Sexismus heute: von der Leyen – die „Mutti der Kompanie“

Aus aktuellem Anlass möchte ich heute die lange angedachte Kategorie Sexismus heute (Arbeitstitel) ins Leben rufen:

Wieso höre ich eigentlich in den vergangenen Tagen nur Zweifel an von der Leyen und der Bewältigung ihrer neuen Aufgaben? Wieso höre ich Radiomoderatorinnen immer und immer wieder, wie sie das elende „Mutti“-Gewäsch von sich geben? Frauen, die eine erfahrene Ministerin in eine absolut dämliche Schublade stecken, die selbst durch die Sexismus-Brille nun wahrlich nicht mehr zum neuen Ministerium passt. Irgendwie bekomme ich immer häufiger das Gefühl, wir brauchen einen Begriff für Sexismus gegen das eigene Geschlecht: Segoismus vielleicht.

Ich kann mich nicht erinnern, dass an Ramsauer und Friedrich bei der letzten Regierungsbildung medial derart rumgenölt worden wäre – und die waren absehbar unfähig, wofür es nach der jetzt endlich fertigen Regierung Belege gibt und worunter wir alle leiden. Gröhe im Gesundheitsministerium, darüber sollten wir mal sprechen. Stattdessen haben wir ja jetzt ne Soldaten-Mutti und ne Mutti der Nation… ja, ist das toll… Himmel, Arsch und Zwirn… Ich frage mich, warum Pofalla gehen lassen – wenn dann Dobrindt als Verkehrsminister kommt? Ein Verkehrsminister, der auch fürs Internet zuständig sein wird… Rationiert er dann auch bald Verhütungsmittel? Hat ja alles irgendwie mit Verkehr zu tun. Ich verliere mich…

Wenn ich mir das ZDF-Interview mit von der Leyen anschaue, stelle ich fest: Sie scheint mit Abstand die beste Besetzung des Kabinetts zu sein. Sie blickt von ihrer Warte aus realistisch auf ihre Aufgaben und Möglichkeiten. Ich würde mir mehr Selbstzweifel und weniger dickes Ego auch von Friedrich, Seehofer, Gabriel und Co wünschen. Die Herren spielen definitiv nicht in ihrer Coolness-Liga. Ich denke nicht, dass Friedrich sich jemals wirklich eingearbeitet hat in Sachen NSA, BND und Ähnliches. Warum hängen sich die Medien – in diesem Fall Kleber im Namen des ZDF – so an von der Leyen auf? Kein Minister hat (auch nur die geringste) Ahnung von Tuten und Blasen im jeweiligen Haus. Greifen wir zufällig ein Los heraus: Ramsauer ist gelernter Müller – hat dann noch ein bisschen Wirtschaft an der LMU draufgelegt… Ganz klar, perfekte fachliche Voraussetzungen für seine wahrgenommenen Posten. Friedrich ist Jurist, hat auch ein bisschen Wirtschaft draufgesattelt – aber hey, er hat gedient – WOW, ab ins Innenministerium. Und bei de Maizière weiß ich nicht, ob ich seine persönliche und Familiengeschichte mit und in der Bundeswehr als Qualifikation für seine Ämter auf die plus- oder auf die minus-Seite stellen soll. Wird man durch Zugehörigkeit und einen Vater, der Generalinspekteur der Bundeswehr war, wirklich zu einem besseren Verteidigungsminister oder trüben derartige Verquickungen nicht eher den objektiven Blick? Eine rational denkende Frau mit analytischen Fähigkeiten wird der Bundeswehr sicher nicht schaden.

Nun noch ein paar weihnachtliche Gender-Verbrechen und bis zum nächsten Mal bei Sexismus heute.

Update 18.12.2013 – 13.24 Uhr:

Leseempfehlung:

Wer die Personalie von der Leyen auf die Geschlechterfrage reduziert, begeht jedoch einen entscheidenden Fehler, der vom Grundsätzlichen ablenkt. Die Personalie von der Leyen ist keine „Geschlechterfrage“, sondern vielmehr eine „Klassenfrage“. Ohne ihre Herkunft aus der Oberschicht wäre Frau von der Leyen heute mit Sicherheit keine Ministerin. Und ob ein Mann oder eine Frau als Vertreter der Oberschicht Männer und Frauen der unteren Schichten für die Interessen der Oberschicht in den Tod schickt, sollte eigentlich Grundlage einer weiterführenden Diskussion sein. – Jens Berger, „Der Kuss der Patin – Irrungen und Wirrungen um Ursula von der Leyen“ auf nachdenkseiten.de

Ich möchte nochmal betonen, dass ich mich gerade genau daran störe, die Diskussion auf ihr Geschlecht zu reduzieren. Ganz generell sollte diskutiert werden, wer mit welchen Kompetenzen, was in unserem Land steuert. Egal, ob Frau oder Mann.