an ihre Grenzen. So könne sie zukünftig wachsenden Ansprüchen kaum standhalten.

Immer wieder fiel auf, dass Anschlüsse im neuen Hauptbahnhof mehr als nur suboptimal ablaufen würden: Aus Ulm kommend verpasse man um eine Minute den Anschluss-ICE nach Frankfurt, so eine Äußerung aus dem Lager der Gegner.

Die Planer entgegneten derartigen Einwänden, dass die aktuell vorliegenden Pläne nicht „der letzte Stand“ seien. Der Fahrplan würde weiter optimiert.

Großprojekte in der Schweiz – von Klein auf durchdacht

Hier sieht man besonders anschaulich, was das schweizerische vom deutschen Vorgehen unterscheidet: In der Schweiz, so eine Expertenäußerung aus dem Lager der Projektgegner, entwickle man zuerst einen Fahrplan und passe anschließend die Infrastruktur den Bedürfnissen aus dem gewünschten Fahrplan an.

Eine solche Vorgehensweise sei in Deutschland nicht möglich, meint Kefer. Die Abläufe in Deutschland seien nun mal eben so.

Zusammenfassend geht die Pro-Seite davon aus, dass alles, was ihnen die Gegner vorwerfen im weiteren Verlauf der Gespräche geklärt wird.

Die Gegner stehen auf dem Standpunkt: Es bleibt bei jetzt schon auffälligen Fehlern, die sich im Hinblick auf eine Fertigstellung in frühestens 10 Jahren noch weiter verschlimmern werden.

Geißler wünscht sich für nächsten Freitag, Quellen für Zitate und Bezugnahmen vorliegen zu haben. Er will vorbereitet sein. Weiter will er diese Quellen auch allen Bürgern online zur Verfügung stellen.

Geißler möchte nicht, dass eine Expertenrunde entsteht. Alle sollen sich noch stärker so ausdrücken, dass jeder Zuschauer alles verstehen kann.