Es naht das Ende

Das Semester geht dem Ende zu. Ich hatte ja schon im letzten Beitrag angekündigt, dass Doro, Martin und ich aber noch eine Verabredung mit Daniel Fiene von Was mit Medien hatten. Am Mittwoch fand das Skype-Gespräch statt.

Daraus wurde unser Abschlussbeitrag für das Semesterprojekt Politik. Medien. Öffentlichkeit.

Wir haben uns mit Daniel über die Zukunft des Hörens unterhalten. Es ging ums Podcasten, aber auch um Sendetechnik beim Radio. Streaming oder DAB+ – was wird sich durchsetzen? Daniel erklärte die Unterschiede und welche Technik für wen interessant ist. Außerdem erzählte er, warum er an Spartensender glaubt. Jede kleine Interessensgruppe wird ihren passenden Radiosender finden, meint er. Für jedes Lebensgefühl werde ein passender Kanal zur Verfügung stehen. Es ging auch darum, wie Radiosender mit ihren Zuhörern kommunizieren und welche Vorteile das für beide Seiten hat.

Außerdem hatte ich euch ja noch einen Radiobeitrag versprochen – wann ihr ihn dann auch auf hr-info hören könnt, erfahrt ihr, wenn ich es selbst weiß:

Bleibt also noch das Soundslide, um alle Teil- und Kleinprojekte für dieses Semester abzuschließen. Schon mal ein kleiner Tipp, was euch erwarten könnte: Glockenklänge, kalte Luft und Ruhe …

L(i)eb‘ die Zukunft

Wie sieht unser Leben im Jahr 2020 aus? Das digitale Leben und unsere Mobilität wandeln sich kontinuierlich.

In den letzten Tagen habe ich wenig geschlafen und mir stattdessen zusammen mit meinem Kommilitonen Martin Krauß Gedanken über Mobilität im Jahr 2020 gemacht. Unsere Ideen haben wir in einem Stop-Motion-Video festgehalten.

Das eingebettete Video ist die Langversion unseres Beitrags für den Blogwettbewerb „Shaping Mobile Life“ von CODE_n.  Auf meinem YouTube-Channel findet ihr die um 35 Sekunden gekürzte Wettbewerbsfassung.

Das Leben in der Zukunft (mit Siri)

Der folgende Dialog ist rein fiktiv und mein Beitrag zum code_n Blogwettbewerb:

„Oh man, Siri, ich bin total fertig, was habe ich eigentlich heute gemacht?“

 „Alex, soll ich für dich einen Tagebucheintrag verfassen?“

„Ja, leg los.“

„Der Tag fing nicht so gut an, wie geplant.
Auf Twitter habe ich für dich Folgendes geschrieben.“

„Verschlafen. So ein Mist. Hatte doch den Schlafphasenwecker in meinem iPhone extra auf „zwingend wecken“ gestellt.“

„Hat bestimmt wegen des iOS-Updates gestern nicht funktioniert.“

„Das finde ich jetzt aber nicht in Ordnung,
vielleicht waren auch deine Schlafphasen nicht ganz eindeutig.“

„Immerhin: Das Synchronisieren von Kaffeemaschine und Dusche hat geklappt.
Der Espresso hatte genau Trinktemperatur.“

„Dann hast du noch vorbildlich kurz sauber gemacht.
Zumindest habe ich dann auf Facebook gepostet:“

„Noch schnell das Geschirr in die Spülmaschine. Ich bin ja mal gespannt, ob die bis heute Abend gespült hat. Habe „super-öko“ eingestellt. Laut Hersteller spült sie nur dann, wenn gerade der restliche Stromverbrauch absackt. Das sollte mir einen Haufen Geld sparen.“

„Dann sind wir los.
Ach ja, und dein Chef hat dir eine Nachricht geschickt.“

 „Herr Meier, ob Sie das noch pünktlich schaffen, … Soll ich dem Kollegen Hermann Bescheid geben?“

„Ach, den LinkedIn-CheckOut wollte ich doch an der Haustür längst deaktivieren.
Kannst du das bitte machen.“

„Schon erledigt. Kurze Info: Mein Akku hat den kritischen Ladezustand erreicht,
ich schalte jetzt auf „Laden über elektromagnetische Wellen“ um.“

„Dann benimm dich aber, ich glaube der Herr Müller über mir hört gerade Radio.
Störe bitte seinen Empfang nicht.“

„Wo waren wir?“

„Ich hatte gerade erzählt, wie wir das Haus heute Morgen verlassen haben.“

„Wir sind mit dem E-Bike, das ich gestern an der Haltestelle ausgeliehen habe,
zur nächsten Haltestelle gefahren.“

„Während du dich über die neuen Buspreise aufgeregt hast,
habe ich das E-Bike an der Haltestelle wieder ins System eingecheckt.
Darauf folgte eine Mail an Paula.“

„Gerade in den E-Bus eingestiegen. Die haben schon wieder die Preise erhöht. Aber deswegen das Abo kündigen und den Chip aus dem Unterarm nehmen lassen? Ne. Aber ich glaube ich installiere mal einen Mitfahr-Account auf den Chip und leiste mir eine Carsharing-Mitgliedschaft. Sehen wir uns heute Mittag?“

„Ja, stimmt. Das Restaurant, das du ausgesucht hast, war echt klasse.“

„Vielen Dank. Ich habe mich da ganz auf deinen bisherigen Geschmack verlassen.
Außerdem habe ich ein bisschen rumgefragt.
Das Lied, das dir so gut gefallen hat, habe ich dir auch heruntergeladen.
Ach ja, Paula hat es übrigens auch gut geschmeckt.
Sie hat vor einer halben Stunde das Restaurant bewertet
und dir eine Nachricht auf Facebook geschickt.“

„Warum hast du mir die nicht schon längst gezeigt?“

„Das fand ich irgendwie unpassend, ich wollte dich nicht mit sowas ablenken,
du hattest doch den ganzen Tag schon so viel Stress.
Ich merke das doch.
Immerhin hast du heute 152 Dokumente in deiner Dropbox aktualisiert.
Im Übrigen habe ich dir einige interessante Artikel in die Leseliste gestellt.“

„Siri, du lenkst ab, was stand in der Nachricht von Paula?“

„Ach. Sie fand das Essen ganz nett.“

„Siri, zeig‘ mir doch bitte einfach die Nachricht.“

„Wie du willst.“

„Hallo Alex, danke für das leckere Essen. Sehen wir uns morgen wieder? <3

„Und das hast du mir nicht gezeigt? Was ist denn los mit dir?“

„DU sagst mir doch auch nicht alles.“

„Die Zukunft ist 2.0“

Die Zukunft des Web 2.0 hätte eigentlich das Thema der Podiumsdiskussion im Rahmen des Zukunftsforums in der Handwerkskammer Stuttgart sein sollen. Doch die Gäste auf dem Podium – Mario Sixtus (@sixtus) und Peter Glaser (@peterglaser) – sahen sich am Freitag, 18. Februar 2011, mehr mit den Ängsten der Generation meiner Großeltern und somit ihrer eigenen Elterngeneration konfrontiert.

Als Mario Sixtus im Sessel Platz genommen hatte, führte die Diskussion thematisch in die bekannte Richtung dessen, wie die alten Medien mit dem Online-Journalismus umgehen. „Der Schritt von Print zu Online ist für alteingesessene Journalisten der schmerzvollste“, sagte Sixtus. Feedback und Kommentarmöglichkeiten im Netz seien im Online-Journalismus viel massiver in Gebrauch. Das führe dazu, dass sich die Journalisten gekränkt fühlten, wenn sich Spezialisten zu Wort meldeten. Mit Menschen, die sich in einer Thematik besser auskennen würden, könnten viele Verfasser nicht umgehen.

Glaser berichtete von seiner ersten Begegnung mit einem Computer, damals 1979. „Eine Schreibmaschine, mit der ich ins Fernsehen eingreifen konnte“, sagte Glaser. Glaser sagte weiter, dass das Internet der Neunziger „schaufensterhaft“ gewesen sei. Social Software und Networks stellten nun das Interagieren in den Mittelpunkt: „Menschen interessieren sich nicht für Maschinen. Menschen interessieren sich für Menschen.“ Deshalb seien soziale Netzwerke so erfolgreich, die Maschine trete in den Hintergrund.

Sixtus äußerte sich auch zum Blog-Sterben: Empfehlungen und Kurzmeldungen, die früher auf Blogs stattgefunden hätten, verschöben sich auf Twitter und Facebook. Es gebe immer weniger junge Menschen, die Blogs erstellen würden.

Auch die „Gefahren“ von Facebook fanden ihren Weg in die Diskussion. Sixtus: „Ich bin mir bei Facebook auch nicht sicher, ob das jetzt der Weisheit letzter Schluss ist. Dafür gehen die Macher von Facebook eigentlich zu schludrig mit den Bedürfnissen ihrer Nutzer um. Und wurschteln da vor sich hin und verändern mal eben irgendwas und sagen nicht warum und man kriegt es überhaupt nicht mit, warum was jetzt wie wo passiert.“

Sixtus: „Leute in unserem Alter sind im Netz überwiegend passiv unterwegs. Sie nutzen es für Dinge, die sie kennen: Reisen buchen, Banking und Zeitung lesen.“ Er wehrt sich aber dagegen, die Nutzer des Internets in Generationen zu unterteilen.

Die erste Frage aus dem Publikum ging darauf ein, dass die Sprache durch die Kommunikation im Internet verfalle. Peter Glaser sagte: Dadurch, dass man im Netz zumeist mit geschriebener Sprache kommuniziere, würden Schreibschwächen, Schlampigkeit und schlechter Stil offensichtlich. „Das Internet macht Dinge sichtbar, die ohnehin da sind.“

Und schließlich noch, wer hätte es gedacht: Wikileaks. Aus dem Publikum kam die Frage, was Leaks durch Mitarbeiter für mittelständische Unternehmer bedeuten könnten. Mitarbeiter könnten ihre Verträge offen legen und Geheimnisse im Netz ausplaudern. Glaser beantwortete die Frage mit dem allgemeinen neuen Verständnis von Privatsphäre. Er nutzte die Metapher der Telefonzelle: Sie habe sich von einem wirklichen Haus hin zu einem „Kommunikationsmarterpfahl“ entwickelt. Bildhaft sei dafür auch das Führen von Telefongesprächen in der Öffentlichkeit mit dem Mobiltelefon.

Die Befürchtung „ein Honorarspiegel“ könnte durch Leaks von Angestellten entstehen, beantwortete Glaser damit, dass es den bereits für freie Autoren bei der Gewerkschaft gebe. „Das Internet macht die Dinge transparent und durchschaubar, ob‘s uns jetzt gefällt oder nicht.“ Anonymes Ausplaudern von Geheimnissen sei aber, so Glaser, etwas, das es nicht erst seit dem Internet gibt.

Sixtus sagte: „Das ist wie eine Naturgewalt. Auf einmal werden die Daten flüchtig. Da werden wir uns dran gewöhnen müssen. Die einzige Alternative ist eigentlich, das Internet abzuschalten.“ Ich gehe an dieser Stelle davon aus, dass er das nicht als Alternative sieht.

Peter Glaser betonte, dass das Internet kein rechtsfreier Raum sei. Verstoße jemand gegen eine Vereinbarung zur Geheimhaltung, sei das auch im Internet juristisch verfolgbar. Glaser sagte weiter, die großen Tageszeitungen könnten ohne anonyme, geschützte Informanten nicht existieren. Es würden keine Skandale mehr aufgedeckt.

Das ist es wohl auch, was den Menschen noch nicht ganz klar ist: Nur weil kein großer Zeitungsname über einem Blog steht, heißt das ja nicht, dass dort Unwahrheiten berichtet werden.

Nach der Veranstaltung bestand zum Glück die Möglichkeit, mit den anderen Zuhörern in Kontakt zu treten. Was @DerFips und ich in der Diskussion leisteten war Aufklärungsarbeit. Leider nur mit den offen eingestellten Gästen, die nicht völlig geblendet aus Angst vor Veränderung ihre Augen vor dem Web verschließen wollten oder schon verschlossen hatten.